Drei Dinge, die bei der Niederlage von Borussia Dortmund in Kiel auffielen: Schlechter kann es nicht mehr werden
Update 15/01/2025 um 08:32 GMT+1 Uhr
Borussia Dortmund erlebt beim 2:4 gegen Holstein Kiel den nächsten Tiefpunkt. Obwohl in der Abwehr erfahrene Leistungsträger zurückkehrten, war die Unsicherheit größer als zuvor. Offensiv hatte der BVB zwar viel Ballbesitz, agierte aber einfallslos. Für Sport-Geschäftsführer Lars Ricken lautet das ernüchternde Fazit, dass es der Mannschaft an Bereitschaft fehlt. Drei Dinge, die auffielen.
Sahin stocksauer: "Auch mit elf Kranken beschämend"
Quelle: Perform
Die Krise von Borussia Dortmund spitzt sich zu. Am Dienstagabend verlor Borussia Dortmund 2:4 (0:3) bei Aufsteiger Holstein Kiel. Dabei spielte der BVB eine katastrophale erste Halbzeit. Shuto Machino (27.), Phil Harres (32.) und Alexander Bernhardsson (45.+4) sorgten mit ihren Treffern für eine Halbzeitführung von 3:0.
Dortmund brauchte auch nach der Pause Anlaufzeit, war dann allerdings effektiv. Der eingewechselte Giovanni Reyna erzielte den Anschlusstreffer (71.), sechs Minuten später legte Jamie Gittens mit dem 2:3 nach, doch den Schlusspunkt setzte Kiel durch Fiete Arp (90.+9).
"Ich glaube, wenn man Dortmund schlagen kann, dann ist jetzt vielleicht die Woche gewesen, in der das möglich ist - bei allem, was da jetzt los ist mit den Krankheiten und den Verletzungen", sagte Arp. "In dieser Phase war es für uns möglich, gegen eine Top-Mannschaft eine perfekte Leistung zu bringen."
Drei Dinge, die uns in Kiel auffielen:
1. Mehr Erfahrung in der Defensive - und noch mehr Probleme
Die Grippewelle flachte ab. Nuri Sahin konnte die Viererkette, die beim 2:3 gegen Bayer Leverkusen noch die Startelf-Debütanten Yannik Lührs und Almugera Kabar beinhaltete, mit Erfahrung bereichern.
Die Rückkehrer Emre Can und Nico Schlotterbeck bildeten die Innenverteidigung, Ramy Bensebaini spielte hinten links. Ausgerechnet in dieser Konstellation legte der BVB die schlechteste erste Halbzeit der Saison hin.
Nach fünf Minuten hatte Kiel die erste Großchance, weil die rechte Abwehrseite offen war. Nach einer Viertelstunde verlor Schlotterbeck im Spielaufbau den Ball in der eigenen Hälfte. Beide Male konnte Kiel die BVB-Patzer nicht ausnutzen.
Dieses Glück verließ die Gastmannschaft, als auch noch Julian Brandt den Ball in der eigenen Hälfte verstolperte. Das 0:1 durch Machino war die logische Konsequenz. Beim zweiten Gegentreffer war die komplette Hintermannschaft völlig falsch positioniert. Es folgte das 0:3, bei dem sich die Dortmunder naiv auskontern ließen.
"Es ist nicht so, dass wir hergespielt wurden. Wir haben Geschenke gemacht. Und genau das darfst du gegen einen tiefstehenden Gegner nicht machen", kritisierte Sahin.
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Nach dem Spiel stellten sich einige BVB-Spieler den aufgebrachten Fans
Fotocredit: Imago
2. Dortmunder Ballbesitz erneut ohne Wert
Der BVB hatte in der ersten Halbzeit zwar 78 Prozent Ballbesitz, lag allerdings völlig zurecht hinten. Kiel hatte in den ersten 45 Minuten mit 7:6 das bessere Torschussverhältnis. Auch die xGoals sprachen mit 1,15 zu 0:35 für den Bundesliga-Aufsteiger.
Zur Erinnerung: Auch gegen Leverkusen hatte der BVB deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner (70:30), verlor aber dennoch die Partie.
Wer nun erwartet hätte, dass Dortmund mit einer Trotzreaktion aus der Halbzeit kommen würde, sah sich getäuscht. Die eingewechselten Maximilian Beier und Waldemar Anton fügten sich vielmehr ins Gesamtbild ein. Bis zu 58. Minute geschah nahezu gar nichts.
Reyna und Gittens brachten den BVB auf 2:3 heran - doch viel mehr als diese sechs starken Minuten kamen nicht zustande. Auch weil Kiel es gelang, mit herausgeholten Fouls und Behandlungspausen den Spielrhythmus zu zerstören.
Über die komplette Spielzeit hatte Dortmund 75 Prozent Ballbesitz. Genützt hat es wenig. "Ich habe mich noch nie über Ballbesitz definiert", sagte Sahin gegenüber Eurosport. "Wir wollen Kontrolle im Spiel haben, das ist klar. Aber wir wollen vor allem in den Sechzehner. Für uns ist wichtig, wie viele Chancen wir kreieren und wie viele tiefe Läufe wir gegen einen tiefstehenden Gegner haben. Aber ich habe kaum tiefe Läufe gesehen."
Stattdessen herrschte Einfallslosigkeit. "Wenn der Gegner gestaffelt im 5-3-2 steht und du jeden Ball ins Zentrum schlägst, dann ist das ein gefundenes Fressen für den Gegner. Wir hatten kaum Torchancen. Ich kann mich an keine gute erinnern - bis auf die zwei Tore, aber auch das waren keine riesigen Chancen", stellte Sahin fest.
3. Dortmund fehlt es an Leistungsbereitschaft
Wie ist es möglich, dass eine Mannschaft mit Champions-League-Ambitionen von einem Aufsteiger 45 Minuten regelrecht deklassiert wird? Ricken stellt den Charakter der Mannschaft infrage. "Die erste Halbzeit war unwürdig bis peinlich", sagte er im Gespräch mit Eurosport. "Profifußball ist Leistungssport, wo es darum geht, über 90 Minuten Leistung abzurufen und Ergebnisse einzufahren."
Der Verein gebe den Spielern "alle Möglichkeiten, um die Leistung abzurufen. Wir haben ein großes Trainerteam, wir haben Top-Rahmenbedingungen, über 80.000 Zuschauer bei uns im Stadion, auch hier am Dienstagabend um 18:30 Uhr ist unser Block voll. Mir fehlt gerade die Bereitschaft, das auch wertzuschätzen und abzurufen."
Tatsächlich war es auffällig, dass Dortmund sich mental keineswegs gegen die Niederlage stemmte. Nicht einmal die beiden Anschlusstreffer führten dazu, dass ein Ruck durch die Mannschaft ging. Sahin sprach daher von einer "beschämenden Leistung von der ersten bis zur letzten Minute."
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