Mathys Tel beim FC Bayern vor Abschied: Millionen-Ablöse lockt Münchner - Leihe oder Verkauf des Top-Talents?
Update 01/02/2025 um 14:50 GMT+1 Uhr
Publikumsliebling Mathys Tel will den FC Bayern nach zweieinhalb Jahren in München verlassen. Tottenham Hotspur bietet für den 19-jährigen FCB-Stürmer 60 Millionen Euro Ablöse. Sportvorstand Max Eberl steht unter Druck, er soll auch Transfererlöse erzielen. Die Münchner müssen sich darum entscheiden zwischen Fußballromantik und knallharten Geschäftszahlen: Tel also nur ausleihen oder verkaufen?
Leihe? Verkauf? Verbleib? Eberl gibt Update zu Bayern-Talent Tel
Quelle: SID
Die Vorbereitung auf das Bundesliga-Heimspiel des FC Bayern gegen Holstein Kiel am Samstag war nur am Rande ein Thema an diesem Freitag auf dem FCB-Gelände an der Säbener Straße. Selbst das frisch gezogene Los Celtic Glasgow für die notwendig gewordene Extra-Runde in den Playoffs der Champions League im Februar sorgte nicht so sehr für Aufregung wie die heikle Frage in Sachen Mathys Tel: Loslassen, sprich den Stürmer ziehen lassen, oder behalten, also nur ausleihen?
60 Millionen Euro Ablöse soll Premier-League-Klub Tottenham Hotspur für einen Kauf von Tel bieten. Wie "Sky" und die französische Sportzeitung "L'Équipe" berichteten, sollen der Bundesliga-Spitzenreiter und Tottenham bereits eine mündliche Einigung über einen Transfer erzielt haben. Dagegen könne sich Manchester United eher eine Leihe bis Saisonende vorstellen.
Der Ball liegt bei Tel - verbunden mit der Frage, was der FC Bayern ihm für die Zukunft verspricht bzw. versprechen kann. Der Verein, so ist herauszuhören, würde gerne über Los gehen und das Geld mitnehmen. Doch dazu gehören mehrere Parteien.
Am Freitagabend vermeldeten "Sky" und "L'Équipe" erneut übereinstimmend, dass Tel dem Tabellen-15. der Premier League abgesagt hat.
Eberl: "Astronomische Angebote" für Tel
Man werde sich bemühen, "die beste Lösung für alle Beteiligen zu suchen", sagte Sportvorstand Max Eberl am Freitagvormittag. Ohne konkret auf Tel einzugehen, meinte Eberl zu möglichen Deals angesichts des nahenden Deadline-Days (das Transferfenster schließt am Montag): "Wenn jetzt für Spieler astronomische Angebote kommen, dann muss Bayern München sportlich, aber auch finanziell entscheiden, was für Schritte man geht." Ein Bekenntnis, weiter an Tel zu glauben und seine Entwicklung weiter fördern zu wollen, hätte anders geklungen. Außerdem ist die sportliche Führung von ganz oben angehalten, Transfererlöse zu erzielen.
Am Mittwochabend hatte der 19-jährige Franzose selbst die Initiative ergriffen und Bilder sprechen lassen. Er war sein eigener Regisseur als er nach dem 3:1 des FC Bayern am letzten Spieltag der Champions-League-Vorrunde gegen Slovan Bratislava zu den Fans in der Südkurve ging, seine Jacke verschenkte, winkte, redete, Selfies machte und Autogramme gab. Tel nahm Abschied – demonstrativ abseits der Mannschaft, die auf eine Ehrenrunde ging. Für ihn war es die Au-Revoir-Runde.
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Thomas Müller und Mathys Tel vom FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
War der 62-Minuten-Einsatz gegen Bratislava sein letztes Spiel? "Ich weiß es nicht", sagte Tel zu den Reportern bevor er die Allianz Arena verließ. Draußen, am Parkplatz, belagerten ihn ein paar Fans. Letzte Souvenirs eines jungen Mannes, der als unerfülltes Versprechen in die Vereinshistorie eingeht.
Tel, der Publikumsliebling - schön und gut. Das ist die eine Seite. Die Beziehung zu den Fans, die er bemerkenswert intensiv gepflegt hat, ist enorm wichtig, darf einen Sportvorstand bzw. den Aufsichtsrat, das Gremium, das Transfers absegnet, aber nicht daran hindern, im Sinne des Vereins zu agieren und wirtschaftlich zu denken. Empathie für einen Spieler und gelebte Fußballromantik schlagen sich nicht auf dem Konto nieder.
Tel kam als Wette auf die Zukunft
Im Sommer 2022 war Tel für rund 20 Millionen Euro von Stade Rennes zu den Bayern gewechselt – geholt vom damaligen Duo an der Vereinsspitze, von Vorstandsboss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Viel Geld für ein nahezu unbekanntes Talent mit 17 Jahren. Eine Wette auf die Zukunft mit einer Vertragslaufzeit bis 2027. Auch jetzt ist Tel immer noch erst 19 Jahre alt und hat in seiner dritten Saison beim FC Bayern bereits drei Trainer und drei Philosophien erlebt: Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel, jetzt Vincent Kompany. 2023, nur ein Jahr nach seiner Ankunft, wurde dem Angreifer, der am liebsten auf der Mittelstürmer-Position spielt, Weltklasse-Mann Harry Kane vor die Nase gesetzt. Ein Transfer rund um die 100-Millionen-Euro-Marke. Rekord für den FC Bayern, Rekord für die Bundesliga. Ein Wow-Wechsel mit Strahlkraft und Toregarantie. Tel blieb. Von einem wie Kane kann man ja auch viel lernen.
Die zweite Saison war Tels beste Zeit in München, im Herbst 2023 knipste er als Joker unter Tuchel regelmäßig. Irgendwann endete das Momentum, rien ne va plus. Tel fand sich auf der Bank wieder. Dennoch wurde sein Vertrag vor nicht einmal zehn Monaten bis 2029 verlängert – eine der ersten Amtshandlungen des neuen Sportvorstands Eberl, der seinen Job am 1. März 2024 antrat. Aber auch unter Kompany hat Tel weiter einen schweren Stand. In der laufenden Saison kam der französische U21-Nationalspieler in nur 14 Pflichtspielen zum Einsatz, dabei erzielte er keinen Treffer, lieferte lediglich eine Torvorlage. Zu wenig. Die Entwicklung ist ins Stocken geraten.
Aber wer hat Schuld daran? An wem liegt es? An ihm selbst? An Bayerns Strategie? Am Kader? Wie so oft ist es eine Mischung.
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Mathys Tel auf der Bank des FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Als Kane-Ersatz wird Müller vorgezogen
Tel ist hinter Kane die klare Nummer zwei auf der Mittelstürmer-Position, allerdings vertraute Kompany, wenn der britische Nationalelf-Kapitän wie im Dezember verletzt fehlte, eher Oldie Thomas Müller als Ersatz. Tel wurde und wird von allen Trainern bei Bayern meist auf der linken Außenbahn eingesetzt - nicht seine präferierte Rolle. Doch für die Flügel hat Bayern ein Überangebot: Kingsley Coman (28), Serge Gnabry (29), Leroy Sané (29). Im Sommer verpflichtete man Michael Olise für 53 Millionen Euro Ablöse von Crystal Palace. Der Franzose hat sich schnell integriert und zurechtgefunden. Dem erst 23-Jährigen, bisher mit zehn Toren und elf Vorlagen effektivster Flügelspieler, gehört die Zukunft.
Das Problem für Tel: Coman (bis 2027) und Gnabry (bis 2026) sind mit sehr, sehr gut dotierten Verträgen ausgestattet. Letzten Sommer entschied sich Coman gegen einen Wechsel in die saudi-arabische Pro-League. Gnabry startete den x-ten Neuanfang, wollte ebenfalls nicht weg. Beide performen wenig konstant, eher unterdurchschnittlich. Und Wundertüte Sané, dessen Vertrag diesen Sommer ausläuft, wäre sogar zu Gehaltseinbußen bereit, wenn er doch nur bleiben dürfte. Bei einem Nein geht Sané ablösefrei, mit Coman und Gnabry scheint aufgrund geringer Nachfrage auch diesen Sommer nicht wirklich groß Kasse zu machen aus Vereinssicht. Transfererlöse erzielen? Geht wohl auf dieser Position nur mit Talent Tel, der am vergangenen Montag von sich aus auf den Verein zuging und um die Möglichkeit bat, sich verändern zu können.
"Mathys ist ein unfassbar begehrter Spieler"
Ganz selten hätten "so viele Vereine angerufen", sagte Eberl zu den Anfragen für Tel. Neben Tottenham und Manchester United sind auch Aston Villa, das nach dem Abgang von Stürmer Jhon Durán für über 70 Millionen Euro zu Cristiano-Ronaldo-Klub Al-Nassr aus Saudi-Arabien die finanziellen Voraussetzungen für einen Transfer besitzt und zudem Bedarf hat und Chelsea interessiert. "Mathys ist ein unfassbar begehrter Spieler", wiederholte Eberl am Freitag und erklärte: "Deswegen ist der Transfer zu Bayern ja auch ein sehr, sehr richtiger gewesen. Auch wenn es sportlich vielleicht gerade für ihn ein bisschen stockt. Und welche Entscheidung dann kommt, ist es eine Leihe, ist es ein Verkauf, ist es was auch immer, das werden wir in den nächsten Stunden und Tagen weiter besprechen."
Doch wäre es wirklich klug, Tel jetzt zu verkaufen? Rein sportlich wäre es wohl sinnvoller, das Talent auszuleihen. Zu einem der interessierten Vereine, bei dem er in der Premier League lernen, sich entwickeln kann. Sinn würde eher machen, die Leihe nicht nur bis Saisonende zu vereinbaren. Denn in den vier Monaten lernt Tel gerade erst Mannschaft, Trainer und Verein kennen bevor er wieder zurückkehrt. Besser wären wohl eineinhalb Jahre. Dann, im Sommer 2026, ist Kane 33 Jahre und geht in sein letztes Vertragsjahr. Für Tel der beste Zeitpunkt, eine zweite Chance erhalten.
Warum Eberl unter Zugzwang steht
Die Kehrseite ist: Es wäre die zweite Wette auf die Zukunft von Tel – und rein finanziell eine vertane Chance. Schließlich braucht Bayern auch Geld, um all die kostspieligen Vertragsverlängerungen von Jamal Musiala, Alphonso Davies, Joshua Kimmich und Kapitän Manuel Neuer zu finanzieren. Zumal Großverdiener Leon Goretzka ebenfalls noch auf der Gehaltsliste steht. Eberl ist unter Zugzwang.
Kann er Tel für 60 Millionen Euro verkaufen, "reibt sich Bayern München die Hände", sagte DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei "RTL". Denn: "Dafür würde ich Tel auch gehen lassen, weil er ja nicht zum Einsatz kommt. Und Eberl soll ja ein Transferplus erzielen." Bei dieser Summe würde Tel zum Rekordverkauf der Bayern werden. In diesem Ranking stehen bisher Matthijs de Ligt, Robert Lewandowski und Lucas Hernández, die München einst für je 45 Millionen verließen, auf Rang eins.
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Eberl über Tel: "Mathys ist ein Sonderfall"
Quelle: Perform
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