FC Bayern München: Vertrag von Leroy Sané als Härtefall - Ist der Flügelstürmer fünftes Rad am Wagen im FCB-Sturm?

Der Vertrag von Leroy Sané läuft am Ende der Saison aus. Hin und wieder, wie zuletzt beim 5:0 gegen Hoffenheim, blitzt sein großes Können auf. Doch reicht das für eine Weiterbeschäftigung? Die Münchner Bosse wollen die Offensive des FC Bayern für die Zukunft anders aufstellen, da scheint kein Platz mehr für den so talentierten Stürmerstar. Ist es am Ende Trainer Vincent Kompany, der entscheidet?

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Quelle: Eurosport

Es sind die kleinen, die zwischenmenschlichen Momente, die so viel aussagen über den Geist innerhalb einer Mannschaft und über das Standing eines einzelnen Spielers. Die 7. Minute beim überlegen herausgespielten 5:0 (3:0) des FC Bayern München über die TSG Hoffenheim war solch ein Moment.
In einer von Beginn an sehr einseitigen Partie im Fröttmaninger Schneetreiben erzielte der zuletzt wegen seiner unglücklichen Leistung am Samstag in Mönchengladbach (1:0) stark kritisierte Leroy Sané die Führung - und wie!
Einen fulminanten Linksschuss nach Doppelpass mit Thomas Müller knallte der 29-Jährige ins lange Eck. Ein bemerkenswerter Treffer mit Schwung und Wumms, zielstrebig und zielsicher. Noch bemerkenswerter waren die Augenblicke nach dem Schuss ins Glück.
Wie die Mitspieler sich mit Sané freuten, ihn herzten und tätschelten. Seine Top-Leistung an diesem nasskalten Januar-Abend unterstrich der Mann mit der Rückennummer "10" mit seinem zweiten Tor zum 4:0 in der 48. Minute.

Sané früher schüchtern und introvertiert

Die Vorlage per Flanke des eingewechselten Mathys Tel streichelte Sané per Direktabnahme ins lange Eck. Ein Kunstwerk. Ein Ergebnis des frisch gewonnenen Selbstvertrauens. Das 1:0 war der Brustlöser. Zur Freude aller.
In der Kabine des FC Bayern ist der 29-jährige Sané, der 2020 für rund 50 Millionen Euro Ablöse von Manchester City kam, sehr beliebt. Ein umgänglicher Typ, der für jeden Spaß zu haben ist. Über die Jahre hat sich der gebürtige Essener geöffnet.
Natürlich ist ein Fast-Dreißiger gereifter als ein Teenager, der als Mega-Talent beim FC Schalke einst von allen hofiert und in den Himmel gehoben wurde. Damit umzugehen, ist schwierig.
Sané galt als schüchtern und introvertiert, war zugleich trotz des jungen Alters schon ziemlich von sich überzeugt und selbstsicher, ließ sich wenig sagen. Mit seinem Dickschädel vermasselte er sich die Teilnahme an der WM 2018 in Russland.

Sané will in München bleiben

Nach dem Trainingslager wurde er vom damaligen Bundestrainer Joachim Löw aus dem Aufgebot für die Endrunde gestrichen. An seinem Talent, an seiner Qualität lag es nicht.
Mittlerweile geht er mehr aus sich heraus. Auch in Interviews, die er im Großen und Ganzen gerne umdribbelt, spricht er freier. Wenngleich aus dem Flügelstürmer keine sprudelnde Wortquelle werden wird.
"Ich fühle mich hier wohl - vor allem mit diesen zwei komischen Vögeln", sagte er nach dem Hoffenheim-Spiel in eine TV-Kamera. Daneben standen die feixenden Thomas Müller und Jamal Musiala.
Dass Sané über den 30. Juni hinaus, wenn sein hochdotierter Vertrag nach fünf Jahren in München endet, bleiben möchte, hat er intern hinterlegt und öffentlich bestätigt. Selbst eine Gehaltskürzung, sprich eine Anpassung der Bezüge hin zu einer mehr leistungs- und erfolgsabhängigen Bezahlung würde Sané in Kauf nehmen.

Andere Verträge haben Vorrang bei Bayern

Auch, was die Laufzeit des zu verhandelnden Vertrags betrifft, käme er seinem Arbeitgeber entgegen, so heißt es. Aber will der FC Bayern überhaupt mit Sané verlängern? Wäre dies nicht ein Risikogeschäft?
Aktuell spricht mehr für einen Abgang als einen Verbleib des offensiven Mittelfeldspielers. Die Gründe sind vielfältig. Da sind die anderen Vertragsangelegenheiten, die Priorität bei den Bossen haben. Es geht um die Zukunft von Musiala, Joshua Kimmich und Alphonso Davies.
Sie sollen die tragenden Säulen des Vereins werden. Dazu kommt der nächste Einjahresvertrag von Kapitän und Torhüter Manuel Neuer bis 2026, der demnächst bekanntgegeben wird. Und auch Thomas Müller, der andere Oldie mit Legendenstatus, darf über seine Zukunft selbst entscheiden. Ein teurer Spaß für den Verein – sollte alles klappen.
Zweitens ist da die enorme Konkurrenzsituation für Sané. Musiala ist als Zehner gesetzt. Die Flügelspieler Serge Gnabry und Kingsley Coman sind nach Verletzungspausen wieder zurück. Die Bayern-Führung will mittelfristig eine Veränderung auf den Außenbahnen, der Transfer von Michael Olise letzten Sommer (53 Millionen Ablöse) war nur der erste Schritt.

Fehlende Konstanz spricht gegen Weiterbeschäftigung

Verlängert man nun mit Sané, hätte man keinen Platz im Kader für Transfers wie etwa den des früheren Leipzigers Christopher Nkunku vom FC Chelsea. Bayerns Sportvorstand Max Eberl soll weiterhin einen Transfer des Franzosen ausloten - allerdings für die kommende Saison. Keine guten Signale für Sané.
Der dritte Punkt in der Entscheidungsfindung pro und kontra Sané über den 30. Juni hinaus sind seine schwankenden Leistungen. Auf ein Top-Spiel wie am Mittwoch gegen Hoffenheim folgen meist mehrere schwache Spiele. Das zieht sich so durch. Die Balance stimmt nicht, die Konstanz fehlt.
Da ist ihm der erst 23-jährige Olise auf dem rechten Flügel, der Lieblingsposition von Sané, bereits nach etwas mehr als einem halben Jahr im Verein um ein paar Schritte voraus.
Daher ist nicht nur Ex-Bayern-Profi Lothar Matthäus skeptisch, was eine Zusammenarbeit mit Sané über den kommenden Sommer hinaus betrifft: "Vielleicht würde ihm eine Veränderung guttun - und danach sieht's nach den zuletzt gezeigten Leistungen auch aus. Das waren keine Bewerbungsschreiben für eine Vertragsverlängerung. Aber das weiß er selbst, er ist sicher auch nicht zufrieden."

Sané im aufwind

Eine schmerzhafte und langwierige Schambeimverletzung zerstörte nach einer starken Hinrunde die Rückrunde der vergangenen Saison. Bis in die Heim-EM hinein schleppte Sané diese Blessur.
Unter Bundestrainer Julian Nagelsmann meist nur Ersatzspieler musste er sich nach dem Turnier einer Leisten-Operation unterziehen. Was seine derzeitige Verletzungsanfälligkeit betrifft, haben sich die Dinge zum Guten gewendet: Seit Anfang Oktober, seit Bayerns 3:3 (2:2) in Frankfurt, bestritt Sané jedes Pflichtspiel der Bayern.
Letztmals nicht im Kader war Sané am zweiten Spieltag Anfang September. Im November feierte er sein Comeback in der Nationalmannschaft, nachdem er für die Länderspieltage im September und Oktober wegen mangelnder Spielpraxis und fehlendem Rhythmus nicht nominiert worden war.
Sanés bisherige Saisonbilanz: In 21 Pflichtspielen erzielte er sieben Tore und gab eine Vorlage. Der Trend ist positiv: Vier Tore in den letzten vier Bundesligapartien. Insgesamt ist es dennoch zu wenig für einen Klassespieler wie ihn. Und zu wenig für eine Vertragsverlängerung?

"Was die Physis betrifft, gibt es kaum bessere Spieler"

Fakt ist: Er muss sich jetzt zeigen, muss liefern. Für den Verein, der am längeren Hebel sitzt, eine gute Situation. Auslaufende Verträge haben Profis schon immer Beine gemacht.
"Ich versuche den Schwung mitzunehmen und schaue mal, wie die nächsten Spiele werden", sagte Sané am Mittwoch. Er weiß: "Wir sind im Sport. Im Leistungssport. Und da gibt es nur Top oder Flop. Ich bin der Erste, der unglücklich darüber ist, wenn ich keine guten Leistungen bringe und der Mannschaft nicht helfen kann".
Für Vize-Kapitän Joshua Kimmich ist Sané einer, der "extrem engagiert ist, der auch im Training länger draußen bleibt, der versucht, mehr zu machen, damit er im Spiel gut vorbereitet ist. Was die Physis betrifft, gibt es kaum bessere Spieler. Er kann alle drei Tage marschieren, hoch und runter sprinten, viel laufen. Wenn er das auf den Platz bringt, ist er wichtig für uns. Dann muss er nicht immer zwei Tore und eine Vorlage machen."
Doch am Ende ist es wohl der Trainer, der den Daumen hebt oder senkt. Dazu muss man wissen: Im August 2016, Sané war damals gerade einmal 20 Jahre alt, wechselte er für 52 Millionen Euro Ablöse von den Königsblauen zu den Blues nach Manchester.
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Quelle: Perform

Kompany lobt Sané

Zum Weltstar-Verein von City, trainiert von Weltstar-Trainer Pep Guardiola. Kapitän bei den Citizens: Vincent Kompany. Auch von ihm, vom absoluten Chef der Kabine, lernte Sané bis der Belgier 2019 Manchester verließ. Gemeinsam feierte man zwei Titel in der Premier League und einen FA-Cup-Erfolg. Das verbindet.
Selbst in der neuen Rollenverteilung. Leroy, der Profi. Vinnie, der Trainer. "Leroy kenne ich schon sehr lange. Er ist genauso, wie er war als mein Mitspieler - und das ist natürlich gut", sagte Kompany kürzlich und ergänzte: "Der Leroy, den ich jetzt sehe, ist der gleiche wie damals. Er spielt Fußball, weil er etwas erreichen möchte, alles andere ist aktuell kein Thema. Das gehört zu den Beratern." 
Und die versuchen das Beste für ihren Klienten herauszuholen. Wenn nicht bei Bayern, dann woanders. Das ist der Sport, der Leistungssport.
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Quelle: SID


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