FC Bayern: Thomas Müller wird zum Politikum beim Rekordmeister - wird der Fanheld ein Opfer von Bayerns Sparkurs?

Die Debatte um die Zukunft von Thomas Müller belastet den FC Bayern München in der entscheidenden Saisonphase spürbar. Wer sagt es dem 35-jährigen Fanliebling, dass er keinen neuen Vertrag für die kommende Saison erhält - und wann wird es kommuniziert? Hört das Münchner Urgestein ganz auf? Müller bieten sich immerhin Perspektiven: In der US-Liga, als TV-Experte oder in Sachen Pferdezucht.

Eberl von Müller-Thema genervt: "Wie viele Fragen noch?"

Quelle: Perform

Ob es Franz Beckenbauer war, Gerd Müller oder Lothar Matthäus und Bastian Schweinsteiger. Wann immer legendäre Spieler den FC Bayern München verließen, liefen die Abschiede alles andere als reibungslos.
Ob man sich später wieder in die Augen schauen konnte und vertragen hat oder nicht - zunächst gab's Zoff. Meist ums liebe Geld. So aktuell auch bei Thomas Müller, der nach 16 Spielzeiten an der Säbener Straße keinen neuen Vertrag für die kommende Saison erhalten soll
Ein heikles Thema, ein Politikum. Höchst unangenehm zu moderieren für die Vereinsbosse. Zu spüren auf der Pressekonferenz am Donnerstagvormittag vor dem Auswärtsspiel der Bayern am Freitagabend in Augsburg. Was – rein sportlich gesehen - eher ein untergeordnetes Thema war. Es ging um Müller. Um das nahende Ende einer Ära, den Abschied einer Legende.
"Wenn Thomas sagt, er hat Lust weiterzumachen, dann werden wir uns tief in die Augen schauen. Dann schauen wir uns den Kader an und dann wird es weitergehen", hatte Sportvorstand Max Eberl Anfang des Jahres gesagt. Weitergehen? Mit oder ohne Müller.
Doch bei zwei Treffen in der Länderspielpause der Bayern-Führung mit dem 35-Jährigen und seinem Management wurde ihm laut "kicker" kein Angebot mehr unterbreitet. Das finale, alles klärende Gespräch soll noch ausstehen - und zeitnah stattfinden.
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Thomas Müller hat einen engen Draht zu den Fans des FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Eberl von müller-fragen genervt

Bis dahin müssen die Bosse, muss sich Eberl winden. Und aushalten, Nachfragen ertragen. Müller sei, so Eberl am Donnerstag, "eine besondere Personalie", die aktuell "medial sehr getrieben werde". Er betonte: "Wenn wir die Entscheidung verkünden, verkünden wir sie."
Auf Nachfrage wiederholte er: "Weder Thomas noch wir haben offiziell etwas dazu gesagt, außer, dass wir was verkünden, wenn es was zu verkünden gibt, wenn die Gespräche abgeschlossen sind. Das findet gerade statt." Pause. "Sie können jetzt noch dreimal fragen, auch durch die Hintertür. Ich werde hier nicht über Thomas sprechen, wir reden mit Thomas. Wenn wir dann die Entscheidung verkünden, verkünden wir sie."
Als das Müller-Thema erneut aufploppte, reagierte Eberl gereizt, mindestens genervt und sagte mit Nachdruck: "Wie viele Fragen muss ich noch dazu beantworten? Wir sagen, wenn es etwas zu verkünden gibt und dann erklären wir."
Ende der Durchsage, aber kein Ende der Debatten. Die offene Müller-Frage hat Spuren hinterlassen. Kann der Verein den Abschied von Müller nun noch voller Respekt und Würde abwickeln?

Sepp Maier: "Ein ziemlich bitteres Ende"

Auf das perfekte Timing kommt es, wie so oft im Leben, besonders an. Und auf die Frage: Wer überbringt die negative Botschaft? An Thomas Müller & die Fans des FCB.
Zudem melden sich immer mehr ehemalige Weggefährten wie Franck Ribéry in "Sport-Bild" ("Ich persönlich hoffe, dass er noch ein Jahr beim FC Bayern bleiben kann. Er ist wichtig, egal, ob er 90 Minuten oder fünf Minuten spielt") TV-Experten wie Thomas Helmer in der "Abendzeitung" ("Es zeigt mal wieder: Dankbarkeit gibt es nicht im Fußball" und "Ehrlichkeit von der Klubseite ist am wichtigsten") bis hin zu Torhüter-Legende Sepp Maier, der erklärte bei "Sport1": "Ich hätte mir gewünscht, dass er noch ein Jahr als Spieler dranhängt. Er tut dem Spiel und dem Innenleben der Mannschaft einfach gut. Ganz nachvollziehen kann ich die Entscheidung nicht. Ein ziemlich bitteres Ende."
Nach 25 Jahren bei Bayern erscheint der Abschied der kickenden Legende plötzlich ganz real, ganz nah. Die Abschiedstour des Offensivspielers hat wider Willen längst begonnen, noch sieben Bundesligaspiele, noch mindestens zwei - im Idealfall fünf - Partien in der Champions League.
Dann sagt Müller unfreiwillig servus. Er hätte gerne noch eine Saison drangehängt. Weil er sich fit fühlt, weil er den Wettkampf liebt, das Adrenalin braucht. Weil er sich unter Trainer Vincent Kompany mitgenommen und in seiner Rolle als wertvolles Mitglied der Kabine und des Kaders geschätzt fühlt.
Auch wenn er ebenso wenig zum Einsatz kommt wie unter Vorgänger Thomas Tuchel, der ihn lobte, zugleich abschätzig kategorisierte: "Das ist ein Thomas-Müller-Spiel".
Oder eben nicht. 35 Mal kam Müller bis dato in dieser, seiner wohl letzten Saison zum Einsatz. Davon allerdings nur zwölf Mal in der Startelf, siebenmal reichte es nicht für eine Einwechslung. Die durchschnittliche Spielzeit: 36 Minuten. Der Ertrag: Fünf Tore, fünf Vorlagen. Zu wenig.

Muss der FC Bayern sparen?

Vor allem angesichts des Gehalts, das der FC Bayern nun einsparen will oder wie es im Verein angesichts des schrumpfenden Festgeldkontos heißt: muss. Einerseits, weil die Verträge der Topverdiener Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Alphonso Davies und Manuel Neuer verlängert wurden.
Zweitens: Bis zu rund 17 Millionen Euro (Prämien eingerechnet) soll Müller verdienen. Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte dem Publikumsliebling mit dem Zaunpfahl gewunken, als er sagte, die Rolle auf der Bank sei seiner "Karriere nicht würdig". Ein klärendes Gespräch steht aus.
Man will sich offenbar nicht nur Geld, sondern ein weiteres Jahr Müller-Diskussionen ersparen. Kompany schätzt Müller, weiß um dessen Relevanz in der Kabine. Doch mehr Spielzeit in der kommenden Saison kann er ihm auch nicht versprechen.
Zumal sich der Verein, wenn eine Tür aufgeht, um einen Transfer von Florian Wirtz von Bayer Leverkusen bemüht. Ein Ü-100-Millionen-Euro-Unterfangen aus Ablöse und Gehalt. Mit Musiala und Wirtz müsste sich Müller noch weiter hintenanstellen.

Bei der Klub-WM soll Müller noch dabei sein

Die aktuelle Debatte soll baldmöglichst vom Tisch, um den Fokus auf den Endspurt in der Meisterschaft und die Viertelfinal-Partien in der Champions League gegen Inter Mailand (8. und 16. April im Liveticker) zu richten.
Die 13. Meisterschaft zum Abschied, schon sein Dutzend Schalen ist Rekord, könnte die betrübten Fanseelen trösten, ein Finale dahoam am 31. Mai in der Allianz Arena erst recht. Um dem Scheidenden eine weitere Chance auf einen Titel zu geben, soll Müller, der in der D-Jugend von Pähl am Ammersee nach München kam, im Juni/Juli in den USA dabei sein, wenn der FCB nach der Klub-WM, erstmals als großes Turnier ausgetragen, greift.
Dazu könnte der Vertrag einfach um einen Monat bis Ende Juli verlängert werden. Außerdem, und das soll sich Müller bereits bei seiner letzten Vertragsverlängerung im Dezember 2023 zugesichert haben, wird er ein Abschiedsspiel erhalten. Nur wann?
Einen Abschied zu moderieren, ist immer diffizil. Wie sagt man Müller, dem Weltmeister von 2014, woran es liegt? Am lieben Geld? An seinem sportlichen Niveau, seiner gesunkenen Leistungsfähigkeit? Schließlich will man ihn nicht verärgern, diesen eloquenten, lässig-witzigen Typen nicht verlieren. Daran reiben sich aktuell interne Debatten an der Säbener Straße.
Vor allem zwischen Hoeneß und Sportvorstand Eberl soll es bei einigen Personalentscheidungen Unstimmigkeiten geben, auch um einen neuen Vertrag für Leroy Sané wird gerungen. Der Flügelspieler scheint bereit, beim Gehalt Einbußen in Kauf zu nehmen.

Matthäus empfiehlt ein Engagemnt in der US-Profiliga

Hört Müller nun ganz auf? Widmet er sich intensiver seinem großen Hobby, der Pferdezucht?
Lothar Matthäus, der im Jahr 2000 als amtierender Fußballer des Jahres in Deutschland von den Bayern zu den New York MetroStars wechselte und dort seine Karriere ausklingen ließ, kennt sich mit Abschieden und Trennungen aus, sagte in "Bild": "Bayern darf es auf keinen Fall verpassen, die Beziehung mit Thomas so zu pflegen, dass er später bereit ist, einen wichtigen Posten im Verein zu übernehmen."
In welcher Funktion? Bisher undefiniert. Angebote als TV-Experte hat er zuhauf, doch auch ein, zwei Jahre in der US-Liga würden ihn reizen. Womöglich könnte ein Engagement bei Bayerns Partnerverein in der MLS, dem Los Angeles Football Klub, zustandekommen.
In der US-Liga könne Müller, so Matthäus, "den Horizont erweitern. Das tut ihm gut in seiner Entwicklung und kann ihn in die Position bringen, danach einen Posten beim FC Bayern zu übernehmen."
Dann als gefeierter Rückkehrer. Mit einem gewissen Maß an Abstand - und das wechselseitig - freut man sich auch wieder aufeinander. War auch bei Beckenbauer, Gerd Müller und Schweinsteiger so.
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Quelle: SID


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