Meisterrennen in der Bundesliga: Setzt sich Bayer Leverkusens Taktik oder die Übermacht des FC Bayern München durch?
Update 13/01/2025 um 13:27 GMT+1 Uhr
Der FC Bayern München gewinnt nach der Winterpause in der Bundesliga mit einem mühsamen 1:0 gegen Gladbach. Damit ist dem Rekordmeister die Wintermeisterschaft nicht mehr zu nehmen - und Harry Kane hat endlich seine erste Trophäe. Der LIGAstheniker wirft einen Blick auf die Rückrunde und das Meisterrennen zwischen Bayer Leverkusen und den Bayern. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Harry Kane traf beim 1:0 in Mönchengladbach vom Punkt
Fotocredit: Getty Images
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
ich möchte den heutigen Montag dafür nutzen, dem großen Harry Kane meine Aufwartung zu machen. Wenn stimmt, was auf seiner Wikipedia-Seite unter der Rubrik "Erfolge" nicht steht, dann sei den Neidern und Nörglern hiermit gesagt: Glückwunsch zur "Herbstmeisterschaft", dem ersten großen Titel in der Profilaufbahn des Strikers Harry K. Well done, mate!
Noch dazu mit einem Elfmetertor, dem 15. Treffer in der laufenden Saison. Wenn man den Bayern etwas vorwerfen wollte nach dem Sieg in Gladbach, dann, dass das Spiel nicht locker leicht 4:1 gewonnen wurde, sondern dass man so etwas Statisches wie einen Elfmeter brauchte, um am Ende die drei Punkte nach München zu chauffieren.
Die finale – um im Sprech zu bleiben - "Frühsommermeisterschaft" 24/25 wird also nun, bei allen verbleibenden Restwahrscheinlichkeiten, zwischen dem Rekordmeister (Bayern) und dem amtierenden Meister (Bayer) ausgemacht.
Diese Tendenz hat weniger mit dem Vorsprung der beiden auf den Dritten Eintracht Frankfurt zu tun, als mit der Spielweise und der Konstanz der beiden führenden deutschen Spitzenklubs. Beide verströmen den Habitus des kommenden Titelträgers, wenn auch mit deutlich unterschiedlichen taktischen Akzenten.
Titelkandidat Nr. eins: Die Rennpferd-Bayern
In der Art und Weise wie Bayern und Bayer ihre Siege bestreiten, war der 16. Spieltag Spiegelbild des bisherigen Saisonverlaufs. Die Bayern signalisieren seit Spieltag 1 ein Selbstbewusstsein, das nach der vorausgegangenen titellosen Tuchel-Saison dann doch überraschte und ein Verdienst von Vincent Kompany ist.
Die Statistik gegen Gladbach ist Beweis dieses Bewusstseins: 68% Ballbesitz bei einem Auswärtsspiel, doppelt so viele Pässe wie der Gegner (656), bei einer fantastischen Passgenauigkeit von 89%, das sind Werte, mit denen man Meister werden kann.
Die Bayern, gierig wie ein Rennpferd in der Startbox, wollen ihre Gegner mit schierer Präsenz an den Strafraum klatschen. Das gelang zuletzt eindrucksvoll gegen Leipzig, Heidenheim oder Bochum, aber es gelang nicht immer.
Die Niederlage in Mainz vor der Winterpause war ein Fingerzeig und das in Gladbach ein Elfmeter reichen musste, ist dann doch zu wenig bei 23 Torschüssen. Die Bayern wollen überrollen und vergessen dabei immer mal wieder das Toreschießen.
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Der Verfolger: Das Taktik-Bayer
Und Bayer? Startete schwach in die Saison, hatte sein Meister-Mojo verloren und musste es sich mühsam wieder erarbeiten.
Duselte sich zu einem Liga-Unentschieden und einem Pokalsieg gegen die Bayern und schraubte seine Bilanz mit dem Sieg in Dortmund vom Freitag auf zuletzt sechs Siege in Folge.
Auch in der vergangenen Spielzeit machte Bayer mit einer sprichwörtlich überwältigenden Rückrunde die Meisterschaft klar. Bayer gewann seine Spiele nicht nur ganz profan, sondern überwältigte seine Gegner regelrecht. So ähnlich wie die Bayern in diesem Jahr.
Doch Bayer 24/25 ist nicht mehr dasselbe Team. Logisch, möchte man sagen, als Überraschungs-Doublegewinner kann man nicht mehr sein wie zuvor. Das neue Bayer überwältigt nur noch, wenn es sich danach fühlt, ansonsten taktiert es.
BVB auf Abwegen: Heiße oder kühle "Raserei"
Das Spiel in Dortmund war dafür ein gutes Beispiel. Anders als die Bayern lediglich 30% Ballbesitz, ein Drittel weniger Pässe als die ersatzgeschwächten Dortmunder (296), weniger Torschüsse als der BVB (7:12) und doch war der Sieg verdient und beinahe ungefährdet.
Es ist längst nicht mehr die pure, emotionale "Raserei" vom letzten Jahr, sondern die kühle Abschätzung der eigenen Situation, der aktuellen Möglichkeiten. In Dortmund nach dem Motto: Lass sie doch kommen, wir kontern sie aus.
Und so war es dann auch: drei Auswärtstore in Dortmund nach 19 Minuten – beeindruckend. "Spiegel Online" schrieb danach vom "Sieg des Meistertrainers über den Trainernovizen" (gemeint war BVB-Coach Nuri Sahin) und meinte: Xabi Alonso hat Leverkusen eine taktische Variabilität vermittelt, die sie letztes Jahr so noch nicht hatten.
Entscheidende Frage: Wer hat das Meister-Mojo?
Die zentrale Rückrundenfrage also lautet: Welche Methodik macht den Meister in den nun ausstehenden 16 Spielen?
Das selbstbewusste Überwältigungsspiel der Bayern, das drei Variablen zu berechnen hat: 1.) Die eigene Überzeugung 2.) Das Risiko des hohen Pressings und 3.) die Quantität des Toreschießens. Oder die taktische Vielfalt von Bayer, die allein dann nicht reichen dürfte, wenn es den Bayern gelingt sich an sich selbst zu berauschen.
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