Borussia Dortmund hinkt den Ansprüchen hinterher: Zündet der BVB unter Niko Kovac noch die nächste Entwicklungsstufe?
VonThomas Gaber
Update 14/11/2025 um 00:15 GMT+1 Uhr
Borussia Dortmund tritt sportlich auf der Stelle. Von der Spitze entfernt sich der BVB immer mehr - national wie international. Unter Trainer Niko Kovac hat sich die Mannschaft zwar stabilisiert, kommt in ihrer Entwicklung aber nicht richtig voran. Das Umfeld wird allmählich unruhig, die Kritik an der dürftigen Spielweise nimmt zu. Was bleibt noch vom attraktiven Fußball-Standort Dortmund?
BVB-Coach Kovac über Adeyemi: "Er muss sich auch mal belohnen"
Quelle: Perform
Nach 81 Minuten war Schluss für Carney Chukwuemeka. Der Schütze des Führungsteffers in Hamburg machte Platz für den deutlich defensiveren Felix Nmecha. Die Botschaft von Niko Kovac war unmissverständlich: Hier soll nichts mehr anbrennen, ein 1:0 bringt die nächsten drei Punkte.
Als in der 90. Minute auch noch Stürmer Serdou Guirassy für Verteidiger Aarón Anselmino weichen musste, war die Mission Betonanrühren abgeschlossen. Doch der Schuss ging nach hinten los - Borussia Dortmund fing sich tief in der Nachspielzeit das 1:1 ein.
Dabei hatte es sich angedeutet: Statt auf das zweite Tor zu gehen, ließ sich der BVB vom HSV, der mit neun Toren die zweitschwächste Offensive der Liga hat, immer weiter in die Defensive drängen und war nur noch darauf aus, das Ergebnis über die Zeit zu bringen.
Sebastian Kehl schwoll infolgedessen der Kamm. "Wir waren viel zu passiv und haben den HSV wieder stark gemacht. Das war völlig unnötig, weil wir das Spiel gerade in der ersten Halbzeit sehr stark kontrolliert haben. Ich bin richtig sauer und muss das erstmal verdauen. Das wird sicher ein paar Tage dauern", schimpfte der Sportdirektor des BVB.
Ergebnis steht deutlich über dem Spektakel
Fahrlässig verspielte Schwarzgelb zwei Punkte und die Möglichkeit, in der Tabelle näher an die Bayern (Remis in Berlin) und Leipzig (Niederlage gegen Hoffenheim) heranzurücken.
Letztlich waren in Hamburg die gleichen Muster anderer BVB-Auftritte in dieser Saison erkennbar. Eine Führung wird oft verwaltet, das nackte Ergebnis steht weit über dem Spektakel. Das ist per se nicht der falsche Ansatz, zumal es Kovac seit seinem Amtsantritt im Januar gelungen ist, die Mannschaft zu stabilisieren.
Der Kroate führte Dortmund von Rang elf noch in die Champions League, was Sportvorstand Lars Ricken als "eine der größten Trainer-Leistungen in der Geschichte des BVB" bezeichnete. Der Coach hat für mehr Disziplin gesorgt und die eklatanten Leistungsschwankungen gehören der Vergangenheit. Alles Dinge auf Kovacs Habenseite.
Auch in dieser Saison liegt Borussia Dortmund weitgehend im Soll. Rang drei in der Liga, gute Aussichten in der Champions League trotz der klaren Niederlage bei Manchester City und im DFB-Pokal überwand der BVB zuletzt die hohe Hürde Eintracht Frankfurt.
Kehl und Schlotterbeck fordern: "Wir müssen mehr Fußball spielen"
Demgegenüber steht allerdings eine unattraktive Spielweise mit Hang zum "Angsthasenfußball", hervorgerufen durch Kovacs mitunter übervorsichtigem Ansatz. Beim Gastspiel in München (1:2) standen zu Beginn sieben defensiv orientierte Spieler auf dem Feld.
Positionsbezogen setzt Kovac meistens auf den defensiv stärkeren Spieler, auch wenn es - wie in Hamburg - gegen Teams geht, deren offensive Qualitäten überschaubar sind.
"Ich erwarte, dass wir mit den Möglichkeiten, die wir haben, besser Fußball spielen, so ein Spiel bis zum Ende kontrollieren und auch irgendwann mal ein zweites Tor schießen", forderte Kehl nach dem HSV-Spiel. Auch aus der Mannschaft kommt mittlerweile leise Kritik auf. "Wir müssen ein wenig mehr Fußball spielen", erklärte Nico Schlotterbeck, wobei "ein wenig" eine Untertreibung war.
Die Stagnation im Angriff ist beim Blick in die Statistik nicht vor der Hand zu weisen. In sieben der letzten acht Pflichtspiele erzielte Dortmund nur jeweils ein Tor. Vor der Partie am 8. Spieltag gegen den 1. FC Köln war der BVB die Mannschaft, die in der Bundesliga am seltensten aufs gegnerische Tor schoss.
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Quo vadis, BVB? Borussia Dortmund tritt sportlich auf der Stelle
Fotocredit: Getty Images
Ist Kovac der Richtige für den BVB?
Im Umfeld des Vereins wird hinter vorgehaltener Hand bereits diskutiert, ob Kovac noch der richtige Trainer ist, um die nächste Entwicklungsstufe zu zünden, zumal dem Coach frühere Aussagen mittlerweile um die Ohren fliegen.
Wenn Julian Brandt dieselben Fähigkeiten wie Jamal Musiala und Florian Wirtz hat, stellt sich die berechtigte Frage, warum der 29-Jährige bei zwölf Einsätzen nur fünfmal beginnen durfte.
Der biedere Fußball, den die Borussia seinen Anhängern anbietet, hat seine Wurzeln auch in der Transferpolitik.
Wo sind die jungen Wilden bei Borussia Dortmund?
Während Konkurrenten wie Bayer Leverkusen und RB Leipzig einen radikalen Umbruch mit jungen, hochtalentierten Offensivspielern angehen - stellvertretend sind hier Ibrahim Maza bei Bayer und Yan Diomande bei RB zu nennen -, sucht man die jungen Wilden in Dortmund vergeblich.
Langfristig ist die Gemengelage beim BVB auch für die Attraktivität des Fußball-Standorts Dortmund gefährlich. Die Gelbe Wand erzeugt dann am meisten Wucht, wenn die Mannschaft begeistert. Das war in letzter Zeit - mit Ausnahme einiger Spiele in der Champions League - viel zu selten der Fall.
Die Gerüchte, wonach Schlotterbeck, der in Dortmund das Aushängeschild der nächsten Jahre werden soll, eine Vertragsverlängerung über das Jahr 2027 hinaus ausschließt, halten sich hartnäckig.
Ricken stellt sich hinter Kovac
Der Verteidiger hat trotz mehrerer Verletzungen sukzessive europaweit in die Beletage der Innenverteidiger vorgearbeitet und will in Zukunft vor allem eins: Titel gewinnen. Davon scheint Borussia Dortmund aktuell aber sehr weit entfernt zu sein.
Trotzdem sprach Geschäftsführer Sport Lars Ricken nun ein (kleines) Machtwort. "In jeder Länderspielpause wird viel geschrieben", sagte er der "WAZ": "Wir bleiben da ganz entspannt. Denn: Wir alle beim BVB sind von Niko Kovac zu 100 Prozent überzeugt. Der Endspurt der vergangenen Saison war sensationell erfolgreich – dank Niko Kovac."
In der Bundesliga habe man schließlich die zweitwenigsten Tore kassiert und in der Champions League die drittmeisten geschossen. Der Trainer säße fest im Sattel, richtete Ricken aus: "Die gute Entwicklung, die wir unter seiner Führung genommen haben, wollen wir weiter fortsetzen."
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