Der LIGAstheniker: RB Leipzig und die zerstörte Abneigung - Hilfe, plötzlich mag ich das Dosen-Konstrukt aus Sachsen
Update 08/12/2025 um 15:47 GMT+1 Uhr
RB Leipzig macht aus dem Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt eine einseitige Angelegenheit und gewinnt beinahe absurd locker mit 6:0. In der Bundesliga ist die Mannschaft von Ole Werner hinter dem enteilten FC Bayern München aktuell "Best of the Rest" - und auch der LIGAstheniker muss einsehen, dass man Yan Diomande, Conrad Harder, Christoph Baumgartner und Co. nicht unbedingt doof finden muss.
RB Leipzig ist aktuell nicht zu stoppen
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Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
das Saudumme an den eigenen Vorurteilen, das ahnt man als aufgeklärter Mensch, ist, dass man sie eines Tages aufgeben muss, wenn man sich selbst nicht als absoluten Hinterwäldler in die Welt stellen will.
Der doofe Onkel bei Familientreffen, der vielleicht gar nicht so doof, sondern nur anders ist und würde man mehr über ihn wissen, wäre er vielleicht sogar eine coole Socke.
Als ich mir am Samstagabend das Spiel von Leipzig gegen Frankfurt ansah, musste ich an meine eigenen Vorurteile denken und fragte mich, warum zum Teufel muss ich Yan Diomande, Conrad Harder oder Christoph Baumgartner unbedingt doof finden?
Immer wieder suchte ich nach Argumenten dafür, das Spiel der Leipziger herabzuwürdigen oder durch eine außerplanetarische Sternenkonstellation erklären zu wollen. Alles Nonsens!
Tatsächlich war ich fasziniert vom Spiel eines Klubs, den ich mit Haut und Haaren ablehne. Ein Spiel, das derzeit sogar frischer und selbstbewusster wirkt als das der großen Bayern. Und so kurz vor dem Fest der Liebe stellt sich mir die Frage: Kann ich plötzlich lieben, was ich so lange gehasst habe?
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Conrad Harder (R) und Christoph Baumgartner (L) jubeln über den Sieg gegen Eintracht Frankfurt
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Die Bullen wirken gerade frischer als Bayern
Eigentlich müsste es spätestens nach dem 6:0 gegen die Eintracht vielen so gehen wie mir. Zumindest denen, die die Dosenretorte von Anfang an so abgelehnt haben wie ich. Wenn man sich nur mal auf das Spiel vom Samstag konzentriert, dann beginnt man sich zu wundern.
Was haben die von RB eigentlich für ein Tempo? Und warum laufen die nicht nur schnell, sondern auch so viel? Wieso können die in der Defensive so tief stehen und gleichzeitig ein so brandgefährliches Umschaltspiel entwickeln? Wo haben sie plötzlich diesen Diomande her? Warum trifft der Baumgartner auf einmal wie am Fließband? Wie hat der blasse Ole Werner diese Bullen so zum "trampeln" (O-Ton "ZDF"-Kommentar) gebracht?
Ausgerechnet dieser Ole Werner, der für mich sinnbildlich für lauwarme H-Milch steht und nicht für irgendeine aufputschende Monsterbrause. Es ist an der Zeit, dass ich meine Rasenballsportklubvorurteile über Bord werfe.
Leipzigs Saisonentwicklung: Vom 0:6 zum 6:0
Da ist was passiert zwischen Spieltag 1 und Spieltag 13! In der Woche vor Saisonbeginn im August hieß es in jeder zweiten Kritikervorschau - nicht Dortmund, nicht Leverkusen - Leipzig werde der große Bayern-Verfolger 2025/26.
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6:0 gegen Eintracht Frankfurt - RB Leipzig setzt Ausrufezeichen
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Und dann kam Leipzig am ersten Spieltag nach München, der Rest ist bekannt: 0:6, darunter macht es RB offenbar nicht, im Schlechten wie im Guten. RB im Stile einer verschmusten, dicken Perserkatze im Revier einer Python.
Mein Gott habe ich die Leipziger nach dem Spiel beschimpft. Und zwar noch lauter und derber also je zuvor nach den ganzen Lobhudeleien, die ich zuvor gelesen hatte.
Das Spiel bestätigte mich in meiner Abneigung gegen einen Klub, der sich anmaßte, der Fußball sei nur eine neoliberale Unternehmung unter vielen und auf Lächerlichkeiten wie Vereinskultur, Tradition, Historie und Fan-Community könne man getrost verzichten (Gut, es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass der Fußball sich heute selbst so sieht).
Das RB-Spiel: Tief stehen, schnell umschalten
Und jetzt also wieder ein 6:0, diesmal anders herum. Und nicht weil sie plötzlich gewinnen, weil ich also bei den Siegern sein will, zweifle ich an meinen Vorurteilen, sondern durch die Art und Weise wie sie das Spiel als solches ernst nehmen und deshalb dem Zuschauer ein geradezu naives Vergnügen bereiten.
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RB macht's mit Köpfchen: Kapitän David Raum weiß Bescheid
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Auch wenn es jetzt kompliziert wird: Dialektisch könnte man sogar sagen, dieser ganze spürbare Enthusiasmus von Diomande, Harder, Baumgartner & Co. auf dem Feld beschädigt das zynische Produktversprechen des Dosenklubs. Während das Gesöff eine Mixtur aus künstlichen Aromastoffen ist, wirkt das Spiel auf dem Feld echt.
Mastermind Ole Werner
Mastermind dieser Echtheit ist Ole Werner, der nach dem 6:0 gegen die Eintracht in aller Ruhe und Bescheidenheit zu erklären versuchte, was diese Bullen plötzlich so trampeln lässt.
Das klingt dann zwar ähnlich wie bei den Kollegen - "Matchplan", "Struktur", "Ballbesitz", "Umschaltmomente" - wenn aber stimmt, was er auch sagt, dass die Entwicklung von Spieltag zu Spieltag kontinuierlich weitergehe und die Brust immer breiter werde, dann könnte es in der zweiten Saisonhälfte 2026 vielleicht doch noch spannend werden an der Tabellenspitze.
Am 17. Januar empfangen die Bullen die Bayern zur Revanche in Leipzig (18:30 Uhr im Liveticker). Gibt’s dann wieder sechs Tore? Nicht auszudenken …
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Hoeneß huldigt Bayern: "Sie sind das Nonplusultra"
Quelle: Perform
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