Konrad Laimer entwickelt sich beim FC Bayern München zum unverzichtbaren Allesspieler: Spektakulär unsepktakulär
VonThomas Gaber
Update 25/09/2025 um 10:19 GMT+2 Uhr
Als Konrad Laimer im Sommer 2023 ablösefrei von RB Leipzig zum FC Bayern München kam, wurde der Österreicher lediglich als Kaderergänzung und Lückenfüller gehandelt. Doch wärend in den vergangenen zwei Jahren viel experimentiert wurde im Münchner Kader, hat sich Laimer zur festen Konstante entwickelt. Geholfen hat ihm dabei seine Lebenseinstellung, die er auf seinen Job überträgt.
Kompany verteidigt Rotation: "Kommt schon, Jungs. Wir haben 2025"
Quelle: Perform
Während der zweiten Halbzeit des Bundesligaspiels bei der TSG Hoffenheim (4:1) wurde aus Konrad Laimer für einen kurzen Moment Konrad "Leymar". Mit der rechten Sohle zog er den Ball auf Höhe der Strafraumlinie nach hinten und passte ihn anschließend mit der linken Ferse zu Michael Olise.
Ein Ausbruch aus dem, für das Laimer sonst steht: Zweikampfhärte, Laufstärke und die Bereitschaft, sich für den Erfolg der Mannschaft bedingungslos zu schinden.
Früher, als Jugendspieler von RB Salzburg, war Konrad Laimer durchaus Anhänger des schönen Fußballs. "Ich habe viel Fußball geschaut, habe mich aber nie für Grätschen interessiert, sondern für tolle Tore", sagte der Österreicher in einem Interview mit "fcbayern.com" im August 2024.
Auf dem langen Weg zum Profifußballer haben sich Laimers Vorlieben grundlegend geändert. "Der Weg, über den ich mich mehr identifiziere, ist der des aggressiven Leaders. Das gibt mir mehr als der Weg des Zauberers und Künstlers", so Laimer. "Dieses Gefühl ist immer da: Ich will den Ball entweder auf keinen Fall verlieren - oder ihn um jeden Preis gewinnen."
Stress mit der Ehefrau beim Kartenspielen
Laimer ist keiner, der durch Traumtore oder filigrane Dribblings glänzt. Vielmehr liegt seine Stärke in jenen Bereichen, die oft erst auf den zweiten Blick erkennbar sind: Ballgewinne, Pressing, Laufleistung.
"Das ist einfach meine Art, Fußball zu spielen. Ich glaube, so ist auch meine Lebenseinstellung, so bin ich als Mensch. Es gibt für mich nichts Schöneres, als Fußballer zu sein, die Tatsache allein gibt mir so viel Emotionen und Energie, jeden Tag. Wenn ich aus dem Urlaub komme, dann kribbelt es überall und ich habe so Lust, endlich wieder auf dem Platz zu stehen, Fußball zu spielen", schildert er.
Seinen Ehrgeiz bekommt Ehefrau Ines-Sarah auch hin und wieder zu spüren. "Wenn wir Karten spielen oder Brettspiele machen, dann kann ich sehr anstrengend sein. Ich kann schöne Sprüche klopfen, wenn ich gewinne - und, sagen wir so: sehr eingeschnappt sein, wenn ich verliere."
Flexibilität als großes Plus von Konrad Laimer
Beim FC Bayern gelingt es Laimer immer besser, seine Tugenden auf dem Feld auch gewinnbringend einzusetzen. Er verbindet Leidenschaft mit taktischem Gespür und Aggressivität. Selbst als Rechtsverteidiger beteiligt er sich oft am Gegenpressing und passt so perfekt zur Philosophie von Trainer Vincent Kompany, den Gegner möglichst überall auf dem Platz stressen.
Laimer hat zudem ein weiteres Ass im Ärmel, das ihn von vielen Spielern im aktuellen Bayern-Kader unterscheidet: seine Flexibilität, die dem Team Stabilität und Tiefe gibt - besonders in Spielen, in denen Eleganz allein nicht reicht.
Ob rechts hinten, links hinten, im defensiven oder, wie beim 5:0 gegen den HSV, für kurze Zeit auch im offensiven Mittelfeld, - Laimer fühlt sich überall wohl und liefert überall ab.
"Es ist eine Qualität von mir, dass ich mich schnell adaptieren und auch mal links spielen kann", sagte Laimer nach dem 3:1 in der Champions League gegen den FC Chelsea, als er infolge der Verletzung von Josip Stanisic auf links wechseln musste.
Als Rechtsverteidiger habe der gelernte Mittelfeldspieler "mittlerweile genug Spiele gemacht, dass ich weiß, was man da machen soll. Dann ändert sich nicht mehr so viel, wenn man nach links geht", ergänze Laimer.
Kimmich foppt Laimer: "Könnte schön mal einen rein machen"
Kompany stellte fest, dass "Konny defensiv sehr viel besser geworden ist. Er ist jetzt an die Außenverteidigerpositionen gewöhnt und hat ein Gefühl entwickelt, wann man verteidigen muss." Auf die Frage vor dem Hoffenheim-Spiel, wie er den erneuten Ausfall eines Defensivspielers (Stanisic) kompensieren wolle, antwortete der Coach: "Mit Konny Laimer. Wenn jemand problemlos die Positionen tauschen kann, dann er."
Ob Ballgewinne, Zweikampf- oder Passquote - im kaum einer Spielstatistik taucht Laimer regelmäßig weit oben auf. Seine Zahlen sind nicht spektakulär, aber es ist gerade das Unspektakuläre, das aus ihm einen spektakulären Spieler macht. Er hält Unterschiedsspielern wie Olise auf der rechten Seite den Rücken frei, erledigt unermüdlich die Drecksarbeit und taugt als Verbindungsglied zwischen Defensive und Offensive.
Nur mit dem Toreschießen will es nicht richtig klappen. Vier Treffer in 96 Pflichtspielen für den FC Bayern sind überschaubar. "Konny hat ja drei Chancen pro Spiel, da darf er schon auch mal einen rein machen", sagte Joshua Kimmich augenzwinkernd.
Vertraglich ist der 28-Jährige bis 2027 an den FC Bayern gebunden. Geht es nach Sportdirektor Christoph Freund, soll daraus noch deutlich mehr werden. "Konny fühlt sich extrem wohl in München. Wir sind sehr happy mit ihm und würden uns freuen, wenn er noch sehr lange beim FC Bayern spielen würde", sagte Freund bei "Sky".
Konrad Laimer, ein bodenständiger, heimatverbundener Salzburger, der 130 Kilometer nordwestlich sein Glück gefunden hat.
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Quelle: Perform
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