Natürlich muss Xabi Alonso übers Alter sprechen. In einer Sportlerzeit, die schon 29-Jährige als Quasi-Veteranen ansieht, wird's mit 34 nicht leichter, sich unter all den Youngstern zu bewähren. Aber Alonso ist wahrscheinlich der lässigste Fußballspieler der Bundesliga, er steht da drüber.

"Ich war weder als 20-Jähriger schnell, noch bin ich jetzt schnell", sagt er bei "Goal" und grinst, weil er ja weiß, dass seine Tempodefizite immer dann herausgekramt werden, wenn er sie nicht mit Routine kaschieren kann. Also vor allem in der Champions League.

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Xabi Alonso spielt seit 2014 für den FC Bayern

Fotocredit: Imago

"Das Alter", insistiert Alonso, "ist für mich lediglich eine Zahl. Manche sind mit 28 alt, andere mit 36 noch jung. Ich fühle mich bestens, daher spiele ich weiter, und das auf Top-Niveau." Widerspruch möglich, aber wohl zwecklos.

Alonso: Brillanz in der Einfachheit

Mit Thiago und Arturo Vidal teilt er sich die Rolle des defensiven Regisseurs beim FC Bayern München. Keiner wandert mit so viel Grandezza übers Feld wie der Spanier, er selbst betitelt es als "Mischung aus Coolness und Intelligenz, der Bereitschaft, das Spiel zu lesen, es zu verstehen und das Tempo entsprechend zu bestimmen".

Klingt prätentiös. Dabei findet er, dass die "Brillanz in der Einfachheit" liege.

Je einfachere Dinge ich mache, desto besser ist es für die Mannschaft. Es ist nicht mein Job, selbst gut zu spielen, sondern es jedem um mich herum zu erlauben, besser zu agieren.

Seine frühe Geburt betrachtet Alonso jedoch nicht als Vehikel, um wie ein Dozent in der Uni herumzufuchteln. "Ich bin kein Lehrer", bemerkt er, "ich bin nicht der Typ, der sagt: 'Komm her, du musst das anders machen.'"

"Pep ist seiner Zeit voraus"

Dafür ist dann schon Pep Guardiola zuständig, 45 Jahre zählend, Trainer des Rekordmeisters. Alonso kam im Sommer 2014 nach München, da begann der Katalane sein zweites von drei Jahren im Klub. Der Mittelfeld-Souverän lobt:

Pep ist seiner Zeit voraus. Er wird den Verein auf dem höchsten Niveau verlassen, seine Zeit hier wird eine sein, an die man sich gerne erinnert.

Pep Guardiola und Xabi Alonso

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Kritiken, die im FC Bayern aufgrund des riskanten Spielstils ein anfälliges Konstrukt sehen, wehrt Alonso dementsprechend ab: "Wir werden weiterhin so auftreten. Egal, ob wir siegen oder verlieren, solange wir unserer Linie treu bleiben, können wir uns nichts vorwerfen."

Arbeit vor der letzten Minute erledigen…

Kehrseite der Kunst sind Abwehrprobleme, die gerade international durchschlagen - in den vergangenen sechs K.o-Duellen kassierten die Münchner 13 Gegentore, eigentlich zu viele, um die Champions League anzugreifen. Was freilich das Ziel ist, betont Alonso, "selbstverständlich".

Joshua Kimmich (l.) und Xabi Alonso

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Im nervenaufreibenden Achtelfinale gegen Juventus Turin setzten sie sich in der Verlängerung durch, 4:2, und auch das erst, nachdem auf den allerletzten Drücker der Ausgleich gelang. Hitchcock trug rot. Jetzt geht's gegen Benfica Lissabon, mit Xabi Alonso, dem Gentleman-Profi der Bayern.

Künftig probieren wir auf jeden Fall, unsere Arbeit zu erledigen, bevor die Schlussminute läuft…
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