Borussia Dortmund verliert gegen Tottenham Hotspur: Risiken und unverdauliche Nebenwirkungen

Borussia Dortmund verliert zum Auftakt der Champions-League-Gruppenphase mit 1:3 (1:2) gegen Tottenham Hotspur, obwohl nicht nur BVB-Trainer Peter Bosz einen fußballerisch überlegenen Aufritt erkennt. Das ist auch so. Trotzdem macht Dortmund einen entscheidenden Fehler - und zwar gleich dreimal. Die fehlende defensive Stabilität ist ein Resultat des Bosz-Fußballs. Das erfordert Anpassungen.

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Von Jürgen Klopp sprach keiner in Wembley, zumindest für die Statistiker war er präsent. Borussia Dortmund gab zum Champions-League-Auftakt bei Tottenham Hotspur lediglich zwei Schüsse aufs Tor ab (einer war drin), so wenige wie beim 0:3 gegen Juventus Turin im März 2015. Es war Klopps letzter BVB-Auftritt in der "Königsklasse".
Zweieinhalb Jahre später startete die Saison erst, dabei wurde das Spiel von Dortmunds Bossen schon zum Finale hochgejazzt. Wegen Gruppenkontrahent Real Madrid haben die Vergleiche mit den "Spurs" gefühlt doppelte Bedeutung, beim 1:3 (1:2) zog Dortmund zunächst eine Niete.
Wie das sein konnte trotz 68 Prozent Ballbesitz, der deutlich besseren Passquote (85 zu 71 Prozent) und mehr gewonnenen Zweikämpfen (54 Prozent) war eine Frage von Belang. Die Antwort führte irgendwie wieder zu Klopp, nicht aber ans Ende seiner Dortmunder Amtszeit. Sondern an den Anfang.
Die Art und Weise, wie der BVB bei Tottenham ins Verderben rannte, erinnerte an die Auftritte unter Klopp im ersten Champions-League-Jahr 2011/12: rührend emsig, aber stur-naiv, weil ohne Absicherung für den Fall, dass es schiefgeht.

BVB zwang Tottenham sein Spiel auf

"Die Aufregung ist da", sagte Trainer Peter Bosz vor seinem Champions-League-Debüt, zugleich kündigte er an, den präferierten Plan durchdrücken zu wollen: "So viel Druck wie möglich machen." Das war eine offensive Ansage, auswärts bei Englands Vizemeister, so löblich wie selbstbewusst - und mit unverdaulichen Nebenwirkungen verbunden.
Bosz positionierte Dortmunds Viererkette extrem hoch (also weit weg vom eigenen Gehäuse), wodurch diese permanent überlaufen wurde. "Teilweise standen Papa und ich 30 Meter vor dem Tor von Tottenham", sagte Ömer Toprak im "Sky"-Interview nach dem Spiel; mit "Papa" meinte er Innenverteidigerkollege Sokratis.
"Wir hatten das Spiel komplett unter Kontrolle", fand Toprak, was stimmte, jedoch die rasanten Londoner Konter unberücksichtigt ließ. Vor der Pause kam Tottenham auf gerade mal zwei Torschüsse - beide saßen. Sokratis wurde von Heung-Min Son (4. Minute) und Toprak von Harry Kane genarrt (15.), Andrej Jarmolenko glich zwischenzeitlich aus (11.).

Zu hohes Risiko? Bosz sieht's anders

Dortmund dominierte, ohne defensiv an Stabilität zu gewinnen. Das war die Blaupause dieser Partie. Mit den immer gleichen Mitteln erarbeitete sich Tottenham seine Chancen, und ständig gewährte der BVB sperrangelweit geöffnete Türen. Kane besorgte den Endstand (60.).
"Wir waren sehr gut drauf", sagte Bosz später, er war nicht unzufrieden, wusste allerdings um die Malaise des Abends:
Ob's ein unkalkulierbares Risiko war mit der mutig angeordneten Kette? "Nein, glaube ich nicht", sagte Bosz, "sie hatten zwei Chancen in der ersten Halbzeit und treffen zweimal".
Trotzdem war das Fehlen des verletzten Innenverteidigers Marc Bartra spürbar. "Normalerweise brauchst du einen, der richtig schnell ist", sagte Ex-Bundesligatrainer Armin Veh bei "Sky". Sokratis und Toprak sind keine Sprinter, links feierte Jeremy Toljan seinen Einstand beim BVB, rechts präsentierte sich Lukasz Piszczek des Öfteren indisponiert.

Dortmund "zweimal richtig benachteiligt"

Zur Wahrheit gehört auch, dass Dortmund "zweimal richtig benachteiligt wurde", wie Veh festhielt. Bei Tottenhams zweitem Tor foulte Kane, dann wurde Pierre-Emerick Aubameyangs Ausgleich wegen angeblichem Abseits aberkannt (56.).
"Wir müssen die richtigen Konsequenzen ziehen", fordert schließlich Toprak, was nur heißen konnte: kontrollierte Offensive. Coach Bosz gefiel mit angenehm ruhiger Analyse und brachte das Gesehene auf einen Nenner: "Fußballerisch waren wir besser. Aber wir müssen besser verteidigen."
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