Alphonso Davies: FC Bayerns Sechser im Lotto wird zur Weltmarke
Alphonso Davies vom FC Bayern München ist seit seinem Traumsolo gegen den FC Barcelona im Viertelfinale der Champions League in aller Munde. Für den deutschen Rekordmeister ist der Kanadier aus mehrfacher Hinsicht ein Sechser im Lotto. Hasan Salihamidzic darf sich einen absoluten Transfercoup ans Revers heften, durch den der FC Bayern sogar den Abgang seines Abwehrchefs verkraften könnte.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Wir schreiben die 63. Spielminute.
Vor sechs Minuten erst hat Luis Suárez’ dem FC Barcelona durch seinen Treffer zum 2:4 noch einmal Hoffnung eingehaucht, nun aber hängen die Köpfe der Katalanen entmutigt auf den dazugehörigen Schultern. Auf der Anzeigetafel erscheint das 5:2 für den FC Bayern, Torschütze Joshua Kimmich. Das Tor jedoch gehört Bayerns "Roadrunner": Alphonso Davies.
An der linken Seitenauslinie wackelte der Kanadier seinen Gegenspieler Nelson Semedo wie einen F-Junioren aus, zog anschließend parallel zur Grundlinie und vorbei am verdutzt dreinschauenden Gerard Piqué in den Strafraum ein, wo er im Fünfer, gut einen Meter vor Torwart Marc-André ter Stegen, in die Mitte gab.
FC Bayern: Davies wird mit Lob überschüttet
"Unglaublich", befand Kimmich nach der Partie: "Ich habe mich fast geschämt, wie ich mich nach dem Tor gefreut habe, weil das natürlich zu 99 Prozent sein Tor war." Ohne Frage, es war die Szene des Spiels - und Davies wurde zurecht mit Lob überhäuft.
"Du bist eine Freude für meinen Augen, wenn ich Dich spielen sehe, Junge!", kommentierte etwa Rechtsverteidiger-Legende Marcelo von Real Madrid einen Instagram-Post des Bayern-Stars. Ex-ManUnited-Verteidiger Rio Ferdinand empfahl augenzwinkernd, Aktionen wie diese zu verbieten, weil dadurch "die Karriere eines Spielers zerstört" werde. Für ihn sei "Davies der beste Außenverteidiger der Welt. Er ist großartig. Was er spielt, ist Fußball pur."
Bayern-Trainer Hansi Flick hingegen fand Davies' Assist "einfach schön". "Umso schöner" wäre es aber, "wenn er es noch öfter macht".
Alphonso Davies: Bayerns Top-Attraktion
Nun, es ist sicher nicht erst seit Bayerns überragendem 8:2-Erfolg gegen Barcelona bekannt, dass Davies in der Lage ist, Gegenspieler mit seinem blitzartigen Antritt und in hohem Tempo auszuspielen. Die ganze Saison schon gehört der 19-Jährige vor allem dank seiner spektakulären Geschwindigkeit zu den großen Attraktionen beim FC Bayern, ist deswegen auch zurecht einer der Dauerspieler unter Flick.
Und dennoch wird einem durch Aktionen wie diese, gegen Gegner wie den FC Barcelona, in einem Champions-League-Viertelfinale noch einmal mehr bewusst, welch Sechser im Lotto dem FC Bayern im Sommer 2018 (Bekanntwerden des Deals, Wechsel dann im Januar 2019) gelungen ist.
Und das gleich aus mehreren Gründen.
Alphonso Davies: Ein Transfer der Marke Salihamidzic
Als Hasan Salihamidzic im Sommer 2017 sein Funktionärs-Engagement beim FC Bayern begann, sahen nicht wenige diese Personalentscheidung des FC Bayern kritisch. Dem Bosnier wurde schlicht nicht zugetraut, sich unter den Alphatieren Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge Gehör zu verschaffen. Auch sein Verhandlungsgeschick auf dem Transfermarkt wurde infrage gestellt - zu Unrecht, wie man heute klar konstatieren muss.
Zuvor hatte die Position des Sportdirektors kein geringerer als Matthias Sammer bekleidet, ein grundlegend anderer Typ als Salihamidzic. Einer, der durch sein großes Fachwissen und seine einnehmende Art unter Pep Guardiola einen überzeugenden Job machte und seit seinem gesundheitsbedingten Ausscheiden schmerzlich vermisst wurde.
"Brazzo" hat eindrucksvoll nachgewiesen, dass die Fußstapfen seines Vorgängers keineswegs zu groß für ihn sind. Die Verpflichtung des damals 17 Jahre alten Davies, dessen Marktwert sich inzwischen verzehnfacht hat, ist vor allem sein Verdienst. So wie übrigens auch die Transfers von Leon Goretzka (kam ablösefrei), Serge Gnabry (für 8 Millionen aus Bremen), Benjamin Pavard (für 35 Millionen aus Stuttgart) oder nun Leroy Sané (ca. 45 Millionen von Manchester City). Namen der allerhöchsten Güteklasse.
Davies ist aber nicht nur Salihamidzics Durchbruch und Top-Referenz - er ist schlicht sportlich schon jetzt von ungeheurem Wert für den deutschen Rekordmeister.
FC Bayern: Davies gibt Bayern Sicherheit
Davies ist von der Linksverteidigerposition gar nicht mehr wegzudenken - und das, obwohl dort zuvor mit David Alaba einer der besten Außenverteidiger der Welt sein Revier über Jahre sicher hatte. Seit der Österreicher jedoch in der Innenverteidigung gebraucht wird und dort von Flick zum Abwehrchef befördert wurde, hat Davies den linken Platz in der Viererkette sicher. Es wird nicht viele Anhänger des FC Bayern geben, die sich eine Rückkehr Alabas auf die linke Seite wünschen.
Selbst wenn Alaba den Verein nach Abschluss der Saison verlassen sollte, wäre der FC Bayern mit dem Kanadier auf links und Lucas Hernández als linker Innenverteidiger ordentlich aufgestellt. Noch vor einem Jahr wäre ein Abgang Alabas wohl ein absolutes Worst-Case-Szenario für die Münchner gewesen - durch Davies’ kometenhaften Aufstieg wäre ein solcher nun deutlich besser zu verkraften. Davies gibt den Bayern Planungssicherheit - und zwar auf Jahre.
Während die Vertragsverhandlungen mit Alaba noch immer stocken, hat man den 19-Jährigen längst langfristig an den FC Bayern gebunden. Inmitten der Corona-Krise im April verlängerten die Verantwortlichen den Vertrag mit ihrem Shootingstar vorzeitig um zwei Jahre bis 2025.
Ein Zeichen der Wertschätzung und ein Indiz dafür, dass man in München schon vor dem Traumsolo gegen den FC Barcelona erkannt hatte, dass "Phonzie" längst von einer großen Nummer in Deutschland zu einem der besten Außenverteidiger Europas aufgestiegen ist. Das bestätigte jüngst auch Jörg Wacker, Bayern-Vorstand für Internationalisierung und Strategie im Interview mit "Sport1":
"Über genaue Zahlen sprechen wir nicht. Aber ich kann sagen, dass Alphonso Davies in seinem ersten Jahr beim FC Bayern im Ranking der Trikotverkäufe auf Platz 18 lag. Jetzt ist er nach seinen tollen Auftritten unter den Top Drei dieser Rangliste. Er hat sich zu einem absoluten Publikumsliebling entwickelt - unsere Fans lieben ihn."
Das könnte Dich auch interessieren: PSG-Hoffnungsträger Mbappé: Es bleibt ein großes Fragezeichen
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-64409486-720e-4196-b7be-ecc2673d0569-68-310-310.jpeg)