Kylian Mbappé wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte.

"Niemand glaubte daran, außer uns", zeigte sich der Superstar von Paris Saint-Germain nach dem 150-Sekunden-Wahnsinn im Champions-League-Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo (2:1) bei der medizinischen Abteilung des Vereins erkenntlich.

Champions League
Schwächung für PSG: Stammkeeper fällt fürs Halbfinale gegen Leipzig aus
16/08/2020 AM 21:44

Tatsächlich hätten wohl nur die wenigsten Experten damit gerechnet, dass der 21-Jährige, der sich Ende Juli im Pokalfinale gegen AS Saint-Étienne (1:0) eine Verstauchung des rechten Knöchels sowie eine Verletzung der äußeren Bänder zugezogen hatte und vor der Finalrunde in Lissabon lediglich sporadisch gegen den Ball getreten hatte, zum heimlichen Matchwinner gegen Atalanta avancieren könnte.

Doch Mbappé strafte seine Zweifler Lügen.

Mbappé leitet Wende gegen Atalanta ein

Nach genau einer Stunde reagierte Thomas Tuchel auf den 0:1-Rückstand gegen das italienische Überraschungsteam und brachte den französischen Weltmeister für den glücklosen Pablo Sarabia. Eine durchaus gewagte Maßnahme, die sich jedoch sofort auszahlen sollte.

Der Youngster war bei seinem Comeback einer der Aktivposten und trug gemeinsam mit Eric Maxim Choupo-Moting und dem "Man of the Match" Neymar maßgeblich zur späten Wende bei.

Tief in der Nachspielzeit bescherte Mbappé seinem Arbeitgeber mit einer punktgenauen Hereingabe für den ebenfalls eingewechselten Choupo-Moting die erste Halbfinal-Teilnahme in der Königsklasse seit 25 Jahren.

Eric Maxim Choup-Moting (links) und Kylian Mbappé bejubeln den späten Siegteffer gegen Atalanta Bergamo

Fotocredit: Getty Images

"Neymar und Kylian gehören zu den besten Spielern der Welt, aber das ganze Team hat heute großartig gespielt", schwärmte Präsident Nasser Al-Khelaifi im Anschluss bei "RMC Sport".

Auch Tuchel pries die "besondere Beziehung" zwischen Neymar und Mbappé an. "Sie machen offensiv immer den Unterschied. Das ist eine außerordentliche Mischung und unsere große Stärke", so der 46-Jährige.

Der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund ging sogar noch einen Schritt weiter und beschrieb das Zusammenspiel der beiden Superstars als Kooperation zweier Genies; zwischen "dem Dribbler Neymar, der viel ins Eins gegen Eins geht, und Kylian, der sehr schnell ist, das Timing und den Hunger hat, ein Tor zu schießen".

Startelf-Comeback von Mbappé? Das Risiko ist groß

Bei allen Lobeshymnen stellt sich jedoch die berechtigte Frage, wie es um den Gesundheitszustand von Mbappé bestellt ist.

"Er könnte anfangen. Ob er 90 Minuten spielen kann, werden wir sehen", äußerte sich Tuchel vor dem Halbfinale gegen RB Leipzig (21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) optimistisch.

Fußball-Experte Cyril Morin von Eurosport in Paris ist hingegen davon überzeugt, dass der Offensiv-Star im weiteren Turnierverlauf über die volle Distanz gehen wird.

"Als er gegen Atalanta eingewechselt wurde, machte er nicht den Eindruck, als wäre er noch angeschlagen. Er wird gegen RB Leipzig sehr wahrscheinlich in der Startelf stehen. Ich denke, er ist bereit, das ganze Spiel zu spielen, selbst wenn es in die Verlängerung gehen sollte - egal, unter welchen Umständen", betont Morin.

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Nun ist es nur allzu verständlich, dass sich ein Spieler seiner Güteklasse ein solches Spiel nicht entgehen lassen möchte. Doch zahlt er einen zu hohen Preis dafür?

Die Belastung in Lissabon mit potentiell drei Partien binnen elf Tagen ist riesig - das Verletzungsrisiko umso größer. Eine Überbelastung im Halbfinale könnte Mbappé unter Umständen sogar das Endspiel kosten.

"Mbappé ist eine tödliche Waffe"

Auf dem Weg dorthin muss das Starensemble jedoch zunächst einmal das Überraschungsteam aus Leipzig aus dem Weg räumen.

Fakt ist: Der Hauptstadtklub braucht beide Hälften seines kongenialen Offensiv-Duos (79 Scorer-Punkte - 30 Neymar, 49 Mbappé), um auch dort zu bestehen.

"Mbappé ist eine tödliche Waffe. Leipzig scheint gerade mit den Läufen in die Tiefe - eben jene Art des Spiels, das er so liebt - Schwierigkeiten zu haben. Der Schlüssel ist jedoch das Zusammenspiel zwischen Neymar und Mbappé. Es ist kein Klischee zu sagen, dass sich beide auf dem Platz blind verstehen", erklärt Morin: "Wenn es Leipzig also gelingt, diese Kombinationen zu unterbinden, können sie auch die Angriffsstärke von PSG brechen."

Nun ist also das Pariser Starensemble gefragt, auf dem Platz Lösungen gegen das Leipziger Defensivkonzept zu finden.

Sollte es Mbappé tatsächlich gelingen, PSG ins Endspiel am 23. August zu führen, wird sich dann ganz Paris bei ihm bedanken.

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