Der FC Bayern und sein besonderes Triple: Hungrig, demütig, kaltschnäuzig
Der FC Bayern München bezwingt den FC Chelsea im Achtelfinale der Champions League in Hin- und Rückspiel mit 7:1, widmet sich aber sogleich neuen Zielen: dem Finalturnier in Lissabon mit Viertelfinal-Gegner FC Barcelona. Auf dem Weg zum erhofften Triple stellen die Bayern dabei drei ganz besondere Attribute zur Schau, die sie zum Top-Favoriten machen. Auch wenn alles ganz schnell vorbei sein kann.
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Die Frage war kaum gestellt, da sagte Niklas Süle schon wie aus der Pistole geschossen: "Ja!"
Der "Sky"-Reporter hatte den Abwehrspieler des FC Bayern München gefragt, ob die Münchner dieses Jahr die Champions League gewinnen. Und Süle stellte mit einem einzigen Wort das gesamte bayrische Selbstbewusstsein zur Schau.
3:0 und 4:1 - macht 7:1 über den FC Chelsea, wahrlich keine Laufkundschaft in Europa. Auch wenn zwischen Hin- und Rückspiel fast ein halbes Jahr lag, ließ sich ein Zusammenhang herstellen: griffige, kaltschnäuzige Bayern, angeführt durch Angreifer Robert Lewandowski, der an allen sieben Treffern direkt beteiligt war (drei Tore, vier Vorlagen).
"Wir haben ein Selbstverständnis in der ganzen Truppe", erklärte Thomas Müller den Spaziergang durchs Achtelfinale. "Wir wollten uns nicht locker-flockig durchmogeln, sondern uns selber fordern und ganz klar klarmachen, dass mit uns zu rechnen ist und die anderen Bescheid wissen: Selbst bei einem Vorsprung lassen wir nicht nach", so Müllers Einschätzung zum gelungenen Auftakt in die Endphase der Champions League.
FC Bayern besteht nächste Prüfung mit Bravour
Anders als Chelsea, das nach verspätetem Ende der Premier League und FA-Cup-Finale am vergangenen Wochenende (1:2 gegen den FC Arsenal) im Rhythmus war, hatte Bayern über einem Monat nach dem DFB-Pokal-Finale erneut lose Fäden aufnehmen, sich nach Urlaub wieder anknipsen müssen.
"Das war ja jetzt die vierte Vorbereitung dieser Saison", rechnete Leon Goretzka die Plackereien vor der Saison, im Winter, vor Restart der Bundesliga und nun vor der Wiederaufnahme des Europacups zusammen: "Die meisten hatten nur 45 Minuten Testspiel, dann spielst du ein Champions-League-K.o.-Spiel - das war schon etwas komisch."
Die Prüfung bestanden die Münchner allerdings abermals mit Bravour. Klares Signal: Wir haben ein Ziel und ordnen dem alles unter - das Triple.
Neben der am Samstagabend erneut zur Schau gestellten Kaltschnäuzigkeit zeigten die Bayern vor allem auch, dass sie weiter enorm hungrig sind. Nur wenige Minuten nach Abpfiff war der Stadioninnenraum bereits wie leer gefegt, die Bayern schon zur Planung der Finalphase übergegangen. Bereits am Abend starteten die Spieler mit der Regeneration, die Ersatzspieler absolvierten sogar noch eine nächtliche Trainingseinheit.
Hintergedanke: So mussten die Profis nicht am Sonntagmorgen nochmal an die Säbener Straße kommen. "Wir wollten einfach, dass Spieler noch Zeit haben, mit ihren Familien zu frühstücken und Mittag zu essen, bevor wir fliegen", erklärte Trainer Hans-Dieter Flick, der fordert, aber auch gönnt. "Das kommt super bei den Spielern an", lobte "Sky"-Experte Lothar Matthäus.
Feinschliff im "Lifestyle Resort"
Ab Sonntagnachmittag bereiten sich die Bayern dann an der Algarve auf das Viertelfinale gegen den FC Barcelona in Lissabon (Fr., 21:00 Uhr im Liveticker) vor. Im "Cascade Wellness & Lifestyle Resort" an der Steilküste von Ponta da Piedade will Flick den Spielern den Feinschliff fürs Finalturnier geben.
"Wir müssen uns wohlfühlen, eine Wohlfühlatmosphäre schaffen - vor allem auf dem Platz", sagte Thomas Müller. Mit dem nötigen Ernst, versteht sich: "Wir dürfen uns nicht sagen: Wir sind in Portugal, in der Nähe des Meeres und jetzt machen wir ne Urlaubsreise. Der Fokus muss ganz klar auf dem Spiel liegen. Aber der Schuss Lockerheit darf vor allem in den ersten Tagen nicht fehlen."
Raum zur Verbesserung hatte auch das Chelsea-Spiel geboten. Nach dem Motto "Bayern-Auge, sei wachsam", kritisierte Goretzka das Abwehrverhalten bei dem nur durch Videobeweis verhinderten Treffer von Callum Hudson-Odoi (28.) und dem tatsächlichen 1:2 von Tammy Abraham (44.). "Das darf nicht passieren. Da dachten wir, es geht von allein", sagte der Nationalspieler.
Bayern zeigt Teamgeist
Auch die Absprache mit Thiago im zentralen Mittelfeld könne noch besser sein. "Wir müssen gucken, dass wir uns wieder richtig einspielen", sagte Goretzka, "aber das bekommen wir hin." In der Offensive hätten die Bayern dagegen einige Räume nicht genutzt, die Chelsea angeboten habe. "Es gibt sicherlich noch Luft nach oben", meinte auch Müller.
Kollektiv, versteht sich - ein weiteres Bayern-Plus. Zur Schau gestellt beim 3:1-Treffer durch den diese Saison noch überhaupt nicht in den Tritt gekommenen Corentin Tolisso (76.), der überschwänglich vom ganzen Team bejubelt wurde. "Das zeigt, wie die Atmosphäre in der Mannschaft ist", sagte Flick: "Das muss uns jetzt Kraft geben für Portugal."
Dass Álvaro Odriozola als ebenfalls eingewechselter Spieler noch Lewandowskis 4:1 auflegte (84.) und sich auch Philippe Coutinho sowie Comebacker Niklas Süle nahtlos einfügten, wertete Flick als weiteres positives Zeichen.
Demut vor dem Spiel gegen Barcelona
"Jeder, der auf dem Platz steht, bringt sich ein. Das sind so Dinge, die ein Trainer gerne sieht", sagte der 55-Jährige: "Man sieht, dass Spieler den Ball auch mal vorlegen und so aus einer 70-prozentigen Chance eine Hundertprozentige machen. Das sind die Dinge, die einfach wahnsinnig wichtig sind, wenn man gemeinsam Erfolg haben will."
Trotz aller Euphorie zeigen die Bayern aber auch, dass sie demütig bleiben. Schon allein die veränderten Vorzeichen des Finalturniers gebieten das. Nach weiteren 90 Minuten kann die Operation Triple schließlich schon wieder vorbei sein.
"Da kannst du dann schnell mal die ganzen Rekordserien in die Tonne kloppen, wenn du einen schlechten Tag erwischst, vielleicht ein bisschen Pech hast und einfach nicht da ran kommst, wo du rankommen musst", meinte Müller vor dem Duell mit dem FC Barcelona.
Man werde deshalb mit einer "Mischung aus einem extremen Selbstvertrauen, aber auch dem Schuss Demut da ran gehen und dann werden wir sehen, was wir dann kriegen".
Dass Flick als Co-Trainer der Weltmeister von 2014 prinzipiell weiß, wie man vor einem Turnier die richtigen Reize setzt, schadet dabei gewiss nicht. Dass dem Bayern-Trainer in diesen Tagen nichts entgeht, hatte er bei der Video-Pressekonferenz nach dem Chelsea-Spiel unter Beweis gestellt.
Der Bayern-Sprecher wollte die Fragerunde schon beenden, da wies ihn Flick auf zwei weitere virtuelle Handzeichen hin und nahm sich auch dafür noch ein wenig Zeit.
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