Eurosport
FC Barcelona | Bei Barça und Lionel Messi läuft es nicht rund
Von
Publiziert 26/02/2020 um 16:55 GMT+1 Uhr
Der FC Barcelona taumelt den entscheidenden Wochen entgegen. In der Liga und der Champions League liegt Barça ergebnistechnisch auf Kurs, doch spielerisch enttäuschen die Katalanen derzeit auf ganzer Linie. Der Kader weißt quantitativ und qualitativ erhebliche Mängel auf, dazu kommen viele verletzte Stars. Das Spiel in Neapel war ein weiterer Beweis: So gewinnt Barça diese Saison keine Titel.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Lionel Messi freute sich auf sein erstes Spiel überhaupt im San Paolo. "Schon seit einer langen Zeit wollte ich in diesem Stadion spielen, aber es hat sich einfach nicht ergeben. Jetzt kommt endlich die Gelegenheit und ich bin begierig darauf, diese Erfahrung zu machen. Ich bin sicher, dass es ein großartiges Erlebnis für mich sein wird", sagte der Argentinier bei "Mundo Deportivo" vor dem Achtelfinal-Hinspiel seines FC Barcelona beim SSC Neapel.
Der Grund für die Euphorie: Die argentinische Legende und Messi-Idol Diego Armando Maradona wird seit seiner erfolgreichen Zeit in Neapel (1984-1991) bei den Azzurri als Gott verehrt. Und Messi oft mit ihm verglichen.
Die Partie erinnerte von Beginn an an ein Duell zwischen Maradona und Messi und nicht an Napoli gegen Barça. "Diegoooo, Diegoooooo", riefen die italienischen Tifosi. "Meeesssi, Meeeeesssssi", antworteten die katalanischen Anhänger. "Ich hoffe, dass Messi kein großes Spiel macht", meinte Maradona, der nicht physisch im Stadion anwesend war, vor der Partie. Messi tat ihm den Gefallen, wie auch die gesamte Mannschaft des FC Barcelona.
Barça enttäuscht auf ganzer Linie
Die Gäste dominierten zwar gewohnt den Ball (64% Ballbesitz), kamen aber in 90 Minuten zu einem einzigen Torschuss. Das dieser den Weg ins Tor fand und Barça durch das 1:1 eine gute Ausgangslage für das Rückspiel hat, täuscht über einen insgesamt schwachen Auftritt hinweg. Eurosport.de-Fußballexperte Félix Martin aus Spanien fiel ein vernichtendes Urteil:
Doch nicht nur in diesem Duell fehlte es an Ideen, Tiefe und Kreativität im Spiel. Die Taktgeber Frenkie de Jong und Ivan Rakitic sind derzeit Schatten ihrer selbst. Antoine Griezmann schoss zwar das Auswärtstor, ist aber weiterhin kaum ins Barça-Spiel eingebunden. Der französische Weltmeister kam in den ersten 45 Minuten nur auf sechs Ballkontakte. "Sie hängen zu sehr von Leo Messi ab. Wenn Messi keinen guten Tag hat, dann hat auch Barça keinen", meint Martin.
Vor seinem Viererpack gegen CD Eibar blieb La Pulga in vier Ligapartien und beim Pokalaus gegen Athletic Bilbao (0:1) ohne Tor, Barça zeigte in allen Spielen uninspirierte Leistungen. Mit zwei Abschlüssen und sieben erfolgreichen Dribblings war Messi bereits der aktivste Angreifer einer einfallslosen Barça-Offensive. Die "AS" schrieb:
Trotz der Euphorie, endlich in Neapel spielen zu dürfen, war dem 32-Jährigen der lange Schatten Maradonas und damit auch der Druck anzumerken.
Lange Verletztenliste beim FC Barcelona
Barcelona plagen große Verletzungsprobleme. Neben den Langzeitausfällen der Offensivakteure Luis Suárez (Knie-OP) und Ousmane Dembélé (Muskelriss) sind auch die etatmäßigen Außenverteidiger Jordia Alba (Oberschenkel) und Sergi Roberto (Muskelverletzung) zum Zuschauen verdammt. Abwehrchef Gerard Piqué verletzte sich in Italien am Knöchel und musste ausgewechselt werden. Ein Einsatz für den Clásico bei Real Madrid am kommenden Sonntag (ab 21 Uhr im Liveticker) ist fraglich. Sergio Busquets analysierte nach dem Neapel-Spiel nüchtern:
Im Rückspiel gegen die Italiener fällt der spanische Abräumer (dritte Gelbe) zudem genauso aus wie Arturo Vidal (Gelb-Rot). Notfalleinkauf Martin Braithwaite ist der Königsklasse nicht spielberechtigt.
"In Barcelona gibt es im Moment ein großes Problem mit der professionellen Planung, mit dem Kampf zwischen Präsident Josep Maria Bartomeu, Sportdirektor Éric Abidal und den Spielern. Sie haben nur 13 verfügbare Profispieler in ihren Reihen und mussten mit vier Spielern der zweiten Mannschaft nach Neapel", erklärt Félix Martin.
Dazu spielte Vidal im San Paolo auf dem rechten Flügel - eine Position, die ihm nicht liegt. Der junge Júnior Firpo war auf der linken Abwehrseite total überfordert. "Ein Spiel zum vergessen. Ohne Ideen, ohne Tiefe, ohne Überzeugung und ohne Eindringlichkeit. Wenn dies das Niveau für das Spiel im Bernabéu ist, möge Gott uns zur Beichte führen", urteilte die "AS". Neu-Trainer Quique Setién hat noch kein Konzept gefunden, den Bock beim viermaligen Champions-League-Sieger umzustoßen.
Ter Stegen einziger Barça-Spieler in Titelform
Einziger Lichtblick im katalanischen Starensemble ist derzeit Marc-André ter Stegen. Der deutsche Nationaltorhüter glänzte auch in Neapel mit zwei starken Paraden gegen Lorenzo Insigne (61.) und José Callejon (63.). "Er war der entscheidene Faktor, dass Barcelona eine gute Ausgangslage hat", schrieb die "AS".
Dass der Torhüter in absoluter Topform ist, spricht bei bereits 29 Gegentoren (25 Partien) in La Liga nicht gerade für die Defensive des spanischen Meisters. Real (17), Atlético Madrid (18), Bilbao (22), der FC Getafe und der FC Sevilla (beide 25) haben allesamt weniger Gegentreffer als der Tabellenführer hinnehmen müssen.
Und trotz aller Defizite auf dem Platz hat Barcelona vor den wichtigen Spielen in Liga und Königsklasse weiter noch zwei Titelchancen in der eigenen Hand. In der Liga liegen sie aktuell zwei Punkte vor den Königlichen. Doch Barça muss schnell Lösungen für die aktuelle spielerische Armut liefern, auch, um in den großen Spielen bestehen zu können.
Messi selbst gab in einem Interview mit "Deportivo Mundo" vor wenigen Tagen zu, dass die Form der Katalanen so nicht gut genug für die großen Ziele sei:
Das Spiel in Neapel gab ihm recht.
Das könnte Dich auch interessieren: Von wegen Wachablösung! Darum bleiben Ronaldo und Messi auf dem Thron
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung