FC Bayern München | Robert Lewandowski und sein Makel in der Champions League

Robert Lewandowski trifft in dieser Saison für den FC Bayern München wie am Fließband. In der K.o.-Phase der Champions League blieb der Pole jedoch in den vergangenen zwei Jahren torlos - sein letzter großer Makel in einer sonst furchteinflößenden Bilanz. Beginnend mit dem Achtelfinal-Hinspiel beim FC Chelsea will der 31-Jährige diesen nun ausmerzen. Weil bei Lewandowski gerade alles im Flow ist.

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Aus London berichtet Florian Bogner
Robert Lewandowski hat neulich in einem Interview mit dem "Guardian" verraten, wie ihn Jürgen Klopp einst beim BVB zu einem besseren Stürmer machte. Nicht mit einstudierten Laufwegen oder Tipps zur Schusshaltung. Die mangelhafte Körpersprache des Polen war es, die Klopp verändert sehen wollte.
Klopp sprach Lewandowski damals darauf an, dass er, der Trainer, im Spiel oftmals nicht einschätzen könne, ob der Angreifer denn nun gerade gut gelaunt oder frustriert sei. Eine Anmerkung, die Lewandowski zu denken gab. Heute sagt er:
Geht es nach dem FC Bayern München, darf Lewandowski am Dienstagabend richtig gute Laune demonstrieren. Im Achtelfinal-Hinspiel beim FC Chelsea (ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) wird viel von ihm abhängen - seine Tore sind gefragt.

Robert Lewandowski in “der Form seines Lebens”

"Er ist in der Form seines Lebens", schwärmte Flick am Montagabend auf Nachfrage von Eurosport.de, "sehr selbstbewusst und topfit. Er hat im Moment einen Lauf und wir hoffen natürlich, dass er das auch gegen Chelsea unter Beweis stellt."
Für den Mittelstürmer sei es für gute Leistungen unabdingbar, "dass er positiv ist und das ist er aktuell". Stichwort: Körpersprache. "Er ist für uns vorne als Leader, als einer, der eine Mannschaft führen kann, aber auch mit seinem Einsatz mitziehen kann, enorm wichtig", so Flick.

Lewandowski kommt der Flick-Fußball entgehen

Komplimente, die Lewandowski gerne zurückgibt. "Mir kommt Flicks Philosophie entgegen", sagte er kürzlich. Durch Angriffspressing und eine insgesamt höhere Positionierung auf dem Spielfeld ist das Bayern-Spiel unter Flick sozusagen auch mehr in Lewandowskis Nähe gerückt.
Er und seine Kollegen fühlten sich unter dem neuen Coach "sicherer, weil sie wissen, was der Trainer von ihnen will". Die Kommunikation sei "viel besser".
Er selbst wolle "kein Stürmer sein, der 90 Minuten im Strafraum auf den Ball wartet", sagt er:

Schafft Lewandowski 40 Bundesliga-Tore?

Was diese Saison ausnehmend gut klappt. Nach 23 Spieltagen hat Lewandowski bereits 25 Tore erzielt - jetzt schon drei mehr als in der gesamten vergangenen Saison. Das schaffte vor ihm lediglich Gerd Müller, sogar zweimal, zuletzt 1971/72. Und da wäre dann noch der Meilenstein, den Müller 1972 aufstellte: 40 Tore in einer Saison.
Lewandowskis eigene Bestmarke liegt bei 30 Treffern (2016). Rechnet man seine aktuellen 25 Tore auf 34 Spieltage hoch, liegt die Prognose bei 37 zu Saisonende. "Es wird schwer", sagt Manuel Neuer zum Müller-Rekord. "Aber wenn's einer schafft, dann er", meint Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, früher selbst Mittelstürmer.
Dass Lewandowski im Flow ist, hat auch Chelsea-Coach Frank Lampard bemerkt. "Wir sind schon besorgt, wenn man auf seine Statistiken blickt", meinte der 42-Jährige am Montag:

Mit sich und den Bayern im Reinen

Weil derzeit einfach alles passt beim Stürmer. "Ich kann sagen, dass es die beste Zeit meines Lebens ist", verriet Lewandowski kürzlich bei "Sport1". Denn: Mit seiner Zukunft bei Bayern hat der 31-Jährige seinen Frieden gemacht, Wechselgedanken verworfen, den Vertrag bis 2023 verlängert.
"Meine Familie und ich fühlen uns in München sehr wohl. Es gibt keinerlei Überlegungen, woanders hinzugehen", sagt er heute. Privat läuft es rund mit Frau Anna und Tochter Klara (2), das zweite Kind ist unterwegs:
"Es ist schön, dass ich mich voll auf Fußball konzentrieren kann und voll fokussiert bin. Wenn ich dann zurück nach Hause komme und meine Kleine auf mich wartet, dann freue ich mich sehr. So wie es läuft, hoffe ich, dass es noch lange läuft."

Lewandowski: 38 Tore in 32 Pflichtspielen

Gegen Paderborn feuerte Lewandowski zuletzt neun Torschüsse ab, stellte damit eine persönliche Bundesliga-Bestmarke auf. Seine zwei Treffer (70./88.) führten dazu, dass Bayern 3:2 siegte. Was nunmehr 38 Treffer in 32 Pflichtspielen diese Saison macht - und verdächtig nach individuellen Tor-Titeln riecht.
In der Torschützenliste der Bundesliga hat der viermalige Gewinner der Torjägerkanone (2014, 2016, 2018, 2019) jedenfalls schon ein kleines Polster auf Timo Werner (RB Leipzig, 21 Tore). Mit zehn Treffern führt Lewandowski gemeinsam mit Erling Haaland (Salzburg/BVB) die Torjägerliste der Champions League an.
Im Rennen um den Goldenen Schuh für Europas besten Torjäger liegt er derzeit auf Platz zwei, nur Ciro Immobilie hat in den Top-fünf-Ligen häufiger getroffen (27 Tore für Lazio Rom in der Serie A).

Sensationelle Torquote - auch in der Champions League

Mit seinen 63 Champions-League-Toren liegt Lewandowski in der ewigen Bestenliste des Wettbewerbs derzeit nur einen Treffer hinter Karim Benzema (Real Madrid) auf Rang fünf. Real-Legende Raúl (71) auf Platz drei ist ebenfalls noch in Reichweite. An Lionel Messi (114) und Cristiano Ronaldo (129) wird er hingegen nicht mehr rankommen.
Seine Quote von 0,74 Treffern pro Spiel kommt Ronaldo (0,76) und Messi (0,80) dagegen sehr nahe - historisch waren sonst auch nur Gerd Müller (0,95), Ferenc Puskás (0,85) und Ruud van Nistelrooy (0,77) treffsicherer.
"Seine Torquote ist sensationell und ich hoffe, dass er sie auch in der Champions League hält", sagt Flick.

Lewandowski und die K.o.-Phase

Doch es bleibt ein Makel. Seine letzten 18 Champions-League-Tore schoss der Pole alle nur in der Gruppenphase. In der K.o.-Phase wartet er dagegen seit 597 Spielminuten auf einen Treffer, ist die letzten sieben K.o.-Spiele mit Bayern torlos, traf zuletzt im Februar 2018 gegen Besiktas (Doppelpack beim 5:0 im Achtelfinal-Hinspiel).
Auswärts hat Lewandowski in der K.o.-Phase für Bayern sogar noch nie aus dem Spiel heraus getroffen, erzielte lediglich zwei Elfmetertore (2016/17 beim 5:1 gegen Arsenal im Achtelfinal-Rückspiel und beim 2:4 n.V. gegen Real Madrid im Viertelfinal-Rückspiel).
Insgesamt hat er nur 18 seiner 63 Champions-League-Treffer in der K.o.-Phase erzielt, was lediglich 29 Prozent ausmacht. Das reicht bei weitem nicht an die Werte von Messi (46 von 114 = 40 Prozent) und Ronaldo (65 von 129 = 50 Prozent) heran.

Rummenigge wischt Bedenken beiseite

Im Bayern-Trikot sind es bei Lewandowski sogar nur 11 von 46 Toren (24 Prozent), die er nach der Gruppenphase erzielt hat. Rummenigge sagt dennoch:
Für Lewandowski spricht, dass er immer noch Potenzial sieht, sich zu verbessern. "Ich kann an allem noch arbeiten. Aber eine bestimmte Sache? Vielleicht meine Schüsse aus der Distanz", sagte er dem "Guardian".

Lewandowski jagt Champions-League-Titel hinterher

Sein Plan ist es schließlich, noch länger auf Torejagd zu gehen. Denn: "Ich fühle mich nicht wie 31 und ich tue alles dafür, um für die nächsten fünf, sechs Jahre topfit zu bleiben."
Ein großes Ziel hat er nach sieben Deutschen Meisterschaften und drei DFB-Pokal-Triumphen nämlich weiterhin vor Augen:
Denn wer einmal den Pokal mit den großen Ohren in den Händen hält, muss sich keine Gedanken mehr über seine Körpersprache machen.
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