Jürgen Klopp war zerknirscht. Schuld daran: Szymon Marciniak, Schiedsrichter aus Polen.
Zumindest für Klopp. "Das hat das Spiel heute entscheiden, weil daraus das Tor entstanden ist", kommentierte der Trainer des FC Liverpool eine aus seiner Sicht folgenschwere Fehlentscheidung des Unparteiischen in der vierten Spielminute.
Champions League
"Jürgen floppt": Pressestimmen zur Liverpool-Niederlage bei Atlético
19/02/2020 AM 00:14
Was war passiert? Nach einer Flanke von Renan Lodi hatte Álvaro Morata den Ball mit seinem Scheitel ins Seitenaus bugsiert - Marciniak hatte jedoch fälschlicherweise angenommen, Reds-Abwehrspieler Virgil van Dijk sei als Letzter am Ball gewesen.
Eine Ecke kurz darauf führte dann zum goldenen Tor des Abends (Saúl Ñíguez, 4.). "Jeder hat gesehen, dass Morata zuletzt am Ball war", klagte der benachteiligte van Dijk frustriert:
Atlético hat das Tor durch diese schäbige Ecke erzielt. Für mich war das eine klare Fehlentscheidung.

Liverpool hätte es einfacher haben können

Womit aber nur die halbe Wahrheit erzählt ist. Van Dijk hätte die auf den falschrum verhängten Einwurf folgende Flanke von Sime Vrsaljko auch eleganter und nicht auf Kosten des zum Treffer führenden Eckballs klären können. Vor der Einwurf-Szene hätten zudem auch Andrew Robertson und Sadio Mané die Möglichkeit gehabt, den Ball humorlos wegzuschlagen.
So aber lief Liverpool früh einem Rückstand hinterher, der gegen ein Team wie Atlético nur schwer wieder aufzuholen ist. Auch wegen der weicheren Faktoren.
"Ständig lagen Atlético-Spieler am Boden, obwohl sie gar nichts hatten", monierte Klopp, weiterhin nicht gut auf den Schiedsrichter zu sprechen. Atmosphäre und Fans im Wanda Metropolitano hätten nun mal "einen besonderen Einfluss auf so ein Spiel", fügte der deutsche Trainer an. Und Marciniak habe sich "davon anstecken lassen".

Jürgen Klopp beim Spiel gegen Atlético

Fotocredit: Getty Images

Klopp rechtfertigt sich für Mané-Auswechslung

Sogar für die vorzeitige Auswechslung von Sadio Mané zur Halbzeit machte Klopp den Unparteiischen, der ihm fürs fortwährende Meckern in der zweiten Halbzeit die Gelbe Karte gezeigt hatte, indirekt verantwortlich.
"Ich wollte Mané nicht auswechseln, aber er hatte schon Gelb und ich hatte Angst, dass sein Gegner sich einfach auf den Boden wirft, nur weil er atmete, und er eine zweite Gelbe Karte bekommt", rechtfertigte sich Klopp: "Wir mussten ihn runternehmen."

Sadio Mané sieht Gelb

Fotocredit: Getty Images

Auch das habe "das Spiel ein bisschen entschieden", klagte Klopp anschließend. Verlieren mochte er noch nie und ist er zur Zeit auch nicht gewöhnt. Es war erst die vierte Niederlage im 43. Pflichtspiel 2019/20.

Kein Schuss aufs Atlético-Tor

Entscheidend war jedoch auch, dass Liverpool zwar im Verlaufe der zweiten Halbzeit Druck aufbauen, aber keine klaren Torchancen kreieren konnte. 70 Prozent Ballbesitz führten zwar zu einer optischen Überlegenheit - Atlético-Keeper Jan Oblak musste jedoch keinen einzigen Ball parieren.
"Unser Aufbau war überragend, unser Gegenpressing höchstes Level. Aber wir haben nicht genügend zwingende Aktionen kreiert. Blöd, dass wir uns am Anfang ein Tor eingefangen haben", sagte der LFC-Coach, der aber auch zugeben musste:
Im Strafraum hat Atlético überragend verteidigt.

Klopp richtet Blick auf Anfield

Liverpool fehlte es vor allem an Präzision. Die sonst so starken Außenverteidiger Trent Alexander-Arnold und Andrew Robertson brachten ihre Flanken nicht an, das zur Halbzeit gesprengte Offensivtrio bestehend aus Mohamed Salah, Roberto Firmino und Mané gewannen kaum Zweikämpfe. Auch die eingewechselten Divock Origi und Alex Oxlade-Chamberlain blieben blass.
Was sich an der Anfield Road ohne Frage ändern muss, will Klopp als Liverpool-Coach in K.o.-Spielen mit Hin- und Rückspiel weiter unbesiegt bleiben. "Wir haben nicht verloren, wir haben bloß Halbzeit", richtete der 52-Jährige den Blick auch schon nach vorne auf den 11. März: "Jetzt haben wir eine sehr lange Halbzeitpause, um uns vorzubereiten."
"Wir hatten sehr viel Ballbesitz, konnten uns aber leider keine großen Chancen erarbeiten. Aber wir haben noch 90 Minuten Zeit, um das klar zu stellen", sagte auch van Dijk, "und wir sind immer noch voller Zuversicht."
Man müsse einfach an "unsere Stärken glauben und das werden wir", fügte der Niederländer an. Oder wie es Klopp formulierte:
In Anfield wird es anders aussehen.
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