Kevin de Bruyne möchte mit Manchester City Champions League gewinnen

Kevin De Bruyne ist ein absoluter Ausnahmekönner am Ball. Der belgische Nationalspieler glänzt bei Manchester City weniger mit Worten als mit seinen Leistungen auf dem Platz. De Bruyne ist im besten Fußballalter und bereit für einen ganz großen Titel. Bei den Skyblues muss er den fast zwangsläufig in diesem Jahr holen. Sonst könnte an dem 28-Jährigen ein Makel kleben bleiben.

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Es läuft die 82. Spielminute im Estadio Santiago Bernabéu. Kevin De Bruyne bewegt sich in den Zwischenräumen, fordert den Ball und bekommt ihn. Der Belgier spielt auf seinen Mitspieler Raheem Sterling, der in den Strafraum zieht und gefoult wird. Elfmeter – und der ist Chefsache.
De Bruyne schnappt sich den Ball, schaut einmal kurz hoch und verlädt gekonnt Nationalmannschaftskollege Thibaut Courtois im Kasten von Real Madrid. Der Ball schlägt links unten ein. Manchester City dreht dank de Bruyne einen 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung.
"Wir hatten in letzter Zeit einige Probleme mit Elfmetern (fünf der letzten sieben Strafstöße hatte City verschossen, Anm. d. Red.). Ich habe die Verantwortung übernommen und ihn reingemacht", sagte De Bruyne nach dem City-Sieg bei "Sky Sports". Verantwortung ist das Stichwort. Der 28-Jährige trug erstmals in dieser Saison in der Königsklasse die Kapitänsbinde, spielte wie ein Leader und schoss nebenbei sein 50. Pflichtspieltor für die Citizens.
Schon den Ausgleichstreffer von Gabriel Jesus (78.) legte der belgische Zauberfuß vor. Und auch sonst spielte der Rotschopf überragend. Und das nicht nur im Auswärtsspiel bei Real Madrid, sondern bereits in der gesamten Saison.

De Bruyne mit überragender Saison

Die Zahlen drücken nur annährend aus, was De Bruyne in dieser Spielzeit leistet. In wettbewerbsübergreifend 34 Pflichtspielen kommt der Mittelfeldakteur auf neun Tore und 20 Torvorlagen. Allein 17 Treffer bereitete er in der Liga vor. ManCity-Trainer Pep Guordiola schwärmt von seinem Schützling:
Den Rekord für die meisten Assists in einer Premier-League-Saison hält Thierry Henry mit 20 Vorlagen. Er wackelt, denn noch hat der Belgier elf Spiele Zeit. Seine Bälle in die Schnittstellen sind meistens perfekt getimt. Die flinken City-Angreifer wie Jesus, Sterling, Riyad Mahrez oder Sergio Agüero bekommen den Ball in der Regel mundgerecht serviert. "Wenn so ein Typ spielt, kann immer alles passieren. Es ist eine Freude, mit ihm zu spielen", meinte Teamkollege Phil Foden.
Mit 28 Jahren ist De Bruyne nicht nur im besten Fußballeralter, sondern auch in der Form seines Lebens. Für Guardiola und die Skyblues ist er der absolute Schlüsselspieler. "Egal ob mit oder ohne Ball. Er hat alles", lobt der Startrainer, der De Bruyne bereits 2016 als einen der zwei besten Fußballer der Welt adelte:

Startschuss in Bremen, Durchbruch in Wolfsburg

Dabei wurde De Bruyne einige Jahre zuvor von einem anderen Starcoach verschmäht. José Mourinho setzte beim FC Chelsea nicht auf dessen Dienste. Vom KRC Genk kam der damals 20-jährige Belgier nach London, erhielt aber unter Mourinho im Starensemble der Blues kaum Einsatzzeiten.
Zur Saison 2012/13 wurde er zu Werder Bremen verliehen und bewahrte die Norddeutschen mit zehn Toren und neun Vorlagen vor dem Abstieg. Jürgen Klopp und der BVB wollten den Belgier verpflichten, doch Mourinho legte sein Veto ein – nur um ihn erneut auf der Ersatzbank schmoren zu lassen.
Anfang 2014 hatte De Bruyne genug und floh zum VfL Wolfsburg. Auf Anhieb wurde er zum Starspieler unter Dieter Hecking und lieferte überragende Statistiken. Seine 21 Torvorlagen aus der Saison 2014/15 sind bis heute Bundesligarekord. Die Zeit in Wolfsburg krönte er mit dem Gewinn des DFB-Pokals, im Finale gegen Klopps BVB (3:1).
"Kevin ist ein Ausnahmefußballer und zu einem Weltklassespieler gereift. Er hat nicht nur eine sportliche, sondern darüber hinaus auch eine überragende menschliche Qualität", erklärte Hecking 2015 über den zurückhaltenden Belgier.
Das erkannte auch Manchester City, schnappte zu und zahlte 76 Millionen Euro Ablöse. Auch der FC Bayern soll damals Interesse am Mittelfeldspieler gehabt haben. 2016 kam Guardiola vom FCB zu den Skyblues und nahm sich De Bruyne zu Seite, wie dieser in "The Players Tribune" berichtete:
Guardiola erklärte ihm allerdings auch, dass er dafür noch mehr Tore schießen müsse. De Bruyne nahm sich die Worte des Katalanen zu herzen, denn es "hat meine ganze Mentalität geändert. Ich fand das genial, weil ich wollte, dass er Recht behält."

Champions-League-Titel fehlt De Bruyne

Seine Qualität ist mittlerweile unumstritten. Für Jamie Carragher ist De Bruyne längst "auf seiner Position der beste Spieler der Welt", wie die Liverpool-Legende bei "Sky Sports" sagte. Zudem sind in seiner Titelsammlung neben dem Pokalgewinn mit Wolfsburg auch bereits zwei Premier-League-Trophäen und ein FA-Cup-Erfolg mit Manchester City zu finden. Doch der ganz große Titel fehlt De Bruyne noch. Ein Makel.
Mit der Nationalmannschaft erreichte er sowohl bei der WM 2018 als auch der EM 2016 jeweils das Viertelfinale. In der Champions-League war bislang das Halbfinale das höchste der Gefühle. 2015/16 scheitere City dort an Real. In diesem Jahr sollen die Königlichen nur eine Zwischenhürde auf dem Weg zum ganz großen Wurf darstellen. De Bruyne sagte dazu dem "Socrates":
Die Titelverteidigung in der Premier League haben die Skyblues dieses Jahr aber bereits abgehakt, da der FC Liverpool eine unfassbare Saison hinlegt. Im FA Cup ist ManCity noch im Rennen, im League Cup stehen sie im Finale (am Sonntag, 17:30 Uhr) und sind der große Favorit gegen Aston Villa. Aber das alles ist nur Randprogramm, denn De Bruyne hat besonders den Henkelpott fest im Visier.
Es könnte für De Bruyne und Manchester City 2020 bereits die letzte Chance sein. Denn sollte die zweijährige Sperre für die Königsklasse durch den CAS bestätigt werden, ist die Zukunft für den Belgier bei den Skyblues ungewiss. Der Belgier hat noch Vertrag bis 2023, doch wäre er wohl ohne Aussichten auf den europäischen Wettbewerb kaum bereit bei den Citizens zu bleiben.
In Madrid hat der 28-Jährige aber erstmals dafür gesorgt, dass die Chancen auf einen erstmaligen Titelgewinn in der Königsklasse weiter gutstehen. Dabei überraschte Guardiola und stellte den offensiven Mittelfeldspieler als falsche Neun auf. Doch De Bruyne überzeugte auch auf ungewohnter Position. "Kevin sieht Pässe, die normale Menschen nicht sehen", sagte Guardiola einmal über seinen Star.
De Bruynes Assist auf Jesus bestätigte ihn mal wieder. Mit seinem eigenen Treffer in Madrid bewies der Belgier aber auch, dass er mittlerweile wichtige Tore schießen und Verantwortung übernehmen kann. Guardiola dürfte das mit Freude zur Kenntnis genommen haben, Real eher weniger.
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