Thomas Tuchel führt PSG mit Underdog-Mentälität ins Finale

PSG steht nach einem 3:0-Halbfinalerfolg gegen RB Leipzig zum ersten Mal überhaupt im Finale der Champions League. Vater des Erfolgs ist Thomas Tuchel, der aus einem desorganisierten Haufen in nicht einmal zwei Jahren eine perfekt geölte Maschine gemacht hat. Nach der Meisterschaft, dem Ligapokal und dem Coupe de France winkt nun sogar das Quadruple. Dafür gebührt ihm höchster Respekt.

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So gelöst sieht man Thomas Tuchel selten.
Wenige Minuten stand der erste Finaleinzug von Paris Saint-Germain ins Finale der Champions League fest, da brach sich die Erleichterung des gebürtigen Schwaben im "Sky"-Interview Bahn.
"Ich bin sehr erleichtert. Es ist unbeschreiblich, das zu fühlen", brach es aus Tuchel heraus. "Ich war furchtbar angespannt bis zur Nachspielzeit, dann habe ich es geglaubt, dass es so kommt."
Und dennoch: "Das Halbfinale in der Champions League ist das höchste Niveau. Deshalb gehört die Anspannung mit dazu. Entsprechend groß ist die Freude - auch wenn es grade nicht so aussieht, ich bin k.o."
Aus gutem Grund.

PSG: Mehr als eine Milliarde Transfer-Ausgaben

Denn der Finaleinzug von Lissabon ist für den Traditionsklub von der Seine nicht nur eine riesengroße Befreiung, für das Projekt PSG ist er eine langersehnte und bitter nötige Bestätigung.
Im Jahr 2011 stieg der katarischen Staatsfonds QSI beim französischen Hauptstadtklub ein. Seitdem wurden Transfer-Ausgaben von mehr als einer Milliarde Euro getätigt - Financial Fairplay hin oder her. Die Marschroute war stets klar: Für den Gewinn der Champions League ist kein Preis zu hoch.
Doch weder Carlo Ancelotti (Januar 2012 - Juni 2013), noch Laurent Blanc (Juli 2013 - Juni 2016) und Unai Emery (Juli 2016 - Juni 2018) gelang es, die Vorgaben der neuen Bosse auch nur ansatzweise zu erfüllen. Jedesmal scheiterte das teure Unterfangen kläglich - Jahr für Jahr spätestens im Viertelfinale, in den vergangenen drei Spielzeiten sogar schon im Achtelfinale.
Frust hatte sich breitgemacht, Gerüchte um Abwanderungsgedanken der Aushängeschilder Kylian Mbappé und Neymar, für die PSG zusammen rund 402 Millionen Euro allein an Ablöse zahlte, machten die Runde.
Nun jedoch kehrt ein Stück weit Erleichterung ein.

Thomas Tuchel: Der fünfte deutsche Trainer im CL-Finale

Tuchel ist nach Ottmar Hitzfeld (1997, 1999, 2001), Klaus Toppmöller (2002), Jupp Heynckes (1998, 2012, 2013) und Jürgen Klopp (2013, 2018, 2019) der fünfte deutsche Trainer, der es ins größte europäische Finale schafft. Statistiken, bei denen der 46-Jährige erschrickt.
"Das ist krass", entfährt es dem ehemaligen Trainer von Mainz 05 und Borussia Dortmund der versichert, dass er sich darüber genauso freuen würde, "wenn ich jetzt der zehnte Trainer wäre".
Tuchels Beitrag zum Erfolg, neben seiner offensichtlichen Fähigkeiten als Trainer, ist sein eigener Entwicklungsprozess in der Menschenführung. Ja, er fordert die Ausnahmespieler zum Dienst für das Team auf, aber er findet auch die Balance.

PSG: Unter Tuchel jetzt ein echtes Team

"Man könnte uns unterstellen, wir definieren uns nur über die Einzelqualität – aber das ist eben nicht so", macht Tuchel deutlich und freut sich darüber, dass die Mannschaft in den zwei Jahren, die er nun im Amt ist, "echt zusammengewachsen" sei.
Was Tuchel meint: Das mit Einzelkönnern gespickte Orchester spielt nun im Einklang, keiner der Star-Geiger giert mehr nur nach seinem Solo im Scheinwerferlicht. Das war schonmal anders. Bis zuletzt ließen sich durchaus Misstöne vernehmen. Kompetenzgerangel innerhalb der Truppe hatten das Klima teilweise vergiftet. Heute sind dies Geschichten vergangener Tage.
"Es ist wichtig, dass man die Leute um einen herum schätzt, dann ist es leichter Opfer zu bringen", sagte etwa Mbappé, der verstanden habe, dass es zum Gewinnen auch die anderen brauche und nicht nur ihn und Neymar.

PSG: Drei Titel in 30 Tagen?

Tuchel bestätigt die mittlerweile gute Stimmung unter den Spielern bei "Sky": "Sie unternehmen sehr, sehr viel zusammen, das ist wirklich bemerkenswert." Er habe immer gesagt: "Wir haben die Mentalität einer kleinen Mannschaft, die aber keine kleine Mannschaft ist, sondern große Spieler hat, die schon viel erlebt haben und viel Mentalität haben."
Für den Trainer fühle es sich daher so an, als würde er "einen Underdog trainieren, der sich komplett darüber definiert".
Dass dem nicht so ist, macht ein Blick auf die Kaderliste der Pariser mehr als deutlich. Tuchel trainiert eines der wertvollsten und schillerndsten Teams der Welt und hat am kommenden Sonntag (ab 21:00 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) die Chance, sich für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte verantwortlich zu machen - der ganz nebenbei auch noch das Quadruple und den dritten Titel in 30 Tagen bedeuten würde.
Chapeau!
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