FC Bayern: Alaba-Rechnung geht nicht auf

Hasan Salihamidzic, Sportvorstand beim FC Bayern, spricht vor dem 6:2-Auswärtssieg beim FC Salzburg einerseits vom wirtschaftlichen "Super-GAU", sollte David Alaba den Klub ablösefrei verlassen. Rein sportlich könne der Abgang jedoch ohne Probleme mit vorhandenem Spielermaterial kompensiert werden. Eine Rechnung, die trotzig wirkt und so einfach nicht aufgeht.

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"Wir sind auf dieser Position sehr gut besetzt", entgegnet Hasan Salihamidzic im Interview vor dem 6:2-Auswärtssieg in der Champions League beim FC Salzburg bei "Sky". Der wahrscheinliche Abgang von David Alaba zum Saisonende mache den Sportvorstand des FC Bayern München aus sportlicher Sicht jedenfalls nicht nervös. "David ist noch die ganze Saison da. Zudem haben wir Jérôme Boateng, wir haben Benjamin Pavard, wir haben Niklas Süle und Lucas Hernández. Auch Javi Martínez kann auf dieser Position spielen können. Wir suchen da nichts."
Etwas verwunderlich, verließe mit dem Österreicher doch eine der gewichtigsten Säulen des vergangenen Jahrzehnts den Klub. Ein Spieler, der mit dem deutschen Rekordmeister Titel sammelte wie kaum jemand vor ihm. Neun deutsche Meisterschaften sind Bundesligarekord - neben dem 28-Jährigen holten nur Franck Ribéry und Thomas Müller gleich oft die Schale. Hinzukommen zwei Champions-League- und sechs DFB-Pokal-Siege.
Zudem betonte Salihamidzic im gleichen Interview nur Sekunden vorher, dass es von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet einem "Super-GAU" gleichkäme, würde man "solch einen Spieler ablösefrei" verlieren.
Man muss kein Meister des "Zwischen-den-Zeilen-Lesens" sein, um zu erkennen, dass ein Alaba-Abgang die Münchner Defensivabteilung auch aus sportlicher Hinsicht massiv schwächen würde. Jedenfalls mehr, als "Brazzo" vor den TV-Kameras zugeben wollte.

Der FC Bayern und das Linksfußproblem

Denkt man sich die 1A-Bayern-Abwehr ohne Alaba kurzfristig zusammen, sähe diese wohl wie folgt aus: Pavard, Süle, Hernández, Davies.
Das Problem: Verletzt sich einer der beiden verbliebenen Linksfüße Hernández oder Davies, müsste Flick auf den linken Positionen mit Rechtsfüßen auffüllen. Machbar, aber eben nicht der Optimalzustand.
In der vergangenen Saison hatte der FC Bayern in einigen Spielen Schwierigkeiten mit einer Innenverteidigung, in der beide Spieler den gleichen starken Fuß haben. Beim 4:1-Sieg in Köln beispielsweise spielte Hernández (links) eine Halbzeit lang neben Alaba (rechts) - beides Linksfüßr. Neuer erkannte nach dem Spiel: "Es war nicht leicht mit zwei Innenverteidigern, die über den linken Fuß kommen. Das Aufbauspiel war so nicht einfach, wir mussten viele lange Bälle schlagen und hatten nicht mehr so viel Spielfluss."
Auch Flick ließ in der vergangenen Spielzeit häufig durchblicken, dass er sich eine Kombination aus Links- und Rechtsfuß für seine Innenverteidigung wünscht. Allein aus diesem Grund sollte Bayern im Falle eines Alaba-Abgangs für hochwertigen, linksfüßigen Ersatz sorgen.

Boateng und Martínez als Optionen

Salihamidzic verweist jedoch auf Spieler, die man bereits im Kader hat. Er argumentiert neben den oben genannten auch mit Namen wie Boateng und Martínez. Grundsätzlich hat er recht damit, dass beide die Position des Innenverteidigers herausragend spielen können, die Zukunft dürfte beiden mit mittlerweile 32 Jahren aber nicht mehr gehören. Zumal die Verträge der beiden ebenfalls im Sommer auslaufen.
Seit nunmehr zwei Jahren ranken sich regelmäßig Abwanderungsgerüchte um die beiden hochverdienten Spieler (je acht Meistertitel, zwei Triple). Boateng wurde vom ehemaligen Bayern-Präsident Uli Hoeneß bereits öffentlich nahegelegt, sich einen neuen Verein zu suchen, da er unter Flicks Vorgänger Niko Kovac komplett außen vor war.
Martínez stand im Sommer bereits kurz vor einem Abschied - er habe "ein gewisses Alter", hatte Flick zuletzt immer wieder betont und damit deutlich gemacht, dass er längerfristig nicht mehr mit dem Spanier plant.

Salihamidzics Argumentation wirkt blauäugig

Es wirkt kaum glaubwürdig, fast schon blauäugig von Salihamidzic, Boateng und Martínez in der Diskussion, um eine etwaige Alaba-Nachfolge nun mit diesen Spielern zu argumentieren.
Für die laufende Saison 2020/21 sind Salihamidzics Aussagen sicher kaum angreifbar. Alaba wird noch bis zum Saisonende zur Verfügung stehen, Boateng und Martínez werden auch weiterhin in den meisten Spielen hochwertige Alternativen sein.
Allerdings muss der Rekordmeister der Situation auch klar ins Auge sehen. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass nach der Saison nicht nur Alaba ersetzt werden muss, sondern auch seine Kollegen Boateng und Martínez.
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Quelle: Perform

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