Unmittelbar nach dem Viertelfinal-Aus der Champions League bei PSG (2:3, 1:0) hat Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick zu den Gerüchten um seine Person Stellung genommen.
Seit Wochen wird über einen Abgang des 56-Jährigen zum DFB spekuliert. Dort könnte Flick als Nachfolger von Joachim Löw Bundestrainer werden. Bayern-Vorstandsmitglied Oliver Kahn wolle darüber mit Flick sprechen, hieß es vor der Partie.
Von einer Gesprächseinladung seitens Kahns wollte Flick allerdings bislang noch nichts gehört haben, sagte der Bayern-Trainer bei "Sky". Er habe davon nur gelesen.
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"Bislang gibt es keinen Termin. Wenn Oliver mit mir sprechen möchte, wird er mir das rechtzeitig sagen. Ich habe Zeit. Wenn er Lust hat mit mir zu quatschen, kann er das gerne tun. Ich weiß nicht, was er vorhat oder mich fragen möchte", gab sich Flick betont unwissend.

Für Matthäus ist der Fall klar

Für die Münchner Klublegende Lothar Matthäus ist der Fall hingegen schon vollkommen klar.
Er ist der Meinung, "dass das die letzte Saison des Hansi Flick bei den Bayern ist", sagte der "Sky"-Experte, der mit dem Bayern-Trainer gut befreundet ist. Flick sei "sehr unzufrieden mit der Situation".
Der 60-Jährige führte ebenfalls an, dass - entgegen aller öffentlicher Aussagen - längst Gespräche zwischen DFB-Spitze und ihrem Wunschbundestrainer stattgefunden hätten ("Das Angebot gibt es vom DFB, ja").
Und auch der Rekordmeister beschäftige sich bereits mit einem möglichen Nachfolger.
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Matthäus leaked Bayern-Gespräche mit Nagelsmann

"Bayern München hat sich auch schon mit Julian Nagelsmann unterhalten, auch schon über wirtschaftliche Dinge", sagte Matthäus, der in Sachen Flick noch deutlicher wurde:
"Er hat den Anruf vom DFB bekommen. Beim DFB steht Flick ganz oben auf der Liste und dann lange nichts. Der DFB will Hansi Flick. Das Spiel gegen Augsburg wird sein letztes als Trainer des FC Bayern werden. Der Verein wird ihn vermissen."
Gemeint ist das Heimspiel der Münchner am 34. Spieltag der Bundesliga-Saison.

Julian Nagelsmann (l.) und Hans-Dieter Flick

Fotocredit: Getty Images

FC Bayern: Flick lässt Blick in sein Seelenleben zu

Damit konfrontiert, reagierte der Bayern-Trainer zunächst sarkastisch. "Ja, jetzt gerade habe ich mich entschieden ...", sagte Flick bei "Sky" und machte erneut klar, dass ihn die ständigen Nachfragen zu seiner Person, rund um ein so wichtiges Spiel, stören.
Dann folgte ein langer Monolog. 4:16 Minuten sprach Flick und redete sich damit offenbar einiges von der Seele.
Dass man nach einem bitteren Aus "nicht ganz so locker ist, wie normal, ist auch klar", bekannte er. Darüber hinaus seien die "letzten Wochen schon auch mit Fragen gespickt" gewesen, bei denen es nicht ganz so leicht gewesen sei "sich immer wieder was Neues einfallen zu lassen".
In Sachen DFB habe er jedoch nie etwas zu verkünden gehabt "und das muss man dann auch mal respektieren, wenn ein Trainer sagt, dass er keine Lust mehr hat, über ein Thema zu sprechen", sagte Flick - und tat es dann doch. Andeutungsweise.
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Flick: Miteinander mit Salihamidzic "stabil"

"Klar, ich habe Vertrag bei Bayern München. Das sind Sachen, die so sind", meinte Flick, nur um nachzuschieben, dass er sich immer Gedanken darüber mache, "was passiert und wie es weiter geht. Egal, ob es hier jetzt wunderbar läuft."
Wo geht's hin, wie geht's weiter? Darüber mache er sich "immer Gedanken". Deswegen gehe es für ihn darum, "immer wieder alles zu bewerten und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Da habe ich natürlich auch meine Vorstellungen."
Womit Flick zwischen den Zeilen erneut deutlich machte, dass es ums bayrische Binnenklima zwischen ihm und Hasan Salihamidzic alles andere als gut bestellt ist. Trainer und Sport-Vorstand liegen in wichtigen Fragen - wie der Entscheidungsfindung in Transfersachen - offenbar derart auseinander, dass Matthäus "das Tischtuch" zwischen den beiden in Matthäus-Manier als "nicht mehr zu kitten" beschrieb.
Flick meinte kurz und knapp, das Miteinander mit "Brazzo" sei "stabil. Er hat seinen Job, ich habe meinen Job. Wir haben jetzt noch sechs Spiele in der Bundesliga. Ich muss die Mannschaft darauf vorbereiten. Und ich mache alles so weiter, wie vorher auch." Und sich eben so seine Gedanken.

Bayern-Trainer Hansi Flick (links) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic

Fotocredit: Imago

Ist Flicks Geschichte bei Bayern auserzählt?

Eine Mannschaft und den Verein weiterzuentwickeln, das seien die Dinge, die ihm wichtig seien, betonte der 56-Jährige. Erfolg sei eben ein "stetiger Prozess". Für Flick könnte dieser nach sechs Titeln in seiner Premierensaison auf der Trainerbank des Rekordmeisters schon beendet sein.
Denn schon Mitte April steht fest, mehr als die Meisterschaft ist im ersten Jahr nach dem Sextuple nicht drin. Das ist zwar aller Ehren wert, aber eben auch nicht historisch. Für Flick dürfte beim FC Bayern also keine Steigerung mehr möglich sein. Beim DFB aber schon.
Dort wurde er als Co. von Löw im Jahr 2014 Weltmeister. Als neuer Bundestrainer stünden für ihn ab August mit der Winter-WM in Katar 2022 und der Heim-EM 2024 in kürzester Zeit zwei Turniere auf dem Plan. Zwei Titelchancen mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft.
Eine durchaus lohnende Aufgabe. Das wird auch Flick wissen.
Spannend wurde Flicks Monolog, als er sich gegen Ende auf seine Familie bezog. "Ob ich jetzt dann beim DFB bin und vielleicht einen anderen Rhythmus hätte – das ist für sie vollkommen egal. Entscheidend ist für sie, dass mir der Job Spaß macht", sagte der 56-Jährige: "Deswegen wird sie in allen Dingen, egal, wie meine Entscheidung ausfällt, hinter mir stehen. Das ist ein gutes Gefühl."
Sprach's und machte sich auf den Weg zu seiner Mannschaft. Aus Paris zurück nach München. Es könnte seine letzte Champions-League-Reise als Bayerntrainer gewesen sein.
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