Die Nachricht verbreitete sich am Mittwochvormittag wie ein Lauffeuer. Jamal Musiala hat sich entschieden und spielt, eine Nominierung vorausgesetzt, zukünftig für die deutsche Nationalmannschaft.
Damit erteilte er dem englischen Verband, für den er in den U-Auswahlen (U15, U16, U17 und zuletzt auch U21) insgesamt 23 Mal auf dem Rasen stand, eine Absage.
Zum Leidwesen des englischen Nationaltrainers Gareth Southgate, der sich ebenfalls um den gebürtigen Stuttgarter, der in England aufwuchs, bemüht hatte.
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Für Joachim Löw, sein deutsches Pendant, und vermutlich den gesamten deutschen Fußball, sind es jedoch extrem erfreuliche Nachrichten.

Musiala soll schon im März zum DFB-Team stoßen

"Ich sehe ein riesiges Potenzial in ihm. Für sein Land spielen zu dürfen, muss für jeden Nationalspieler eine Herzensangelegenheit sein", wird Löw in einem ersten Statement zitiert.
DFB-Direktor Oliver Bierhoff zeigte "großen Respekt für diese Entscheidung. Wir haben Jamal die tollen Perspektiven in der deutschen Nationalmannschaft aufgezeigt und sind davon überzeugt, dass er seinen Weg erfolgreich gehen wird", betonte Bierhoff. Es sei "ein gutes Signal für die Zukunft des deutschen Fußballs, wenn sich ein Toptalent wie Jamal Musiala für Deutschland entscheidet".

Jamal Musiala im Dress der englischen U21

Fotocredit: Getty Images

Löw, der in den vergangenen Wochen intensiv um den hoch veranlagten Mittelfeldspieler geworben hat, will Musiala schon für die WM-Qualifikationsspiele Ende März einladen. "In diesem Rahmen werden wir uns gegenseitig besser kennenlernen", so der Bundestrainer.

Jamal Musiala: Gemacht für die große Bühne

Dass Musiala auf großer Bühne performen kann, hatte er nur einen Tag zuvor beim 4:1-Auswärtssieg des FC Bayern bei Lazio Rom eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Obwohl zuletzt etwas in die Kritik geraten und von Flick auf teilweise sogar auf die Tribüne verbannt, durfte er im Stadio Olimpico von Beginn an auf der Müller-Position hinter Stürmer Robert Lewandowski ran - und überzeugte.
Zwar gelang dem 17-Jährigen nicht alles, sein Treffer zum 2:0 aber, der ihn ganz nebenbei zum jüngsten Champions-League-Torschützen der Geschichte für einen deutschen Klub machte, erinnerte einmal mehr daran, welch großes Talent der deutsche Serienmeister in Musiala besitzt.
In der Bundesliga traf der Offensiv-Allrounder in 16 Spielen bereits drei Mal, in der Champions League war es der erste Treffer im vierten Spiel. Als erst zweiter minderjähriger Bayern-Spieler überhaupt stand Musiala in einem K.o.-Spiel in der Startelf. Zuvor konnte das nur David Alaba, der im Jahr 2010 beim 2:3 in Florenz von Louis van Gaal ins Team geworfen wurde, von sich behaupten.

Flick lobt Musiala, Löw reibt sich die Hände

"Wir wollten so einen wie ihn für die Position zwischen den Linien und in den Halbräumen, um dort Überzahlsituationen zu schaffen und Anspielpunkte zu haben", erklärte Flick seine Beweggründe, auf den Youngster zu setzen.
"Wir freuen uns alle, dass er eine gute Leistung gezeigt hat. Sein Tor freut uns - das zeichnet ihn aus, er ist sehr ballsicher und kann gerade zwischen den Linien gut spielen. Er hat auch ein gutes Gespür dafür, in welchen Räumen er sich aufhalten soll. Er hat seine Sache gut gemacht. Wir sind sehr zufrieden."

Jamal Musiala

Fotocredit: Getty Images

Angesichts der steilen Entwicklung Musialas dürfte sich auch der DFB, allen voran Bundestrainer Löw, die Hände reiben.
Denn: Auch bei der EM 2021 wird Müller aller Voraussicht nach nicht im Kader der Nationalmannschaft stehen, mit dem 14 Jahre jüngeren Bayern-Talent aber eventuell sein kongenialer Vertreter.

Musiala könnte Müller-Diskussion beenden

Musiala wäre für die Verantwortlichen des deutschen Fußballbundes zumindest ein weiteres Argument dafür, dem nach der WM 2018 eingeschlagenen Weg zu folgen.
Damals entschied man sich dafür, mit Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels drei absolute Leistungsträger auszusortieren, die heute in ihren Vereinen jedoch seit Monaten wieder auf Topniveau spielen.
Die Mitnahme Musialas könnte die Kritiker, die es auf Bayern-Seite wegen der Degradierung Müllers und Boatengs durchaus gibt, zumindest zu Teilen verstummen lassen. Schließlich würde im Umkehrschluss an der Säbener Straße auch niemand verstehen, wenn das größte Bayern-Talent nicht auch Teil des DFB-Umbruchs wäre.
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