Aufgeben werden sie beim FC Bayern nie. Das gibt allein schon die inoffizielle Vereins-DNA samt des Credos "Mia san mia" vor. Immer an sich und den eigenen Erfolg zu glauben, gehört quasi zur Standardausrüstung einer jeden Bayern-Mannschaft.
Und so überraschte es wohl kaum, dass auch die 2021-Ausgabe nach der ebenso unerwarteten wie seltsam zustande gekommenen Niederlage gegen Paris Saint-Germain nicht klein beigab, sondern - ganz im Gegenteil - auch weiterhin an den Einzug ins Halbfinale der Champions League glaubte.
"Wenn wir dieselben Zutaten mitbringen, dasselbe Mindset, bin ich sicher, dass wir es noch schaffen können", wies Benjamin Pavard bei "RMC Sport" auf die eigentlich gute Leistung des deutschen Rekordmeisters hin.
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"Es ist noch nicht vorbei. Wir haben in einer Woche die Chance, das wieder geradezurücken", merkte auch Torschütze Eric-Maxim Choupo-Moting an.
Hochüberlegen waren die Münchner im eigenen Stadion aufgetreten, hatten 31 Torschüsse angehäuft. Am Ende - und das sind im Fußball dann eben die nackten Zahlen - stand aber eine 2:3-Niederlage gegen Neymar, Kylian Mbappé und Co.. Klarer Vorteil für die Franzosen.

Eric-Maxim Choupo-Moting trifft gegen PSG

Fotocredit: Getty Images

FC Bayern: Müller und Flick beschwören den Teamgeist

Trotzdem, und da haben nicht nur Pavard und Choupo-Moting einen Punkt, gab der Spielverlauf das entstandene Ergebnis eigentlich nicht her. Und daraus sollte der Titelverteidiger Stärke und Motivation ziehen.
Wenn man dieselbe Leistung in Paris auf den Platz bringe, "werden wir die Chancen wiederkriegen, um uns fürs Halbfinale zu qualifizieren. Da müssen wir da sein, und die Dinger machen. Da muss unser voller Fokus drauf liegen", forderte auch Thomas Müller nach der Partie bei "Sky". Der Ur-Bayer hatte für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt.
Nun beschwor er den Mannschaftsgeist: "Alle, die da sind, haben auch das Zeug, in großen Spielen mitzuhalten. Uns zeichnen nicht nur die großen Einzelspieler aus. Wir sind ein sehr geschlossenes Team."
90 Minuten lang habe seine Mannschaft gefightet, sich nie aufgegeben, das sei "großer Pluspunkt", betonte auch Hans-Dieter Flick. Der Trainer war nach dem Spiel ohnehin darauf bedacht, seinen Jungs Mut zuzusprechen.
"Ich verliere nicht gerne, aber so wie wir gespielt haben, war es top", meinte Flick und schob nach: "Wir müssen die Energie so umwandeln, dass wir sie zum Rückspiel voll auf hundert Prozent haben und dieses dann für uns entscheiden."
Zuzutrauen ist ein solcher Turnaround den Bayern natürlich immer. Die Frage ist nur, ob sich die Voraussetzungen bis zur Partie am kommenden Dienstag (ab 21:00 Uhr im Liveticker) grundlegend ändern.

Flick vielsagend über Boateng-Abschied: "Muss schauspielern"

Chancenverwertung nur ein Symptom

Denn die schwache Chancenverwertung schien kein zufällig auftretender Umstand zu sein. Vielmehr wirkte sie wie ein Symptom eines übergeordneten, größeren Problems.
Denn der FC Bayern geht in dieser vorentscheidenden Phase der Saison am Stock.
Über allem schwebt dabei der Ausfall von Weltfußballer Robert Lewandowski, dessen Finisherqualität, Torriecher und Kaltschnäuzigkeit den Münchnern im Strafraum der Pariser von Minute zu Minute mehr zu fehlen schien.
Und so waren - und auch das gehört zur Wahrheit - unter den 31 Torschüssen auch eine Menge klägliche Versuche, PSG-Schlussmann Keylor Navas zu überwinden.

Wer kommt zum Rückspiel zurück?

Zu allem Überfluss verletzten sich schon in der ersten Halbzeit auch noch Niklas Süle und Leon Goretzka. Beide mussten ausgewechselt werden, ihre Ausfallzeit war zunächst nicht abzusehen. Stand jetzt hantiert Flick mit dem (aller-)letzten Aufgebot.
Offensiv hat der Sextuple-Coach nur noch den 18-jährigen Jungnationalspieler Jamal Musiala in der Hinterhand und selbst defensiv lauten die Alternativen nur noch Javi Martínez, Tanguy Nianzou und Bouna Sarr. Marc Roca fällt derzeit aus.
Es wird also viel davon abhängen, ob Serge Gnabry (Corona-Infektion) zum Rückspiel wieder mit von der Partie ist. Und ob bei Lewandowski eine Wunderheilung gelingt.
Davon sollte man aber nicht ausgehen. Genauso wenig wie Comebacks von Douglas Costa (Haarriss im Fuß) oder Corentin Tolisso (Sehnenriss im Oberschenkel) ins Haus stehen.

Kylian Mbappé wurde in München zum "Spieler des Spiels" ernannt

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PSG hat das bekommen, was es wollte

Paris hingegen dürfte zum Rückspiel wieder aus dem etwas Volleren schöpfen können. Ohne Neun war die Mannschaft von Mauricio Pochettino nach München gereist. In fünf Tagen dürfte sich die Ausfallliste verkürzt haben.
Auch wenn in Marquinhos ein neuer Name auf ihr zu finden ist. Der eventuelle Ausfall des Brasilianers könnte Bayern in die Karten spielen, würde er doch die Statik des Spiels der Franzosen bedeutend schwächen.
Aus München aber reiste der Ligue-1-Champion hochzufrieden ab. Auch weil die eigene Kontertaktik phänomenal aufgegangen war. Die beiden Ausnahmestürmer Neymar und Kylian Mbappé dürften auf einen Sieg angewiesenen Bayern in dieser Form auch in Paris Probleme bereiten.
"Unsere Effizienz hat den Ausschlag gegeben. Wir haben fast alle unsere Chancen gemacht. Aber noch ist nichts gewonnen", sagte Mbappé. Es war den PSG-Stars anzumerken, dass man die Niederlage aus dem letztjährigen Finale gern rächen wollte. Das gelang.
Und so spricht vor dem Spiel ums Halbfinale im Prinzenpark nur wenig für den FC Bayern. Das allerdings ist der Zustand, indem der Rekordmeister am gefährlichsten ist.
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