Am Ende kam Thomas Tuchel mit einem riesigen Schrecken davon. Bedanken durfte sich der deutsche Coach dafür am vergangenen Sonntag aber nicht bei einem seiner eigenen Spieler, sondern bei Gareth Bale.
Es war der Waliser, der den FC Chelsea mit zwei späten Toren für Tottenham in Leicester (2.4) auch in der kommenden Saison in die Champions League hievte.
Aus eigener Kraft waren die Blues, die am letzten Premier-League-Spieltag überraschend mit 1:2 bei Aston Villa unterlagen, dazu nicht in der Lage.
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"Wir wollten in die Top vier, wir sind in den Top vier", zeigte sich der deutsche Coach zwar über das Erreichen des wichtigsten Saisonziels erleichtert, doch wirklich freuen konnte sich Tuchel angesichts der wettbewerbsübergreifend dritten Niederlage in den vergangenen vier Spielen nicht.
Der Druck, die Champions League am Samstag (Finale ab 21:00 Uhr im Livticker) aus Qualifikationsgründen unbedingt gewinnen zu müssen, ist nun zwar weg, doch das Momentum vor dem Finale liegt mehr denn je bei Manchester City.
Und das, obwohl die Blues die vergangenen beiden direkten Duelle gegen die Elf von Pep Guardiola hatten gewinnen können.

Chelsea fehlt ein Knipser

"Die Geschichte hat sich ein bisschen geändert. Wir schaffen es aktuell nicht mehr, durchgehend die null zu halten", musste Tuchel nach der Villa-Pleite zugeben und sprach damit das aktuell größte Problem der West-Londoner indirekt an: Die Offensive.
Schwächelt die meist elitäre Defensive (nur 16 Gegentore in 29 Spielen unter Tuchel) einmal, schafft es Chelsea trotz drückender Überlegenheit aktuell nicht, Spiele für sich zu entscheiden.
Das wurde gegen die Villains einmal mehr deutlich. Insgesamt 23 Schüsse gaben die Blues aufs Gehäuse von Emiliano Martinez ab, nur einer zappelte im Netz. Im FA-Cup-Finale gegen Leicester (0:1) waren es 13 Schüsse, zuvor gegen Arsenal (0:1) 19. Jedes Mal machte Chelsea das Spiel, doch im Sechzehner fehlt es der Tuchel-Elf oft an Ideen und Kaltschnäuzigkeit.
Dass der defensive Organisator Jorginho mit sieben Elfmetertoren der beste Liga-Torschütze der Blues ist, spricht Bände.
"Ist es das, was wir wollen? Jorginho als unseren Top-Scorer? Nein. Nicht weil wir ihn nicht mögen, er verdient den größten Respekt. Aber natürlich wollen wir nicht, dass er unser bester Torschütze ist", erklärte Tuchel jüngst, doch in seinem aktuellen Kader scheint er keine Lösung für dieses Problem zu finden. In 29 Spielen, in denen der 47-Jährige nun im Amt ist, gelangen seiner Offensivabteilung gerade einmal 37 Treffer.

Timo Werner

Fotocredit: Getty Images

Werner und Havertz tun sich schwer - Giroud und Abraham außen vor

Timo Werner, der laut eigener Aussagen vor dem Tor aktuell die "unglücklichste Saison" seiner Karriere spielt, und Kai Havertz tun sich trotz Leistungssteigerung unter Tuchel als alleinige Spitze weiter schwer. Nicht nur im Abschluss.
Die beiden Stürmer, die körperlich eher die Anlagen für die Position des Mittelstürmers mitbringen, spielen dagegen unter dem aktuellen Coach fast keine Rolle mehr. Tammy Abraham wurde vom Deutschen im FA-Cup-Finale nicht einmal mehr in den Kader berufen, Olivier Giroud kommt maximal noch als Joker zum Einsatz. Der Vertrag des Franzosen läuft im Sommer aus, eine Verlängerung scheint ausgeschlossen. Auch Abraham wurde zuletzt immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht.
Es ist Tuchel hoch anzurechnen, dass er die Blues trotz dieser Defizite in der Rückrunde noch von Rang neun unter die Top vier geführt hat. Kaum auszudenken, was mit einem richtigen Knipser möglich gewesen wäre.
Im Champions-League-Finale in Porto bleibt dem Coach keine Wahl, als auf sein bestehendes Offensiv-Personal (und einen weiteren Sahne-Tag seiner Abwehr) zu vertrauen. Für die kommende Saison sollte es aber Chelseas oberste Devise sein, auf der Mittelstürmer-Position qualitativ nachzulegen.

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Löst Harry Kane Chelseas Problem?

Robert Lewandowski und Sergio Aguero wurden zuletzt als mögliche Kandidaten genannt. Doch der eine wird den FC Bayern im Sommer kaum verlassen, der andere wird sich dem FC Barcelona anschließen.
Auch einen Abgang von Erling Haaland, an dem Chelsea bereits im vergangenen Januar interessiert gewesen sein soll, schloss BVB-Boss Hans-Joachim Watzke kategorisch aus.
Bleibt Harry Kane. Der 27-Jährige kündigte jüngst an, sich Gedanken über seine Zukunft machen zu wollen. Laut englischen Medienberichten wolle er Tottenham gerne verlassen.
Tuchel musste schmunzeln, als er auf den englischen Top-Stürmer angesprochen wurde. "Wenn Sie einen Coach finden, der nicht gerne mit Harry Kane zusammenarbeiten würde, rufen sie mich an", meinte er vielsagend.
Eine Verpflichtung von Kane (Vertrag bis 2024) dürfte allerdings sehr teuer werden. Zudem hat Chelsea im Werben um den Engländer offenbar große Konkurrenz. Wie am Samstag in Porto werden sich die Blues auch im Poker um den Spurs-Star mit Manchester City messen müssen.
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