Nach dem 1:3 im Hinspiel wollte der FC Liverpool gegen Real Madrid noch die Wende schaffen und dabei Erinnerungen an das furiose 4:0 (nach 0:3 im Hinspiel) gegen den FC Barcelona im Champions-League-Halbfinale vor zwei Jahren wecken.
Und die Reds drückten auch von Beginn an auf das Gaspedal. Schon nach zwei Minuten hatte Mohamed Salah die Liverpooler Führung auf dem Fuß. Nach einem langen Ball von Ozan Kabak und dem Querpass von Sadio Mané tauchte der Ägypter frei vor Thibaut Courtois auf, schloss aber zu zentral ab, sodass der Real-Keeper mit dem Fuß noch abwehren konnte (2.).
Die Hausherren schnürten Real in den ersten Minuten förmlich in der eigenen Hälfte ein und erarbeiteten sich einige hohe Ballgewinne. James Milner zwang Courtois mit einem Schlenzer zu einer weiteren Glanztat (11.).
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Mit zunehmender Spieldauer fanden die Königlichen aber ihre Passsicherheit und umspielten so immer wieder das Liverpooler Pressing. Die beste Chance für die Gäste entstand dennoch aus einer Einzelaktion. Karim Benzema zog nach einem Ballgewinn in Richtung des Tores und behauptete sich gegen zwei Verteidiger. Den versuchten Querpass des Franzosen fälschte Kabak dann so ab, dass er an den linken Pfosten klatschte (21.).
Abgesehen davon waren sich die Madrilenen bewusst, dass sie mit dem Hinspiel-Vorsprung nicht das letzte Risiko eingehen mussten und nahmen deswegen immer wieder das Tempo aus dem Spiel. Die Reds ließen sie dabei aber nicht gewähren und schalteten nochmal vor der Pause einen Gang hoch.
Doch zuerst fehlte Mané ein Schritt zum Ball (38.), dann schossen Salah (41.) und Georginio Wijnaldum (43.) aus guter Position über das Tor.
Auch nach der Pause machten die Hausherren da weiter, wo sie aufgehört hatten. Roberto Firmino drehte sich gut um Eder Militao und schoss aus halbrechter Position ab, Courtois war aber einmal mehr zur Stelle (46.). Real schaffte es aber in der Folge, den Ansturm erstmal wieder abzuwehren und Liverpool weitestgehend vom eigenen Tor fernzuhalten.
Die Engländer erhöhten mit einem Doppelwechsel und der Umstellung auf einer Dreierkette nach einer Stunde noch einmal das Risiko. Jedoch fehlte den Reds weiterhin das Glück beim Abschluss – Salah (68.) und Diogo Jota (70.) brachten den innerhalb des Strafraums nicht im Tor unter.
Stattdessen hatte Real sogar die Chance auf den Führungstreffer. Nach einer Ecke für die Gäste rückte Liverpools Abwehr zu schnell nach vorne. Eder Militao brachte den Ball aber erneut in die Mitte, wo Benzema freistehend einen Kopfballaufsetzer über das Tor setzte (81.).
Dem Premier-League-Sechsten fehlten zum Ende der Partie die Ideen und so brachte Real den Vorsprung aus dem Hinspiel nach Hause. Damit stehen die Königlichen im Halbfinale, wo Thomas Tuchels FC Chelsea wartet.

Die Stimmen:

Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Man braucht immer die Schlüsselmomente. Das Spiel heute war an sich gut. Wir haben das Duell nicht heute verloren, sondern definitiv in Madrid. Aber selbst wenn wir dort 0:0 gespielt hätten, würden wir jetzt vermutlich immer noch spielen, weil wir nicht getroffen haben. Es war ungemütlich für Madrid. Wir waren gut und aggressiv und hatten offensichtlich viele Chancen am Anfang. Ich weiß, es ist hypothetisch, aber wenn wir eine davon genutzt hätten, hätte das einiges für uns eröffnet. Aber wir haben nicht getroffen und so wurde es immer schwerer für uns. Und dann kam die Erfahrung von Real Madrid. Sie haben es gut runtergespielt."
James Milner (FC Liverpool): "Die Leistung war gut. Der Wille war da. Wir haben gut gepresst. Wir hatten mehr als genug Chancen, um das Spiel zu entscheiden. Aber wir haben sie nicht genutzt und das hat heute leider den Unterschied ausgemacht."
Casemiro (Real Madrid): "Wir wussten, dass wir den Vorsprung aus dem Hinspiel hatte, aber wir haben trotzdem auf Sieg gespielt. Liverpool hat mit viel Intensität gespielt. Sie haben ein großartiges Team und einen großartigen Trainer, aber wir haben hart gearbeitet. Wir haben uns nicht auf den Lorbeeren ausgeruht und das hat es letztendlich entschieden. Es ist so schwer, hier zu spielen. Aber der Einsatz der Spieler war fantastisch. Heute hatte jeder seinen Anteil."

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Das fiel auf: Chancenverwertung bricht Liverpool das Genick

Zu besten Zeiten lieferte Liverpools Sturm in den vergangenen Jahren offensiv wahre Feuerwerke ab. In dieser gerade national eher enttäuschenden Spielzeit hakt es vor dem gegnerischen Tor allerdings zu häufig. In der Premier League stellen die Reds "nur" die viertbeste Offensive mit derzeit 53 geschossenen Toren (1,7 Tore pro Spiel). Letztes Jahr waren es am Saisonende noch 85 Treffer (2,2 pro Spiel). Und auch in diesem Spiel gelang es Liverpool nicht, den Ball im Tor unterzubringen. Dabei waren die Chancen dazu durchaus da. Doch fast alle Offensivleute auf Seiten der Reds ließen gute Gelegenheiten vor dem gegnerischen Kasten liegen. Es fehlt das Selbstverständnis, das den amtierenden englischen Meister letztes Jahr noch auszeichnete.

Der Tweet zum Spiel:

Um dem Liverpooler Ansturm gerecht zu werden, brauchte es bei Real eine abgebrühte Schaltzentrale. Mehr Erfahrung als in der Kombination von Modric, Kroos und Casemiro lässt sich nur schwer finden.

Die Statistik: 20

Ganze 20 Torschüsse reichten an diesem Abend nicht für ein Tor. Das wird vor allem den FC Liverpool ärgern, der 14 dieser Versuche sein Eigen nennen durfte, es aber nicht schaffte, einen davon über die Linie zu bringen.
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