Auf der Pressekonferenz vor dem Achtelfinal-Hinspiel im römischen Stadio Olimpico hatte Bayern-Trainer Hansi Flick von "Urvertrauen" in seine Mannschaft gesprochen, wenn es auf internationaler Ebene um die Wurst geht. Er wurde nicht enttäuscht.
Der FC Bayern und die Champions League, oder: die Leichtigkeit des Seins. So oder so ähnlich könnte man den fast makellosen Auftritt des deutschen Rekordmeisters, der mehr oder weniger im Vorbeigehen mit 4:1 (3:0) bei Lazio Rom gewann, umschreiben.
Dass die Laziali aktuell nicht zu den absoluten Schwergewichten im europäischen Fußball zählt und nur drei ihrer letzten 18 Spiele in der Königsklasse gewinnen konnten, gehört zwar auch zur Wahrheit dazu.
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Darüber hinwegtäuschen, dass die Bayern im Flutlicht der Königsklasse in beängstigender Regelmäßigkeit zur Schwarzen Bestie mutieren, kann jener Fakt aber nicht.

Flick rundum zufrieden: "Eine sehr gute Leistung"

"Champions League ist was Besonderes. Wir wollten von Anfang an hellwach sein. Jeder Einzelne war bereit und hat den Willen gehabt, Besonderes zu leisten. Deswegen war der Sieg auch in dieser Höhe mehr als verdient", erklärte Flick nach der Partie und fügte an:
"Nach den Spielen gegen Bielefeld und Frankfurt hatte die Mannschaft den Willen, hier von Anfang an für klare Verhältnisse zu sorgen. Wir wollten den Gegner zu Fehlern zwingen und den Ball gewinnen. Wir haben die Chancen gut ausgenutzt. Das war eine sehr gute Leistung."
Eine Leistung, mit der man rechnen konnte, wenn man die Münchner Auftritte auf größter europäischer Bühne in den vergangenen Monaten und Jahren verfolgt hat.

Jamal Musial mit Hansi Flick - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Der von einer Corona-Erkrankung wiedergenesene Leon Goretzka, der nach einer Halbzeit in Frankfurt (1:2) in Rom sein Startelf-Comeback gab, war ebenfalls hoch zufrieden: "Wir haben es geschafft, diesen Matchday-Modus aus dem vergangenen Jahr auf den Platz zu bringen und von Anfang an Vollgas zu geben", freute sich der 26-Jährige und lobte das aggressive Spiel und den Zugriff, den seine Mannschaft von Anfang an auf den Gegner hatte und zu vielen hohen Ballgewinnen führte.
"Das hat uns in der Vergangenheit schon stark gemacht. Wir haben uns vor dem Spiel vorgenommen, dass wir dahin zurückkommen müssen. Das war heute ein erster guter Schritt in die Richtung."

Statistiken zeigen: Bayern ist der Chef in Europa

Im 18. Spiel in Folge sind die Bayern nun ungeschlagen in der Königsklasse, 17 dieser Spiele wurden gewonnen. Einziger "Ausrutscher", wenn man denn unbedingt diesen Ausdruck verwenden möchte, war nur das 1:1 bei Atlético Madrid in der Gruppenphase der laufenden Spielzeit. Es fehlt nur noch ein Spiel bis zum Vereinsrekord (19 Spiele 2001 bis 2002).
Zudem ist der Torhunger der Schwarzen Bestie (La Bestia Negra, Spitzname des FC Bayern in Spanien, Anm. d. Red.) vor allem in K.o.-Duellen kaum zu stellen. Zum 14. Mal trifft der deutsche Rekordmeister mindestens vierfach in einem K.o.-Runden-Spiel in der Champions League. Keinem anderen Klub gelang das öfter.
Zur Einordnung:
  • FC Barcelona: 11 Mal
  • Real Madrid 9 Mal
  • FC Liverpool: 7 Mal
Unter Flick scheinen die Bayern zudem noch einmal etwas an Galligkeit vor dem gegnerischen Tor zugelegt zu haben. 23 Tore erzielten die Bayern in ihren sechs CL-K.o.-Runden-Spielen unter dem 55-Jährigen. Wem das noch nicht als Beweis reicht, der schaue sich folgende Tabelle an.
Champions-League-Tore seit Amtsantritt Flick:
KlubTore
FC Bayern München52
Paris Saint-Germain33
FC Barcelona28
Atalanta Bergamo25
FC Chelsea24
Real Madrid24
Manchester City24

FC Bayern: Schon auf Viertelfinale gepolt

Es ist wohl allein dem Respekt vor dem Gegner geschuldet, dass Flick in Bezug auf das eigentlich schon gebuchte Viertelfinale auf das Rückspiel verweist. Man sei der Runde der letzten Acht zwar "einen Riesenschritt nähergekommen, aber wir haben noch ein Spiel zu spielen", so Flick im Hinblick auf den 17. März, wenn Lazio zu Gast in der Münchner Allianz Arena sein wird.

Der FC Bayern München schlägt Lazio Rom

Fotocredit: Getty Images

Die Chancen, dass die Römer den Spieß dann noch einmal umdrehen können und hoch in München gewinnen, dürften bei den Buchmachern dann gegen Null tendieren. Für die Bayern dürfte es im Rückspiel also vor allem darum gehen, kräfteschonend und unbeschadet in die Runde der letzten Acht einzuziehen.
Und vielleicht auch darum, erneut die Muskeln spielen zu lassen und Europa ein weiteres Mal sein Schreckensgesicht zu zeigen.
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