Kai Havertz hat den Taktik-Giganten Thomas Tuchel in der "Drachenhöhle" von Porto ans Ziel aller Träume geführt. Im aufregenden englischen Finale schoss der teuerste deutsche Fußballer den FC Chelsea mit seinem ersten Champions-League-Tor zum 1:0 (1:0)-Triumph über die Wahnsinnself von Manchester City und Pep Guardiola, der es trotz hunderter Millionen Euro Investitionen auch im fünften City-Jahr nicht auf den Thron schaffte.
Auch Ilkay Gündogan ging leer aus - Tuchel und Havertz hingegen feierten an der Seite von Timo Werner und Antonio Rüdiger einen spektakulären Außenseitersieg, den zweiten der Blues nach dem fürchterlichen K.o.-Schlag für Bayern München im Endspiel 2012.
Der 80-Millionen-Mann Havertz umspielte in der 43. Minute City-Torhüter Ederson und schob lässig ein. Tuchel, im Vorjahr noch Finalverlierer mit Paris St. Germain, flippte beinahe aus vor Freude.
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Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Das war Tuchels Meisterstück!

Respekt, Thomas Tuchel! Das Finale gegen ManCity hat genau das gezeigt, was Tuchel initiiert hat. Nur mit einem funktionierenden Team ist es möglich, gegen City zu Null zu spielen. "Es war sauschwer, wir haben auch Glück gebraucht, aber wir haben es auch gefühlt. Wir sind der Stein im Schuh von City", erklärte Tuchel bei "Sky".
Der FC Chelsea unter Tuchel präsentierte sich einmal mehr als kompakte Einheit. Erst recht nach dem Führungstor. Immer wieder fiel auf, wie Tuchel an der Seitenlinie "brannte". Wiederholt feuerte er die mitgereisten Fans mit emotionalen Gesten an und feierte den Sieg schließlich ausgelassen. Der Anpeitscher.
Zum Siegerpodium eilte er dann so euphorisch und schnell, dass er sogar über die erste Stufe stolperte. Doch das war nur ein Schönheitsfehler, der Abend, die letzten vier Monate, waren sein Meisterstück.

FC Chelsea | Thomas Tuchel

Fotocredit: Getty Images

Das Feuerwerk, das der ehemalige Bundesliga-Trainer an der Stamford Bridge entfacht hat, ist einfach nur beeindruckend. Er hatte im Januar eine planlose Mannschaft von Frank Lampard übernommen, er gab ihnen mit seiner Expertise sofort das, was sie brauchte: Mehr Stabilität in der Defensive, eine Philosophie und nicht zuletzt Freude an der Arbeit.
Tuchel schloss niemanden aus, richtete sowohl den anfangs formschwachen Antonio Rüdiger als auch die "Problemfälle" Timo Werner und Kai Havertz wieder auf, als sie der harte Wind, der in England nun mal weht, umzuwerfen drohte. Sie alle zahlen es mit Leistung zurück.
"Wir haben gelitten. Wir waren bereit, zu leiden. Wir hatten diese eine Chance und wir haben sie genutzt. Thomas Tuchel hat einen großen Anteil am Titel. Ich kann nur von mir sprechen: Ich war am Boden, aber Leute, die am Boden liegen, darf man nicht unterschätzen. Danke an den Trainer!", sagte Rüdiger. Tuchel ist damit endgültig in die Phalanx der weltbesten Trainer aufgestiegen.

2. Peps skurriler Taktik-Plan geht daneben

Pep Guardiola ist zweifelsohne ein Fußball-Genie, er durchdenkt diesen Sport in jedem Winkel. Gegen Chelsea schien er sich allerdings selbst ausgecoacht zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass er mit gleich sechs (!) Offensiv-Leuten und ohne ballsichernden, defensiven Mittelfeldspieler begann? So hatte Pep noch nie spielen lassen. Experimente also in einem Finale?
Auf der Suche nach dem Besonderen, dem spielentscheidenden Unterschied, hat er sich damit komplett verrannt. Seine Sechserkette im Angriff legte zwar furios los und es war erkennbar, was Guardiola wollte, nämlich ziemlich schnell viele Tore erzielen. "Sie sind mit mehr Selbstvertrauen gestartet", wusste auch Tuchel. Doch City zerschellte schon nach der Anfangsphase an der blauen Wand von Chelsea. Auch, weil Werner, Havertz und Mason Mount hinten mitaushalfen.
Am Ende standen lediglich zwei Torschüsse zu Buche. Das 1:0 von Kai Havertz entblößte die Schwäche in Guardiolas System endgültig. Mit drei Kontakten überwanden die Blues das komplette Spielfeld, Timo Werner machte mit seinem Weg clever den Weg für den Torschützen frei und der Torschütze stand frei vor City-Keeper Ederson.
Kein Fernandinho, kein Rodri konnten sie aufhalten – die Spieler, die normalerweise die Lücken stopfen, saßen auf der Bank. Insbesondere Rodri war eine Säule in dieser Saison, in der City souverän Meister in der Premier League wurde.

Pep Guardiola

Fotocredit: Eurosport

"City hatte immer wieder Probleme, unsere Läufe in der Tiefe zu verteidigen", analysierte Chelsea-Angreifer Werner treffend. Guardiola selbst hielt sich sachlich-bedeckt, verteidigte aber seine Auswahl und blickte schon wieder nach vorne: "Ich habe die beste Aufstellung gewählt. Wir haben es aber nicht geschafft, die Linien zu durchbrechen, wurden zu oft geblockt. Es war trotzdem eine herausragende Saison und ein Traum, im Finale sein zu dürfen. Wir hoffen, dass wir zurückkommen."

3. Blaues Wunder für De Bruyne

Der Belgier war die tragische Figur an diesem Abend - sein stark angeschwollenes Auge, das er nach einem Zusammenstoß mit Rüdiger davontrug, symptomatisch für das "blaue" Wunder, das City gegen Chelsea erlebte. De Bruyne war bislang in überragender Form.

Pep Guardiola tröstet Kevin De Bruyne

Fotocredit: Getty Images

Der Kapitän, der in der Bundesliga für Werder Bremen und den VfL Wolfsburg spielte, ging mit seiner Entschlossenheit Richtung Tor stets voran. An ihm richteten sich seine Kollegen auf und wenn es darauf ankam, schoss er selbst wichtige Tore.
Am Samstag lief das Spiel komplett an ihm vorbei: Kein Torschuss, verletzungsbedingte Auswechslung in der 60. Minute unter Tränen. De Bruyne war ausgehebelt und ausgeknockt. Auch das war ein Sinnbild des Abends für City.
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