Die knapp 2400 anwesenden Zuschauer sollten eine furiose und nahezu historische Anfangsphase bei bestem Fußballwetter geboten bekommen. Bereits nach drei Minuten zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz – und zwar in dem der Hausherren. Ondrej Duda hatte von links scharf in die Mitte geflankt, wo Jonas Hector die Hereingabe perfekt traf und per Kopf aus acht Metern im oberen rechten Eck platzierte (3.).
Die Kieler standen allerdings nicht lange unter Schock. Im Gegenteil: Jae-sung Lee glich nur 60 Sekunden nach dem Rückstand für die Störche aus, nachdem Timo Horn einen Schuss von Finn Porath nur klatschen lassen konnte. Der Südkoreaner stand richtig und nickte den Abpraller aus wenigen Metern über Horn hinweg zum Ausgleich ins leere Tor (4.).
Damit aber noch nicht genug. Es ging weiter Schlag auf Schlag: Nach einem Ballgewinn von Duda in der Kieler Hälfte hatte Florian Kainz Platz zum Flanken und fand Stoßstürmer Sebastian Andersson im Zentrum, der seine Fähigkeiten unter Beweis stellte und aus wenigen Metern gegen die Laufrichtung von Ioannis Gelios zur erneuten Führung einköpfte (6.).
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29/05/2021 AM 13:46
Über die linke Seite der Kölner ging fast alles. Schnell hatten die Gäste den Schwachpunkt in Kiels Hintermannschaft ausgemacht und legten den Finger weiter in die Wunde. In der 13. Spielminute war es wieder Kainz, der Andersson im Zentrum mit einer hohen Hereingabe bediente. Diesmal war Gelios zwar noch am Kopfball vom Schweden dran, doch die Kugel sprang von der Hüfte von Fabian Reese – der mit auf der Linie stand – zum 3:1 für den FC ins Tor (13.).
Nach dieser sensationellen Anfangsviertelstunde beruhigte sich die Partie etwas, beide Teams stellten sich besser aufeinander ein. Folge: Weitere große Chancen blieben vorerst aus. Stattdessen wurde es ruppiger. Sebatsiaan Bornauw (28.) und Jannes Horn (45.) holten sich für Fouls Gelb ab, Porath (32.) sah wegen Ballwegschlagens ebenfalls den Karton.
Den Schlusspunkt unter eine furiose erste Hälfte setzte aber wieder der Gast aus der Domstadt – und nahm Kiel somit die letzte Hoffnung auf den ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte. Einen langen Ball in die Box servierte Hector per Kopf perfekt für Köln-Verteidiger und Ex-Kieler Rafael Czichos, der das Spielgerät per Direktabnahme aus 14 Metern in die obere rechte Ecke schweißte (39.). Das 4:1 war gleichzeitig der Halbzeitstand.
Wer nach dem Seitenwechsel ein Aufbäumen der Gastgeber erwartete, wurde bitter enttäuscht. Es spielten nur die Gäste. Kiel-Schlussmann Gelios avancierte, nachdem er in Durchgang eins kaum einen Schuss halten konnte, mit seinen Paraden zum besten Mann aufseiten der Hausherren.
In der 52. Minute hielt er erst gegen Kainz und anschließend gegen Duda. Eine Minute später köpfte Andersson aus fünf Metern freistehend neben das Tor (53.). Zwei Minuten nach dieser Aktion verpasste Kainz mit einem gefühlvollen Schlenzer das 5:1 (55.).
Der FC drückte, Kiel war hoffnungslos unterlegen. Gelios wurde beinahe im Minutentakt gefordert und lenkte sowohl Anderssons Schuss gegen den Querbalken (61.) als auch Max Meyers Versuch gegen den Außenpfosten (78.). Zudem behielt er im Eins-gegen-Eins mit Dominick Drexler die Oberhand (79.).
Kurz vor Schluss war der Torwart gegen Ellyes Skhiris trockenen Rechtsschuss aus 13 Metern dann aber doch noch mal machtlos (84.). So setzte Köln den Schlusspunkt und feierte durch ein ungefährdetes 5:1 in Kiel den hochverdienten Klassenerhalt.

Die Stimmen zum Spiel:

Jonas Hector (1. FC Köln): "Immer wenn wir mit dem Rücken zur Wand standen, haben wir in dieser Saison Spiele wie heute abgeliefert. Wir haben immer dran geglaubt und als Mannschaft zusammengestanden. Die Mannschaft war nie unterzukriegen, das muss man uns hoch anrechnen. Wir wissen, was der FC für die Stadt Köln bedeutet und das wollten wir heute zurückgeben."
Fin Bartels (Holstein Kiel): "Wir haben 5:1 verloren und hätten sogar noch höher verlieren können. Da braucht man nicht viel analysieren. Wir haben einiges falsch gemacht. Ich glaube, wir wollten einfach zu viel, es war zu wild. Es war von Anfang an nicht das, was wir wollten. Am Anfang war jeder Schuss der Kölner drin, dann wird es natürlich schwer. Auch wenn es eine wahnsinnige Saison für uns war, überwiegt nach drei gescheiterten Aufstiegen die Enttäuschung."
Ole Werner (Trainer Holstein Kiel): "Wir können stolz auf die Saison sein, aber dennoch waren wir heute chancenlos unterlegen. Nach dem schnellen Ausgleich haben wir es nicht geschafft, das Ergebnis stabil zu halten. Vielleicht war es ein Wunder zu viel, das wir heute hätten verbringen müssen.Wir sind auf der letzten Rille gefahren. Wir haben kaum entscheidende Zweikämpfe für uns entscheiden können, aber ich kann keinem meiner Jungs einen Vorwurf machen. Sie haben Außergewöhnliches geleistet, aber natürlich sind wir enttäuscht."

Der Tweet zum Spiel:

Die ersten 15 Minuten hatten es in sich und bestraften jeden, der zu spät kam. In der 16. Spielminute fiel bereits der vierte Treffer.

Das fiel auf: Funkels Justierungen greifen

Die Kölner wirkten von Beginn an präsenter, frischer und bissiger. Dies lag auch an den Umstellungen Friedhelm Funkels im Vergleich zum Hinspiel, die schnell Früchte tragen sollten: Kainz und Andersson waren in die Startelf gerückt und dankten dies mit vier Scorerpunkten in einer Viertelstunde. Auch die Umstellung von Hector zurück auf die Sechs machte sich bezahlt: Der Kölner Kapitän traf einmal und legte Czichos das 4:1 auf.
So war es kein Zufall, dass alle drei Treffer in der Anfangsviertelstunde über die linke Seite eingeleitet wurden, wo Kainz ein echter Aktivposten war, den die Kieler nie in den Griff bekamen. Im Zentrum hatte Andersson über das gesamte Spiel die Lufthoheit und hätte sogar noch weitere Treffer erzielen können.
Den Kielern fehlte es dagegen – bis auf das Tor in der dritten Minute – an Zug in der Offensive, wofür die Störche in der Liga gefürchtet waren. Auch nach der Pause beschäftigte der Erstligist die Störche direkt mit Defensiv-Aufgaben, sodass die Kieler nicht in die Nähe des Kölner Strafraums vordringen konnten. Ein schnelles 2:4 war somit vom Tisch. Allein KSV-Schlussmann Gelios verhinderte eine höhere Niederlage.
Die Kieler mussten dem Mammut-Programm von elf Spielen in den letzten 35 Tagen letztendlich Tribut zollen und sich chancenlos geschlagen geben. In zwölf Jahren ging somit zum neunten Mal der Erstligist als Sieger der Relegation vom Platz.

Die Statistik: 16

Furios! Nach gerade einmal 16 Minuten waren bereits vier Treffer gefallen – allesamt per Kopf. Drei der vier Tore erzielte der 1. FC Köln, welcher somit früh den Weg zum Klassenerhalt ebnete und den siebten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte verhinderte.
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