Julian Nagelsmann kann das Unverständnis nachvollziehen. Dass von vielen in Deutschland hinterfragt werde, warum Fußball-Klubs für ihre Spiele quer durch Europa reisen, sei verständlich.
"Ich habe oft betont, dass wir im Fußball sehr glücklich sind, in diesen Zeiten unseren Job ausüben zu können, und dass jede Branche glücklich ist, wenn es in ihrem Bereich vorangeht", meinte der RB-Trainer im Vorfeld des Königsklassen-Duells gegen den FC Liverpool (Dienstag, 21:00 Uhr im Liveticker) im "Kicker".
"Und ich kann natürlich nachvollziehen, dass es für Menschen beispielsweise im Einzelhandel, die ihren Job nicht ausüben und kein Geld verdienen können, hart ist und dann teilweise missmutige Stimmung aufkommt", ergänzte Nagelsmann.
Bundesliga
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Das Match der Leipziger wurde in die Budapester Puskas Arena verlegt. Für die Einreise nach Ungarn erhielten die Sportler dabei sogar eine Ausnahmegenehmigung. Denn in das osteuropäische Land dürfen bis Anfang März eigentlich nur Personen einreisen, die in Ungarn zum permanenten Aufenthalt berechtigt sind.

Deutsche Politiker kritisieren Spielverlegungen

Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner von Anfang Februar lag nach offiziellen Angaben mit 91,53 im europäischen Mittelfeld. Zum Vergleich: Deutschland wies in der ersten Februarwoche, ebenfalls laut "ecdc" (European Centre for Disease Prevention and Control), eine Inzidenz von knapp 80 auf. Die Spielverlegung traf dennoch bei einigen deutschen Politikern einen Nerv.
"Es wäre ein stärkeres Signal gewesen, wenn man gesagt hätte, dass dieses Spiel verschoben wird, das fällt aus. Das ist auch mal verzichtbar an dieser Stelle. Der Wettbewerb darf da nicht an erster Stelle stehen", meinte unter anderem SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bei "ntv". Möglicherweise verliere der Fußball langsam den Bezug zur Realität. "Die Mannschaften jetten durch Europa. Ich glaube, das ist kein gutes Signal", so der Politiker.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meinte im Gespräch mit "Sport1": "Es ist ein verzerrter Wettbewerb, der zur Pandemiemüdigkeit beiträgt, weil er die Glaubwürdigkeit unserer Regeln infrage stellt."
Auch Vorstandsmitglied Helen Breit vom Fan-Bündnis "Unsere Kurve" hat die Europapokal-Reisen inmitten der Corona-Pandemie harsch kritisiert. "Ich erlebe das wie eine Ignoranz gegenüber allem, was sonst in der Welt passiert", sagte die Vorsitzende der Organisation im Interview mit dem "BR":
Man hat das Gefühl, der Profifußball lebt da in einer anderen Welt.
Verschiebungen müssten aber von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) genehmigt werden. Damit ist vorerst nicht zu rechnen. Vielmehr wären die Partien laut UEFA-Statuten mit 0:3 gegen die Heimmannschaften gewertet worden, hätte sich kein alternativer Spielort ergeben. Etwas, das sich wohl die meisten Vereine weder finanziell noch sportlich in der aktuellen Lage leisten können.
Die Sachsen befinden sich mit ihrer Spielverlegung ohnehin in bester Gesellschaft: Gleich fünf Europapokalpartien müssen in dieser Woche verschoben werden. Ebenfalls nicht am gewohnten Ort muss Molde FK, Zwischenrunden-Gegner der TSG Hoffenheim, in der Europa League antreten. Statt in Norwegen trifft sich die TSG am Donnerstag (21:00 Uhr im Liveticker) rund 2600 km südlicher mit den "Gastgebern" im spanischen Villarreal.
Das Auswärtige Amt rät allerdings auch für Spanien "von nicht notwendigen, touristischen Reisen" ab. Anfang Februar wies das südeuropäische Land eine 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner von über 350 auf (Quelle: ecdc).
Gut zwei Stunden zuvor empfängt Villarreals Ligakonkurrent Real Sociedad San Sebastian den englischen Topklub Manchester United - allerdings im Stadion von Juventus Turin in Italien (7-Tages-Inzidenz 1.-7. Februar: 138,68).
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Auch BVB-Spiel möglicherweise betroffen

Insgesamt wurden zum Start der Europapokal-Endrunde acht Partien aufgrund der jeweiligen nationalen Coronaschutz-Verordnungen und der Bestimmungen der UEFA geographisch ausgelagert. Alle englischen Klubs erhielten wegen der aufkommenden Coronavirus-Mutation in Großbritannien keine Einreise-Erlaubnis vom jeweiligen Gastgeber-Land.
Auch das Rückspiel der Leipziger (5. März), das eigentlich in Anfield geplant ist, könnte den geltenden Gesetzen zum Opfer fallen. Denn nach Einreise in ein Hochrisikogebiet, zu dem Großbritannien aktuell zählt, müssten die Leipziger nach der Rückkehr laut sächsischer Corona-Verordnung für 14 Tage in Quarantäne. Die Liverpooler sollen daher nach Informationen von "Spox" bereits nach einem Ausweichort suchen. Die Kosten für die Verlegung (rund 300.000 Euro) müsste offenbar Leipzig tragen.
Möglicherweise könnte auch das Achtelfinalrückspiel des BVB gegen den FC Sevilla am 9. März in Dortmund auf der Kippe stehen. Laut einem Bericht der "ARD-Sportschau" sollen bald auch Einreisen aus Spanien mit wenigen Ausnahmen verboten werden. Das Hinspiel in Sevilla (17. Februar) ist aber trotz der hohen Inzidenzen weiter in Spanien geplant.
In den kommenden Wochen und Monaten dürften sich daher weitere Diskussionen entspinnen, inwieweit Reisen von Fußballklubs inmitten einer Pandemie notwendig oder angebracht sind.
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(mit SID)

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