Als eine Gruppe "junger, hungriger Hunde" hatte Jürgen Klopp den Gegner aus Leipzig vor dem Spiel bezeichnet, doch es war der FC Liverpool, der im Achtelfinal-Hinspiel zubiss.
Mit dem 2:0-Sieg in der Puskas Arena in Budapest, das aufgrund der Corona-Pandemie als Ausweichspielort herhalten musste, beendeten die Reds nicht nur die Negativserie von drei Liga-Niederlagen in Folge, sondern brachten sich auch fürs Rückspiel in eine glänzende Ausgangsposition.
"Die meisten haben wahrscheinlich gedacht, wir wären schlechter. Aber wir waren es nicht. Mir hat das Spiel sehr gut gefallen, weil es taktisch sehr anspruchsvoll war", lobte Klopp nach Abpfiff bei "DAZN".
Champions League
Liverpool nutzt Fehler eiskalt: Leipzig schlägt sich selbst
16/02/2021 AM 21:52
Auch Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann zeigte sich trotz des Ergebnisses zufrieden. Dabei wäre für seine Mannschaft so viel mehr drin gewesen.
Drei DInge, die uns auffielen.

1. Nagelsmanns Masterplan geht nicht auf

Dass sich RB am Dienstagabend etwas vorgenommen hatte, wurde bereits beim Blick auf den Spielberichtsbogen deutlich. Ohne gelernten Stürmer, dafür mit viel Variabilität und Kreativität in der Offensive wollte Leipzig den englischen Meister knacken. Ein bisschen erinnerte das an Manchester City, die die Reds vor anderthalb Wochen mit einer ähnlichen Taktik mit 4:1 düpiert hatten.
Damals hatte Alisson Becker das Spiel für Liverpool mit zwei dicken Fehlern verloren. Diesmal war es jedoch die Klopp-Elf, die von zwei individuellen Patzern profitierte.
Nordi Mukiele, den Nagelsmann extra wegen seines enormen Tempos wieder zurück in die Innenverteidigung beordert hatte, verschätzte sich in der 58. Minute bei einem langen Ball und lud somit Sadio Mané ein. Fünf Minuten zuvor hatte bereits Macel Sabitzer dem lauernden Mohamed Salah mit einem katastrophalen Rückpass die Führung aufgelegt (53.).
Es waren nicht die einzigen beiden Situationen, in denen Leipzigs Dreierkette wackelte. "Wir wollten kurz spielen und lange Bälle einstreuen, weil es in der Art und Weise, wie sie es verteidigt haben, sehr riskant war", erklärte Klopp im Anschluss seinen Matchplan. Der ging auf.
Nagelsmann wurde dagegen in der Offensive für seinen mutigen Ansatz nicht belohnt. "Natürlich haben wir zwei krasse Fehler gemacht, die auf dem Niveau, aber auch auf anderem Niveau bestraft werden", analysierte der 33-Jährige: "Aber ich finde es viel schlimmer, dass wir unsere Chancen nicht verwertet haben. Wir laufen sogar einmal mehr als Liverpool alleine auf den Torwart zu, schießen aber jedes Mal vorbei."
Tatsächlich brachte Leipzig gerade einmal zwei seiner zwölf Schüsse auf den Kasten von Alisson. Die Spanier Angeliño und Dani Olmo (zusammen sechs Abschlüsse) verzogen gleich mehrfach aus guter Position. Olmo traf unter anderem in der 5. Minute den Pfosten.
Nagelsmann hatte seine Elf gut eingestellt, doch Kleinigkeiten gepaart mit individuellen Aussetzern machten Leipzig den Matchplan und damit womöglich den Einzug in die Runde der letzten acht zunichte.

Yussuf Poulsen von RB Leipzig

Fotocredit: Getty Images

2. Merkwürdiger Abend für Thiago

Es war nicht der Abend des Thiago Alcántara. Schon wieder nicht, muss man fast sagen. Der 29-Jährige, dessen Ballsicherheit und tödliche Pässe beim FC Bayern vermisst werden, kommt beim FC Liverpool einfach nicht richtig in Fahrt. Zumindest nicht so, wie die Fußballwelt das eigentlich vom Ballzauberer gewohnt ist.
Hatte der Spanier in München noch ein Dauer-Abo auf eine dreistellige Anzahl an Ballkontakten pro Partie, waren es gegen Leipzig gerade einmal 53 (17 weniger als Keeper Alisson). Gerade offensiv ging das Spiel phasenweise an Thiago vorbei, was auch an Liverpools Spielstil lag.
Die Reds waren am gefährlichsten, wenn sie das Mittelfeld mit langen Bällen komplett überspielten oder die schnellen Spitzen nach Ballgewinnen direkt in Szene setzten. Für Thiagos gewohntes Aufbauspiel war da überhaupt kein Platz.
Immerhin konnte sich der Spanier defensiv auszeichnen. Neben 75 Prozent gewonnener Zweikämpfe, rettete er in der 63. Minute in höchster Not gegen den einschussbereiten Olmo.
In der 72. Minute nahm Klopp den Spanier nach einem merkwürdigen Thiago-Abend vom Feld.

3. Henderson als Fels in der Brandung

Insgesamt sieben Gegentore hatte der LFC in den vergangenen beiden Liga-Duellen gegen Manchester City (1:4) und Leicester City (1:3) kassiert. Die ersatzgeschwächte Defensive war als Epizentrum von Liverpools Talfahrt ausgemacht worden. Wer sich diese Kritik offenbar besonders zu Herzen genommen hat, ist Kapitän Jordan Henderson.
Der 30-Jährige stach gegen Leipzig sowohl sportlich als auch als emotionaler Anführer auf dem Platz heraus. "Leipzig kann ein richtiges Monster sein, aber heute haben wir sie exzellent im Griff gehabt", lobte Klopp seine Defensivabteilung.
Henderson, der eigentlich im Mittelfeld zuhause ist, aber schon seit Wochen aufgrund der Verletzungen von Virgil Van Dijk, Joe Gomez und Joel Matip in der Innenverteidigung aushelfen muss, hatte die meisten Ballkontakte (96) und spielte die meisten Pässe (90) aller Spieler auf dem Feld. Zwar hatte der Engländer in Laufduellen ein ums andere Mal das Nachsehen (46./90.+3), konnte aber meist noch entscheidend stören.
Dazu impfte er seiner Mannschaft lautstark wieder das Selbstvertrauen ein, das sie in den vergangenen Partien so sehr hatte vermissen lassen. Besonders Ozan Kabak, der am Wochenende in seinem ersten Pflichtspiel für die Reds einen Gegentreffer verschuldet hatte, kam Hendersons Führung auf dem Platz zugute.
Insgesamt ein blitzsauberer Auftritt des Kapitäns.
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