Ole Gunnar Solskjaer brachte es aus Sicht von Manchester United gut auf den Punkt.

"Wenn du zu Null spielst, bedeutet das, dass jeder in der Mannschaft gut gearbeitet hat", sagte der Trainer der Red Devils nach dem 5:0-Kantersieg über RB Leipzig in der Champions League.

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Wenn du dagegen fünf Gegentreffer kassierst und damit die höchste Niederlage der eigenen, zugegeben noch jungen Europacup-Historie, gilt vermutlich eher das Gegenteil.

Leipzig hatte im Old Trafford zwar über 90 Minuten leicht mehr Ballbesitz (53 Prozent) und gewann auch mehr Zweikämpfe (52 Prozent) – allerdings nicht die entscheidenden.

VAR-Entscheidung sorgt für Diskussionen

0:1 zur Pause durch Mason Greenwoods überlegtem Abschluss (21.) nach Ballverlust von Dani Olmo und einer vermeintlichen Abseitsposition war dem Spielverlauf angemessen.

"Ich habe gehört, dass die Linie sehr krumm und es wohl Abseits gewesen sein soll. Wenn es so war, dann sollte es bei den technischen Möglichkeiten nicht passieren, sondern valide sein - und nicht mal so und mal so", monierte Nagelsmann, sah die Schuld aber auch bei seinen Mannen: "Für mich als Trainer ist entscheidend, dass wir den Stürmer besser begleiten müssen. Das kann man besser verteidigen."

Leipzig spielte sonst gefällig, kreierte aber kaum Chancen.

Forsberg fordert mehr Flanken

"Wir sind gut ins Spiel reingekommen, haben sie gut unter Druck gesetzt, der Spielaufbau war auch gut. Aber wir waren nicht gefährlich", kritisierte Emil Forsberg bei "DAZN": "Wir haben sie in der Box nicht genügend unter Druck gesetzt. Wir müssen mehr flanken und im letzten Drittel bessere Lösungen finden."

United dagegen arbeitete gut gegen den Ball und lauerte auf schnelle Umschaltsituationen. "Fred muss heute jeden Zentimeter Rasen bearbeitet haben", freute sich Solskjaer exemplarisch für den Fleiß seines Mittelfeldspielers.

Dennoch hätte sich ManUtd nicht beschweren können, hätte Ibrahima Konaté nach 65 Minuten zum 1:1 eingeköpft (David de Gea parierte klasse).

RB Leipzig fällt in sich zusammen

So allerdings kam es, wie es wohl kommen musste: Solskjaer brachte mit Marcus Rashford (63.) und Bruno Fernandes (68.) seine überragenden Offensivkönner, die kurz darauf per Konter das Spiel für United entschieden.

Beim 2:0 (74.) musste der VAR zwar noch überprüfen, ob Rashford bei Fernandes' genialem Pass aus der eigenen Hälfte gestartet war, die Abseitsregel also nicht griff – und dem war auch so.

Marcus Rashford trifft zum 2:0 - Manchester United vs. RB Leipzig

Fotocredit: Getty Images

Was folgte war der Leipziger Zusammenbruch. "Wir sind gut aus der Pause herausgekommen, aber nach dem 0:2 haben wir das Verteidigen eingestellt", kritisierte Nagelsmann. "Nach dem 0:2 fallen wir zusammen. Das darf nicht passieren", meinte auch Forsberg, der die letzten 20 Minuten kaum glauben konnte: "Es ist schwer, Worte zu finden."

Rashford glänzt mit Hattrick

Vor dem 0:3 (Rashford, 78.) ließ sich der eingewechselte Marcel Sabitzer den Ball abluchsen, vor dem 0:4 fällte Sabitzer Anthony Martial elfmeterreif im Strafraum, als dieser schon frei vor dem Tor stand. Martial verwandelte selbst (87.). Den Schlusspunkt setzte abermals Rashford, dem damit als Joker binnen 16 Minuten ein Hattrick gelang. Der 22-Jährige nahm dafür den Spielball mit nach Hause.

"Der Trainer hat gesagt, ich soll rausgehen und die Intensität erhöhen. Es gab viele Räume für uns und die habe ich genutzt, um Leipzig wehzutun", sagte Rashford, der den Grund für ManUniteds klaren Sieg vor allem im decodierten Leipziger Pressing sah: "Normalerweise pressen sie gut, aber wir haben das ganz gut umspielen können."

Dass die Gastgeber zu Beginn überraschend mit einer Raute aufgelaufen waren und so immer wieder Überzahlsituationen im Mittelfeld herstellen konnten, hatte Nagelsmann allerdings schnell korrigiert, in dem er von 3-5-2 auf 4-2-3-1 umstellte.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass sie nach der Umstellung in der ersten Halbzeit noch einmal bei uns in der Hälfte waren", sagte der 33-Jährige. Doch nach vorne bleib Leipzig, das nur zweimal aufs Tor von de Gea schoss, wirkungslos. "Unser Spielvortrag im letzten Drittel war einfach nicht gut. Da waren wir sehr unsauber, hatten viele Ballverluste."

Julian Nagelsmann - Manchester United vs. RB Leipzig

Fotocredit: Getty Images

Mehr Gegentore in einem Spiel als in sieben zuvor

Dass RB sich am Ende komplett aufgab, wurmte Nagelsmann aber am meisten. "Die 15 Minuten waren definitiv die schlechtesten seit langem. Wir haben nicht mehr verteidigt."

Das sei auch "der einzige Vorwurf, den ich der Mannschaft mache: 0:5 ist eine Packung, 0:2 wäre eine normale Niederlage gewesen. Da haben wir ein bisschen Lehrgeld bezahlt."

So fühle sich das Ergebnis schlicht "nicht gut an", weil es laut dem RB-Trainer deutlicher ausgefallen war, "als es das Spiel hergibt".

Manchester United schlägt RB Leipzig 5:0 in der Champions League

Fotocredit: Getty Images

Unterm Strich hat Leipzig damit im achten Saisonspiel die erste Niederlage kassiert und dabei mehr Tore gefangen, als in den sieben Spielen zuvor (3).

0:5 verlor Leipzig im Profifußball außerdem noch nie – bis Mittwochabend.

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