"Totgeburt", "gescheiterte Super-Flucht", "Sieg für die Fans", "besiegte Gier", "Super Lächerlichkeit": Die internationalen Medien hatten die Super League schon mit dem Rückzug der sechs englischen Klubs beerdigt. Nach dem Ausscheiden von Atletico Madrid, Inter Mailand und AC Mailand verflog dann auch unter den kühnsten Verfechtern der Glaube an eine kurzfristige Perspektive des Projekts der Superreichen. Die Abtrünnigen mussten ihre weltweit verspottete Niederlage eingestehen.
Selbst Juventus Turin als Verein von Hauptinitiator Andrea Agnelli räumte ein, dass es "nur begrenzte Chancen" gebe, die Super League "in der ursprünglich angedachten Form zu realisieren". Prinzipiell - und das ist bemerkenswert angesichts des krachenden Scheiterns - sei man aber "nach wie vor von der Solidität der sportlichen, kommerziellen und rechtlichen Voraussetzungen des Projekts überzeugt", hieß es in der Stellungnahme. Und doch dürfte Juve gemeinsam mit den anderen Revolutionären bei der UEFA zu Kreuze kriechen.
Deren Präsident Aleksander Ceferin wird sich die Hände reiben, großmütig hieß er die Rückkehrer sogleich willkommen. "Sie sind jetzt wieder dabei und ich weiß, dass sie nicht nur für unsere Wettbewerbe, sondern für das gesamte europäische Spiel viel zu bieten haben", sagte der 53-Jährige.
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Die UEFA Champions League wird also das unumstrittene Eliteprodukt im europäischen Fußball bleiben. Auch, weil sie trotz ihrer ebenfalls kommerzorientierten Reform öffentlich als das geringere Übel angesehen wird. "Das Wichtigste ist jetzt, dass wir weitermachen, die Einheit wiederherstellen, die das Spiel vorher genossen hat, und gemeinsam vorwärts gehen", betonte Ceferin. Er finde es "bewundernswert, einen Fehler zuzugeben, und diese Klubs haben einen großen Fehler gemacht."

Super League: Druck auf die Spieler

Ihren Fauxpas räumten diese aber nicht so ganz freiwillig ein, dem Ganzen ging ein orkanartiger Proteststurm voraus. Auch von der UEFA und ihren nationalen Mitgliedsverbänden selbst. Die drohten den teilnehmenden Vereinen und Spielern nämlich mit Ausschluss für ihre Wettbewerbe. Die Spieler hätten sich so beispielsweise zwischen der Teilnahme an Welt- und Europameisterschaften oder der Super League entscheiden müssen.
Nicht minder zum Scheitern beigetragen hat der enorme Aufschrei in Fankreisen. Vor allem in England und Deutschland machten die Anhänger gegen die Pläne der mitunter als "dreckiges Dutzend" angesehenen Gründer Alarm.

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Das krachende Aus des Elitegebarens sei einerseits "ein Erfolg, aber andererseits auch nicht, weil wir ja sehr viel mehr kritisieren", sagte Helen Breit, Vorsitzende des Fanbündnisses "Unsere Kurve", dem "SID". Auch die "neue" Königsklasse sehen die Anhänger nämlich kritisch - als eine Art "Super League light".
Die Reform der Champions League sei "Beleg der Tendenz, die zu einer immer größeren finanziellen Differenzierung zwischen den großen und etwas schwächeren Vereinen führt", mäkelte Sig Zelt, Sprecher des Fan- und Ultragruppen-Bündnisses ProFans.

Medien feiern "Sieg für die Fans"

Die "neue" Königsklasse sieht unter anderem mehr Mannschaften, eine Vorrunde nach dem Schweizer Modell und zwei Startplätze auf Basis vergangener Erfolge vor. Aus Sicht von Breit müsste diese Reform "komplett zurückgenommen werden".
International wird die "Totgeburt" ("Sport") der Super League indessen "als Sieg für die Fans" ("Sun") gefeiert, die zurückziehenden Vereine krochen zu Kreuze. "Wir haben einen Fehler gemacht, und wir entschuldigen uns", schrieb der FC Arsenal. Auch Liverpool-Besitzer John W. Henry bat die Anhänger um Verzeihung, ManUnited-Chef Joel Glazer räumte ein, "auf der Suche nach einer stabileren Basis für den Sport nicht genügend Respekt vor seinen tief verwurzelten Traditionen gezeigt" zu haben. "Es ist einfach völlig absurd, dass man da jetzt überrascht ist, dass das der Fanbasis überall nicht gefällt", kritisierte Breit.
Medial bekamen die zwölf Superreichen nach der "Super-Lächerlichkeit" ("Marca") ordentlich ihr Fett weg. "Die Gier wurde besiegt", titelte beispielsweise die "Daily Mail". Der Fußball "der Eliten hat keine Zukunft", schrieb "Corriere della Sera". Der "Mirror" sieht gar "neue Hoffnung für den Fußball". Wie lange diese Hoffnung anhält, wird sich zeigen.
(SID)
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