Der Torjäger traf in gewohnter Manier, seine Mitspieler sprühten vor Spielfreude, vom Publikum gab es wiederholt Szenenapplaus: Angeführt von Doppelpacker Robert Lewandowski hat der FC Bayern in der Champions League mit einem glanzvollen Auftritt erneut ein Zeichen gesetzt. Zwei Wochen nach dem 3:0 beim FC Barcelona überzeugte der Rekordmeister beim 5:0 (2:0) gegen Dynamo Kiew, es war der neunte Pflichtspielsieg in Serie.
Nachdem Lewandowski wegen seines Torlos-Auftritts am Freitag zuvor in Fürth (3:1) noch Frust geschoben hatte, lief die Tormaschine diesmal wieder wie geschmiert. Erst traf der Weltfußballer nach Videobeweis per Handelfmeter (12.), wenig später auf Vorlage von Thomas Müller (27.). Der dritte Treffer gelang Serge Gnabry (68.), der vierte dem starken Leroy Sané (74), Eric Maxim Choupo-Moting (87.) setzte den Schlusspunkt.
Drei Dinge, die bei Bayern gegen Kiew auffielen.
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Wieder vier! Souveräner Bayern-Sieg gegen Hoffenheim
VOR 4 STUNDEN

1. Bayern sendet wichtiges Signal

Es mag nach einem Spaziergang für den FC Bayern in der Allianz Arena ausgesehen haben, doch dahinter steckt viel Arbeit, Konzentration und Disziplin. Dynamo Kiew war am Mittwochabend zwar mindestens eine Klasse schlechter als der deutsche Rekordmeister, doch das ist der FC Sheriff Tiraspol im Vergleich zu Real Madrid auch und hat am Dienstag trotzdem sensationell gewonnen. Die Münchner ließen im Gegensatz dazu nie einen Zweifel daran aufkommen, wer als Sieger vom Platz geht.
Strukturell hervorragend eingestellt von Trainer Julian Nagelsmann, durchschauten der FCB den Gegner, der sich sehr tief stellte und vor allem das Zentrum verdichten wollte, sofort. Mit präzisen Verlagerungen wurde permanent Druck aufgebaut, die Treffer von Lewandowski waren nur eine logische Folge. Es waren übrigens die Tore Nummer 76 und 77 im 98. Spiel in der "Königsklasse" für den Polen. Zur Halbzeit hätte der FCB noch höher führen können.

Robert Lewandowski

Fotocredit: Getty Images

"Es waren viele Dinge gut. Auch bei drei, vier Toren Vorsprung, haben wir nicht nachgelassen. Das war wichtig, dass wir zu null gespielt haben", analysierte Leon Goretzka. Auch nach dem Seitenwechsel blieben die Bayern "scharf" und aufmerksam - Serge Gnabry, Leroy Sané und Eric-Maxim Choupo-Moting legten nach.
"In den Phasen, in denen das Spiel hätte kippen können, haben wir noch einen Gang höher geschaltet", lobte Nagelsmann. Das wichtige Signal an die europäische Konkurrenz: Auch gegen "schwache" Teams muss man erstmal so dominieren. Bayern wirkt zu diesem Zeitpunkt der CL-Saison sehr stabil und unterstreicht damit die Ambitionen auf den Henkelpott.

2. Süle und Sané sammeln weiter Pluspunkte

Das Ziel vieler Trainer ist es, Spieler, von denen sie überzeugt sind, besser zu machen. Nagelsmann hat sich in dieser Saison den "Sorgenkindern" Niklas Süle und Leroy Sané angenommen und sie wieder in die Erfolgsspur zurückgebracht. Süle ist unbestritten echter Stammspieler, Sané bekam das Vertrauen ebenfalls.
Beide lieferten gegen Kiew eine starke Partie ab und sammelten damit weiter Pluspunkte. Es waren die Kleinigkeiten, die gefielen. Süles cleveres Stellungsspiel als quasi dritter Sechser zur Kontersicherung und sein Ballgewinn vor dem 2:0 ermöglichte erst das Tor von Lewandowski. Die Entstehung trug auch die Handschrift von Nagelsmann. War ein Gegentor unter Hansi Flick in der vergangenen Saison beinahe schon obligatorisch, ist es dem neuen Coach gelungen, mit ein paar minimalen Verbesserungen, die Defensive entscheidend zu festigen.

Leroy Sané vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Robust präsentierte sich auch Sané. Ein Pfostenschuss in der ersten Halbzeit, die Vorlage zum 3:0 durch Gnabry und sein sehenswertes, eigenes Tor zum 4:0 verbuchte er. Da war aber auch noch mehr: Er traute sich viel zu, scheute selbst Duelle gegen mehrere Gegenspieler nicht und war oft nur durch ein Foul zu stoppen.
"Man tut gut daran, ihn einfach machen zu lassen. Er ist ein herausragender Spieler mit einem guten Charakter. Das hat er gezeigt", bemerkte Nagelsmann. Bei einem Solo ließ er gleich sechs Gegner stehen. Das Tor - ob gewollt oder nicht - wird ihm weiter Auftrieb geben. "Nein, das war keine Absicht. Da habe ich Glück gehabt, dass meine Technik nicht so gut war", scherzte Sané bei "DAZN" und fügte an: "Ich arbeite immer hart an mir. Ich wusste, dass viel Druck da ist, aber ich versuche ruhig zu bleiben und Leistung zu zeigen."
Die Chancen stehen jetzt gut, dass Sané unter Nagelsmann doch noch so richtig durchstartet beim FC Bayern. "Man sieht, wie viel in ihm steckt. Er braucht das Vertrauen, das Julian ihm schenkt", stellte TV-Experte Ralf Rangnick fest.

3. Die Teamchemie stimmt

"Good vibes only" beim FC Bayern - der Kader des FC Bayern wirkt total homogen. Der Kern der Mannschaft mit Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Goretzka, Thomas Müller und Lewandowski ist Weltklasse und strahlt das auf die gesamte Mannschaft aus. An ihnen richtet sich der Rest auf. Sie stützen, geben den Takt vor und sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Gier auf Titel und Tore nach wie vor ungebändigt erscheint. Gnabry blüht auf, Sané wird stärker, Hernández passt sich an - Talente wie Musiala bekommen Raum und Zuspruch.
Bei Auswechslungen wird nicht gemosert, sondern gepusht, die Einwechselspieler - gegen Kiew waren es Musiala, Bouna Sarr, Benjamin Pavard, Marcel Sabitzer und Choupo-Moting - brennen sofort.

FC Bayern - Dynamo Kiew

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So sehr es Rangnick als Co-Kommentator zunächst versuchte, er hatte in der ersten Halbzeit den Bayern einen "Energiesparmodus" unterstellt, es findet sich aktuell einfach kein Haar in der Suppe. Es ist schlicht und einfach Fußball-Feinkost. Obwohl: Einen "Kritikpunkt" hatte Goretzka dann doch noch: "You have to score, bro!", rief er Musiala scherzhaft-vorwurfsvoll zu. Er hatte in der Schlussphase eine gute Chance zum 6:0 knapp vergeben.
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