Die Situation von Julian Brandt bei Borussia Dortmund: Mit positiven Gedanken einfach Fußball spielen
VonThomas Gaber
Publiziert 18/10/2021 um 21:56 GMT+2 Uhr
Julian Brandt hat zwei schwierige Jahre bei Borussia Dortmnund hinter sich und musste sich auch in dieser Saison nach mehreren gesundheitlichen Rückschlägen wieder rankämpfen. Zuletzt konnte der hochbegabte Mittelfeldspieler jedoch mit guten Leistungen von Beginn an auch Trainer Marco Rose überzeugen. War das nur ein laues Lüftchen oder steckt da (endlich) mehr dahinter?
Julian Brandt (M.) wechselte 2019 von Bayer Leverkusen zu Borussia Dortmund
Fotocredit: Getty Images
Am Ende wurde es doch noch einmal wild.
Borussia Dortmund hatte Mainz 05 nahezu die gesamte Spielzeit über im Griff, fing sich aber in der 87. Minute den Anschlusstreffer ein und musste plötzlich um die drei Punkte zittern. Erling Haalands zweiter Streich an diesem Nachmittag in der Schlussminute machte dann jedoch die Mainzer Hoffnungen auf einen Teilerfolg beim BVB zunichte.
Julian Brandt saß zu diesem Zeitpunkt auf der Dortmunder Bank, wie so oft in letzter Zeit. Doch diesmal gab es einen entscheidenden Unterschied: Brandt durfte 78 Minuten lang mitwirken, ehe er durch Marius Wolf ersetzt wurde. Zum dritten Mal in der noch jungen Bundesligasaison stand Brandt in der Startelf des BVB, nach dem Augsburg-Spiel zum zweiten Mal in Folge. Zwar gelang ihm nicht erneut ein Treffer wie gegen den FCA, seine derzeit gute Form konnte der 25-Jährige aber bestätigen.
Brandt unternimmt den x-ten Anlauf, beim BVB durchzustarten. Seit er im Sommer 2019 für 25 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Schwarz-Gelb kam, hat er seine hinlänglich bekannten herausragenden Fähigkeiten viel zu selten gezeigt. Brandt galt seinerzeit als einer der jungen, aufstrebenden Spieler, die perfekt geeignet sind für den großen Durchbruch - in der Bundesliga bei einem großen Klub und in der Nationalmannschaft.
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Julian Brandt will die Vergangenheit ad acta legen
Sein Können blitzte immer mal wieder auf, doch nachhaltig konnte er in Dortmund noch nie überzeugen. Sein letztes Länderspiel für Deutschland datiert vom November 2020. "Sicherlich waren die letzten beiden Jahre sehr turbulent, mit guten Phasen und auch mit einer schlechten Saison letztes Jahr", sagte Brandt am Tag vor dem Auswärtsspiel des BVB in der Champions League bei Ajax Amsterdam (Dienstag ab 21:00 im Liveticker).
Mit der Vergangenheit will sich Brandt aber nicht länger beschäftigen. "Das ist ad acta gelegt. Ich habe für mich entschieden, darüber nicht mehr viel zu reden, weil ich es eh nicht ändern kann. Ich möchte nur noch nach vorne schauen."
Die Gegenwart sieht etwas rosiger aus für Brandt. Durch die Verletzung von Giovanni Reyna wurde er beim 4:3-Sieg gegen Bayer Leverkusen in die erste Elf gespült. Brandt bedankte sich für das Vertrauen von Trainer Marco Rose gleich mit einem Tor, bevor er dann aber wegen einer Muskelverletzung zwei Wochen ausfiel.
Nach einer "exzellenten Vorbereitung" (Marco Rose) wurde er bereits von einer Coronainfektion ausgebremst und musste sich wieder rankämpfen. Das zehrt an den Nerven, doch Brandt lässt keine negativen Gedanken zu.
Marco Rose stellt konkret vier Forderungen an Julian Brandt
"Die zwei Ausfallzeiten passten mir überhaupt nicht in den Kram, aber ich habe die Situation gut angenommen und ich glaube, dass ich jetzt einfach wieder in einen Fluss komme, wo ich mit jeder Minute mehr Selbstvertrauen bekomme. Jedes Spiel tut mir extrem gut, die Dinge fallen mir wieder etwas leichter", sagte Brandt.
Nicht mehr so viel nachdenken, eher auch mal den Kopf ausschalten - das könnte die entscheidende Komponente sein, die Brandt auf seinem Weg hilft, endlich sein großes Potential konstant abzurufen.
Mit 25 ist Brandt noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Fußballerisch muss man ihm nicht mehr viel beibringen, es sind eher taktische Dinge wie das von Rose geforderte aggressive Gegenpressing, die er noch mehr verinnerlichen muss.
Der Coach hält große Stücke auf Brandt, fordert aber konrekt vier Dinge: "Konstanz, Nachhaltigkeit, Seriosität und die Momente, die Julian immer wieder für ein Team bringen kann", sagte Rose nach dem Augsburg-Spiel.
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Brandts Problem mit der Nachhaltigkeit
Die Momente hat Brandt immer wieder drauf, wie gegen Augsburg, als er in technischer Perfektion den 2:1-Siegtreffer erzielte. Hinsichtlich der Konstanz ist er auf einem vernünftigen Weg, immerhin wusste er in den letzten drei Spielen mit Startelfeinsätzen zu überzeugen.
Bei der Nachhaltigkeit hat er noch viel Verbesserungspotential. Es gibt immer wieder Phasen in einem Spiel, in denen Brandt abtaucht und bisweilen geistig abwesend wirkt, um dann im nächsten Moment wieder zu explodieren und Dinge auf dem Platz zu tun, die nicht so viele Spieler in der Bundesliga drauf haben.
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Julian Brandt
Fotocredit: Getty Images
Mit Seriösität meint Rose in erster Linie Brandts "Umgang mit dem Ball". Brandt soll hier noch zielstrebiger werden und seine Geschwindigkeit für mehr Tempodribblings nutzen. Rose verlangt zudem etwas mehr Mut im Passspiel. Gegen Augsburg kam Brandt auf eine für Offensivspieler herausragende Passquote von 92 Prozent, es darf aber nach dem Geschmack des Cheftrainers ein bisschen mehr Risiko sein.
Julian Brandt: "Ich habe nach wie vor riesen Spaß beim BVB"
Es ist freilich noch viel zu früh, um Brandts Wert für den BVB vernünftig einordnen zu können. Da reichen zwei, drei gute Bundesligaspiele bei weitem nicht aus. Doch Brandt ist zumindest gewillt, alles zu unternehmen, um die Kurve zu bekommen. "Ich habe einen vernünftigen Körper und sehr gute Grundvoraussetzungen, um erfolgreich sein zu können. Ich habe einfach Bock, Fußball zu spielen."
Am liebsten noch lange beim BVB. "Ich habe nach wie vor Riesenspaß, für diesen Verein zu spielen und möchte mit dem Klub noch eine Menge erreichen. Ich arbeite jeden Tag dafür und bin auch sehr positiv, was die Zukunft angeht", so Brandt.
Wie lange er seinen Platz in der ersten Elf des BVB behält, liegt hauptsächlich an ihm selbst. Zuletzt spielte er auf dem rechten Flügel, gegen Leverkusen eher zentral. Auch als Sechser oder Achter hat er für Dortmund schon agiert. Seine Vielseitigkeit könnte hilfreich sein, seinen Platz zu verteidigen. Die Konkurrenz bei BVB ist groß und es kommen immer mehr verletzte Spieler zurück. Auch Gio Reyna, für den Brandt in die Mannschaft kam, steht kurz vor seinem Comeback.
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