Vor der Partie hatte City-Trainer Guardiola scherzhaft gesagt, er könne ja versuchen, mit zwölf Mann gegen Atlético anzutreten.
Auch mit einem Mann mehr hätte sich seine Mannschaft gegen destruktive und sehr unangenehm zu bespielende Spanier wohl schwer getan.
Letztlich konnte sich City durch ein Tor von Kevin De Bruyne (69.) durchsetzen und reist mit einem knappen Vorsprung ins Rückspiel nach Madrid am kommenden Mittwoch (13. April).
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Drei Dinge, die Viertelfinal-Kracher der Champions League auffielen.

1. Simeone kommt mit Betonmischer-Masche fast durch

Seit 2011 ist Diego Simeone Trainer von Atlético. In dieser Zeit haben sich die Rojiblancos den Ruf als "Ekelpaket" der Champions League redlich verdient. Es gibt in K.o.-Spielen kaum einen unangenehmeren Gegner als Atlético. Physisch, hart und offensiv bisweilen gnadenlos effizient - da ist der Fußball von Simeone, auch wenn in dieser Saison zu beobachten ist, dass Atlético generell offensiver agiert.
Der Auftrag für den Auftritt im Etihad Stadium war hingegen klar: Ein vernünftiges Ergebnis holen, um im Rückspiel die Skyblues vor heimischem Publikum aus dem Wettbewerb zu werfen. Und das geht in den Augen von Simeone eben am besten, wenn so richtig Beton angerührt wird.
Acht Feldspieler mit rein defensiven Aufgaben und mit João Félix und Antoine Griezmann zwei "Stürmer", die aber in erster Linie hinter dem Ball stehen und Passwege zustellen sollen. Das 5-3-2 war bisweilen ein 5-5-0.
"In 100.000 Jahren erspielt man sich gegen zwei Fünferketten kaum Torchancen. Félix und Griezmann haben ja verkappte Außenverteidiger gespielt", moserte Guardiola bei "Movistar Plus+": "Es war einfach unglaublich schwer."
City schnürte Atlético von Beginn an ein, teilweise waren die Innenverteidiger John Stones und Aymeric Laporte 25 Meter vor dem gegnerischen Tor Citys defensivste Spieler. Aber Atlético verteidigte sehr diszipliniert, verschob exzellent ballorientiert und hatte auf fast alle Versuche der Gastgeber die passende Antwort.
Simeones Konzept ging lange Zeit auf. City wurde mit zunehmender Spieldauer immer ungeduldiger, die Fehlpässe häuften sich und Atlético setzte sogar zu ein, zwei vielversprechenden Kontern an. Ein Freistoß von De Bruyne, den Jan Oblak entschärfte, war bis zur 69. Minute die beste Torchance der Gastgeber.
"Es war ein richtig hartes Spiel. Atlético spielt so defensiv. Aber das ist ihre Art und das machen sie gut. Da ist es für uns sehr schwer, Torchancen herauszuspielen", sagte De Bruyne bei "Amazon".
Letztlich wurde Simeones Plan durchkreuzt, weil Manchester City dann doch diesen einen genialen Moment hatte. Der blieb Atlético verwehrt. Seit der Saison 2003/04 sind die Rojiblancos erst das vierte Team, dass in einem Champions-League-Spiel keinen einzigen Torschuss abgab.

2. City fehlt der Abnehmer für hohe Bälle

Weil in die Tiefe wenig ging und Citys Tempofußball nie richtig in die Gänge kam, blieb den Skyblues oftmals nichts anderes übrig, als ihre Angriffe mit Flanken aus dem Halbfeld zu beenden.
Doch auch damit war Atlético nicht in Verlegenheit zu bringen. Zum einen stehen da hinten genügend Kanten, die hohe Bälle gerne wegverteidigen. Zum anderen fehlt City vorne drin ein Brecher, der sich mit Anlauf in die Bälle haut.
Raheem Sterling, Riyad Mahrez und Bernardo Silva haben ihre Stärke keineswegs im Kopfballspiel. Ilkay Gündogan rückt gerne in den Sechzehner auf, um Bälle zu verwerten, aber deutlich lieber am Boden.
Am ehesten kommt De Bruyne in Frage, doch der Belgier war gegen Atlético der Mann, der die Bälle von den Halbpositionen in die Mitte schlug, wenn City keinen anderen Ausweg wusste.
Einer, der diesbezüglich Abhilfe schaffen könnte, wäre Erling Haaland. Und es könnte was werden - die norwegische Naturgewalt wird eng mit City in Verbindung gebracht. Die Skyblues sind angeblich Favorit im Rennen um den BVB-Star ...
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3. Joker Foden macht den Unterschied

In der 68. Minute hatte Guardiola genug gesehen. Er nahm Gündogan, Sterling und Mahrez vom Feld und brachte mit Gabriel Jesus, Jack Grealish und Phil Foden die nächste Sturmreihe. Wohl dem, der so viel Qualität auf einmal einwechseln kann.
Foden war keine 30 Sekunden auf dem Platz, da spielte der Engländer den besten Pass der gesamten Partie. Endlich ging's mal schnell und vertikal bei City. Bedrängt von drei Gegenspielern steckte Foden den Ball auf Höhe der Strafraumlinie auf De Bruyne durch und hebelte so die Atlético-Abwehr aus.
"Phil sieht, wie ich in den Raum starten will und spielt dann den perfekten Pass", sagte De Bruyne bei "DAZN". Dabei suchte Foden in einer kleinen Lücke zwischen den beiden Ketten die beste Position, um den Ball in die Tiefe zu spielen - inklusive mehrfachem Schulterblick für mögliche Abnehmer.
"Er weiß genau, wo er sich befindet und wie er sich in dieser kleinen Lücke bewegen muss", analysierte Owen Hargreaves bei "BT Sports" beeindruckt.
In seinen knapp 25 Minuten war Foden auffälligster City-Spieler. Neben dem genialen Pass, der zum Siegtreffer führte, dribbelte sich Foden einmal von rechts in den Sechzehner, ließ dabei drei Atlético-Verteidiger stehen und bediente De Bruyne, dessen Schuss an einem Abwehrbein hängenblieb (80.).
City gab 15 Torschüsse ab, nur zwei gingen auch aufs Tor. Beide Male war Foden der Vorbereiter.
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