Aus Leverkusen berichtet Andreas Morbach
Am Dienstag um 11 Uhr hat Lucas Hernández einen Termin vor dem 32. Strafgericht in Madrid - in der Stadt, in der der Weltmeister von 2018 einst zwölf Jahre lang erst in der Jugend und dann im Profiteam des elfmaligen spanischen Meisters Atlético spielte. An diese Zeit in der Karriere des französischen Abwehrspezialisten erinnerte Julian Nagelsmann nach dem Münchner Kantersieg in Leverkusen ganz beiläufig.
"Verteidigen tut er immer mit großer Leidenschaft, er liebt das Verteidigen. Das steckt aus seiner Zeit bei Atlético Gott sei dank noch in ihm drin", erwähnte der Bayern-Coach da - nachdem er zuvor Hernández' spielerische Fortschritte beim 5:1 in der BayArena gewürdigt hatte.
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In diesem Aspekt der Defensivrolle sieht Nagelsmann bei dem in Marseille geborenen Fußballer noch Verbesserungsbedarf. Darauf habe er Hernández gemeinsam mit seinen Trainerkollegen unter der Woche hingewiesen, erwähnte Münchens neuer Cheftrainer noch - und lieferte das Erfolgsprotokoll vom Sonntag gleich mit: "Es war tatsächlich seine beste Saisonleistung. Er hatte eine unglaubliche Aktivität mit dem Ball."

Nagelsmann lobt "sensationelle Struktur" im Bayern-Spiel

Bei der Arbeit auf dem Rasen kann den 25-Jährigen also auch der Ausblick auf den anstehenden Termin vor der Madrider Justiz nicht aus der Ruhe bringen. In der Verhandlung in der spanischen Metropole geht es um den Verstoß gegen ein Kontaktverbot, das auf einem früheren handgreiflichen Streit mit seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau basiert.
Wegen Missachtung eines Gerichtsurteils droht Hernández eine sechsmonatige Haftstrafe - seinen Job erledigte er völlig unbeeindruckt davon mit Bravour.
Wie man immer dann, wenn der Druck am größten ist, zu Höchstform aufläuft, das hat das gesamte Bayern-Ensemble bei der Gala an ihrem bis dahin schärfstem Verfolger gerade mal wieder zelebriert. Zwei Wochen nach dem 1:2 gegen Frankfurt schwärmte Nagelsmann von der "sensationellen Struktur" in seinem Team.

Nagelsmann verteilt Sonderlob an Bayern-Star: "Beste Saisonleistung"

Sein Leverkusener Kollege Gerardo Seoane nannte die erste Halbzeit mit allen fünf Bayern-Toren, vier davon binnen sieben Minuten, schlichtweg "brutal" - und ordnete die Dinge anschließend mit Schweizer Präzision ein.
"Uns war immer klar, dass es einen Unterschied zwischen Bayer Leverkusen und Bayern München gibt. Die eine Mannschaft zählt zu den Top 5 in Europa, hat jedes Jahr den Anspruch, die Champions League zu gewinnen. Da stufen wir uns anders ein", erläuterte der gebürtige Luzerner mit spanischen Wurzeln.

Benfica Lissabon - FC Bayern: Weigl warnt die Münchner

Der Verweis auf die Königsklasse war dabei das passende Stichwort für das ungleiche Duell am Rhein, vor dem die Werkself mal wieder kurz aufgemuckt hatte - ehe die Münchner nach alter Gewohnheit im passenden Moment kurz die Muskeln spielen ließen, dem frechen David die Steinschleuder aus der Hand nahmen und sich dann ihrer eigentlichen Bestimmung zuwandten.
Am Mittwoch ist schließlich wieder Champions League, mit einem Sieg beim Gruppenzweiten Benfica Lissabon (21 Uhr im Liveticker bei Eurosport) kann die Nagelsmann-Elf einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale machen. Den FC Barcelona hat Benfica, genau wie die Bayern, in der laufenden Runde bereits 3:0 besiegt. "Wenige haben damit gerechnet, dass wir sie schlagen", erklärte Julian Weigl im "kicker" gerade stolz.

Tsygankov (Kiew) im Duell mit Weigl (Benfica)

Fotocredit: Getty Images

Und den deutschen Serienmeister warnte der frühere Dortmunder, seit Januar 2020 bei Benfica unter Vertrag, zudem vor: "Es ist gegen uns relativ schwer, Tore zu schießen." Und: "Man sollte gegen uns immer die Antennen ausgefahren haben. Dazu wird die Atmosphäre für sie unangenehm sein, uns wiederum gibt sie einen Push."

Kahn traut dem FC Bayern alles zu

Herausfordernde Worte, ganz nach dem Geschmack der Münchner. "Wir sind gut aufgestellt, unser Kader ist sehr stark. Wir können alle Ziele erreichen", betonte Vorstandschef Oliver Kahn gerade - und zwar kurz vor der jüngsten Machtdemonstration in Leverkusen.
Dort schalteten die Bajuwaren nach ihrem fußballerischen Orkan der ersten 45 Minuten in den Energiesparmodus - ein natürlicher Vorgang, den Robert Lewandowski recht höflich umschrieb. In der zweiten Halbzeit habe man schon mal schauen können, was in einigen Tagen so passieren könne, erzählte der Schütze der ersten beiden Bayern-Treffer freundlich lächelnd.
Im Königsklassenkick im Estádio da Luz in Lissabon, meinte der zuletzt nicht ganz so treffsichere Weltfußballer damit.
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