Drei Dinge die bei Manchester City gegen auffielen: Ein Monster namens Haaland und ein VAR-Desaster
VonThomas Gaber
Publiziert 15/03/2023 um 00:57 GMT+1 Uhr
0:7! RB Leipzig ist Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Manchester City brutal unter die Räder gekommen, weil Sturmmaschine Erling Haaland komplett eskaliert und die Skyblues die Naivität der Leipziger gnadenlos bestrafen. Allerdings wird RB vom Schiedsrichter bzw. dem VAR auf absurde Weise benachteiligt - nicht nur bei den ersten beiden Gegentoren. Drei Dinge, die auffielen.
So reagiert RB-Trainer Rose auf das Debakel von Manchester
Quelle: Perform
"Wir sind hier aufgefressen worden. 0:7 habe ich persönlich noch nicht verloren, das ist ein sehr bitterer Abend für uns", sagte Leipzigs Verteidiger Benjamin Henrichs bei "Amazon".
Gegen Fünferpacker Erling Haaland, einen brillanten Kevin De Brunye und unbändige City-Offensivpower hatte RB nicht den Hauch einer Chance.
An der Leipziger Klatsche hatte jedoch auch der schwache Schiedsrichter in Kooperation mit dem VAR einen nicht unerheblichen Anteil.
Drei Dinge, die uns im Etihad Stadium auffielen.
1.) Haaland macht wieder Haaland-Sachen
Lionel Messi (2012, damals FC Barcelona) hat es getan, Luiz Adriano (2014, damals Schachtar Donezk) auch. Fünferpack in der Champions League - kommt selten genug vor. Seit Dienstag gehört auch Erling Haaland diesem illustren Kreis an. Fünf Buden gegen Leipzig zwischen der 22. und 57. Minute. 36 Minuten zwischen dem ersten und dem fünften Tor - deutlich schneller als Messi (61 Minuten) und Adriano (63).
Der Norweger erzielte seine Treffer sechs bis elf in der laufenden Champions-League-Saison, wettbewerbsübergreifend sind es jetzt 39 in 35 Spielen. So viele Tore hat noch nie ein Spieler für City in einer Saison erzielt - und es ist erst Mitte März. Monsterzahlen eines Monsterkickers.
Gegen Leipzig war alles dabei: Elfmeter, Kopfball, Abstauber - Haaland schoss an diesem Abend (mal wieder) alles kurz und klein. "Es ist ein großer Abend. Ich liebe diesen Wettbewerb und bin sehr stolz, dass ich fünf Tore geschossen habe", sagte Haaland bei "BT Sport".
Sein Erfolgsrezept gegen RB: nicht nachdenken, einfach draufhalten. "Ich habe mir heute keine Gedanken gemacht, sondern einfach immer gleich geschossen. Ich war so fokussiert, dass ich mich gar nicht an alle Tore erinnern kann. Man muss einfach schnell im Kopf sein und versuchen, den Ball dorthin zu bringen, wo der Torhüter nicht ist", so Haaland.
Für seine fünf Tore benötigte er lediglich acht Schüsse. "Erling bekommt von mir fünf Rotweinflaschen geschenkt", verriet Pep Guardiola bei "Amazon". "Er war herausragend - wie so oft."
Trotz seiner atemberaubenden Zahlen steht der 22-jährige Haaland auf der Insel immer mal wieder in der Kritik, weil er bisweilen wie ein Fremdkörper wirkt im City-Wirbel. Gegen Leipzig war er von der ersten Minute an präsent, ging auch Wege nach hinten, um Angriffe mit zu initiieren.
Wie man Haaland aufhalten kann? Benjamin Henrichs hat darauf keine Antwort. "Wir haben ja sehr gute Verteidiger. Aber Erling ist physisch so brutal stark und dadurch so schwer zu verteidigen. Das spricht für seine Qualität."
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Ex-Stürmer Thierry Henry verneigt sich vor Erling Haaland
Fotocredit: Getty Images
2.) Wer braucht eigentlich noch den VAR?
Die 20. Minute: Henrichs steigt zum Kopfballduell mit Rodri hoch und bekommt den Ball von hinten maximal leicht an den ausgestreckten Arm geköpft. Schiedsrichter Slavko Vincic lässt weiterspielen, wird aber vom VAR genötigt, sich die Szene nochmal anzuschauen. Letztlich entscheidet er auf Handelfmeter - ein schlechter Scherz.
"Der Spieler hat überhaupt keine Orientierung zum Ball. Außerdem ist der Arm in einer ganz natürlichen Position. Man braucht diese Armbewegung zum hochspringen. Es ist kein Strafstoß, der VAR-Einsatz war nicht in Ordnung", sagte Ex-Schiedsrichter Wolfgang Stark bei "Amazon".
Experte Matthias Sammer nannte die Szene "eine Witz-Konstellation. Solche katastrophalen Entscheidungen sind für mich auf diesem Niveau unerklärlich." Auch Mats Hummels meldete sich zu Wort. "Wir brauchen eine Änderung bei den Handelfmeter-Entscheidungen. Das geht in die falsche Richtung", schrieb der BVB-Verteidiger auf Twitter.
Gegentor Nummer eins hätte also schon mal nicht fallen dürfen. Und Nummer zwei auch nicht. Nachdem Leipzig-Keeper Janis Blaswich den Ball aus dem eigenen Strafraum weggeschlagen hatte, wurde er vom heranstürmenden Haaland am Fuß getroffen - ein klares Foulspiel. In der Folge knallte De Bruyne den Ball an die Latte und Haaland staubte per Kopf zum 2:0 ab. Und was machten Vincic und VAR? Nichts.
Auch Szene Nummer drei aus der ersten Halbzeit führt den VAR ad absurdum. Citys Torhüter Ederson stürmt aus seinem Kasten und rammt Konrad Laimer um, ohne auch nur im Ansatz den Ball zu spielen. Vincic erkennt kein Foulspiel und gibt Timo Werner lieber Gelb wegen Meckerns. Wo war der VAR in dieser Situation? Nicht da. Es hätte zwingend Freistoß für RB und mindestens Gelb für Ederson geben müssen.
Leipzig ist völlig verdient ausgeschieden, aber das Zusammenspiel zwischen Schiedsrichter und VAR war an diesem Abend (wieder mal) ein einziges Desaster.
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Schiedsrichter Slavko Vincic begutachtet das angebliche Handspiel von Henrichs
Fotocredit: Getty Images
3.) Leipzig bekommt gnadenlos die Grenzen aufgezeigt
RB wählte einen mutigen Ansatz. Bei Ballbesitz City versuchte Leipzig im 4-2-4 früh zu pressen und so Ballverluste in für Manchester gefährlichen Zonen zu provozieren.
Allerdings ging dieser Plan nicht auf, weil sich City durch sein perfektes Positionsspiel durchkombinierte und seinerseits ein brutales Pressing aufzog. "Das Ergebnis ist schon sehr bitter für uns. City war diesmal eine Nummer zu groß", sagte RB-Trainer Marco Rose. "Sie haben uns einfach weggepresst. City war aufmerksamer, bereiter, wacher. Wir hätten die Situation besser annehmen müssen."
Dem Coach missfiel vor allem das schwache Zweikampfverhalten bei Standards (drei Gegentore fielen nach ruhenden Bällen) und das Aufbauspiel seiner Mannschaft. "Wir hatten gar keine Lösung mit Ball gegen das Pressing. Wir sind dadurch nie in irgendeine Form von Spiel hineingekommen. Das ist auch meine Verantwortung, ich habe wohl zu wenig mitgegeben", so Rose.
Leipzig kam mit dem ständigen Druck nicht zurecht. Die ersten beiden Gegentore resultierten aus naiven Fehlpässen. "Das fühlt sich gar nicht gut an. Wir waren heute nicht da. Das war ganz schlecht von uns und tut richtig weh", sagte Emil Forsberg.
RB hat eine ordentliche Champions-League-Saison gespielt und City zumindest im Hinspiel geärgert. Doch von der europäischen Elite sind die Sachsen meilenweit entfernt.
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Rose zum Ligen-Vergleich: "Die Themen mag ich nicht"
Quelle: Perform
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