Drei Dinge, die beim Champions-League-Aus von Borussia Dortmund auffielen: BVB eben nicht auf Augenhöhe mit Chelsea

Für Borussia Dortmund ist die Champions-League-Saison 2022/23 nach der Pleite beim FC Chelsea vorbei. Verspätete Anreise, Brandt-Verletzung, Schiri-Ärger - der Abend hätte für den BVB kaum bitterer laufen können. Allerdings konnte außer Torhüter Alexander Meyer kein Spieler von Schwarz-Gelb überzeugen. Und außerdem hat der Gegner aus London ja Kai Havertz. Drei Dinge, die auffielen.

"Leider zu wenig": Terzic will Schuld nicht beim Schiri suchen

Quelle: Perform

Edin Terzic gratulierte Graham Potter fair zum Sieg, während TV-Experte und BVB-Berater Matthias Sammer über den Schiedsrichter schimpfte.
Die Gefühlswelt von Borussia Dortmund schwankte nach dem bitteren Aus in der Champions League zwischen Enttäuschung und Wut. Der BVB verlor nach zehn Siegen in diesem Jahr zum ersten Mal und tanzt damit nur noch auf zwei Hochzeiten.
Raheem Sterling (43.) und Kai Havertz (53., Handelfmeter nach Videobeweis) drehten mit ihren Toren den 1:0-Vorsprung der Dortmunder aus dem Hinspiel. Besonders bitter: Havertz traf zunächst nur den Pfosten, der Niederländer Makkelie ließ den Elfmeter aber wiederholen, weil mehrere Spieler zu früh in den Strafraum gelaufen waren.
Drei Dinge, die uns an der Stamford Bridge auffielen.

1. Maximales Unglück für den BVB

Der BVB hatte einen Lauf, er war im Flow und erlebte am Dienstagabend an der Stamford Bridge - etwas überraschend - sein blaues Wunder beim FC Chelsea. Die erste Niederlage im Jahr 2023 bedeutet das enttäuschende Aus im Achtelfinale in der Champions League.
"Es ist unfassbar bitter, wir sind extrem enttäuscht. Es waren zwei Spiele auf Augenhöhe“, haderte BVB-Coach Edin Terzic bei "Amazon" mit dem Schicksal. Dieses hatte seine Mannschaft richtig hart getroffen. Nicht nur, dass er auf die verletzten Leistungsträger Karim Adeyemi und Gregor Kobel hatte verzichten müssen, nein, nach drei Minuten musste auch noch Julian Brandt angeschlagen ausgewechselt werden.
"Er war unser Schlüsselspieler", wusste nicht nur Emre Can. Nach einer schweren Anfangsphase, berappelte sich der BVB zwar und auch der Rückstand zur Pause betrug "nur" ein Tor.
Doch was nach dem Seitenwechsel passierte und was BVB-Berater Matthias Sammer später als handfesten "Skandal" betitelte, war das Gegenteil von Spielglück und ein weiterer Schlag ins Genick, von dem sich die Dortmunder dann nicht mehr erholten, denn bei Chelsea hatte es ausgerechnet an diesem Abend "Klick" gemacht und sie erkannten, dass sie auch als Mannschaft auftreten können.
Der BVB hatte auch schon vor dem Anpfiff starke Nerven beweisen müssen. Das Spiel konnte erst mit zehn Minuten Verspätung angepfiffen werden, da dem Bus der Dortmunder zunächst die Zufahrt zum Stadion verweigert worden war.
"Die Straße war blockiert. Wir standen 500 Meter vor dem Stadion und wurden nicht durchgelassen", begründete Terzic den verzögerten Anpfiff. "Natürlich hilft es nicht, wenn der Ablauf gestört wird. Aber wir wollen das nicht als Ausrede gelten lassen", sagte Terzic.
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Wolf fordert Erklärung: Makkelie "hat nicht mit sich reden lassen"

Quelle: Perform

2. Die taktischen Ursachen für das Aus

Das gesammelte Unglück mal außen vor gelassen: Der BVB hat vielleicht ein ordentliches Spiel abgeliefert, aber kein sehr gutes. Dieses hätte es gegen ein entschlossenes Chelsea mit einem guten Matchplan jedoch dringend gebraucht.
Es herrschten ein wenig WM-DFB-Gegen-Japan-Vibes auf dem Feld, wenn Niklas Süle und Nico Schlotterbeck versuchten, Zugriff auf den Gegner zu bekommen. Entscheidende Zweikämpfe wurden verloren. Die fehlende Rückraum- und Tiefensicherung brachte das von Alexander Meyer hervorragend bewachte BVB-Tor immer wieder in Bedrängnis. Sterling und Havertz hatten in der Offensive viel zu viel Raum. Can musste sich in die letzte Kette fallen lassen und fehlte deshalb an anderer Stelle.
"Wir haben es nicht hinbekommen, das Zentrum zu schließen. Es ist schwer zu verteidigen", bemängelte Terzic. Hinzu kam, dass Chelsea quasi erstmals in dieser Saison die große individuelle Klasse bündelte. Eroberten sie den Ball, wurde blitzschnell umgeschaltet. Die Leistung von Joao Felix war symptomatisch für eine enorme Ballsicherheit.
Mit dem Ball mangelte es dem BVB indes an Ideen. Die Leistungsträger und Führungsspieler Marco Reus und Jude Bellingham gingen unter, Sébastien Haller hing komplett in der Luft. Die Strafraumbesetzung ließ ebenso zu wünschen übrig. Klare Chancen wurden so zur Mangelware, Standards wurden zu wenig erzwungen. Wie Terzic auch in der zweiten Halbzeit umstellte, er bekam keine Tiefe ins Spiel, die Angriffe verpufften.
Zwar sah Terzic ein "Duell auf Augenhöhe", allerdings blieb doch der Gesamteindruck, dass zu wenige BVB-Akteure an ihre Leistungsgrenze gegangen sind.
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Nico Schlotterbeck hatte so seine Probleme mit den Spielern des FC Chelsea

Fotocredit: Getty Images

3. Die Sternstunde von Kai Havertz

Es war zweifelsohne das Spiel des Kai Havertz. Schon früh zeichnete sich am Dienstag an der Stamford Bridge ab: Der 23-Jährige war in bestechender Form, agil, aggressiv und kaum abzuwehren. Ob falsche oder echte Neun, der 23-Jährige besaß im Angriff der Blues sämtliche Freiheiten, bewegte sich clever zwischen den Linien, bereitete vor, schloss selbst ab.
Keiner beim BVB bekam ihn wirklich zu fassen. War Havertz am Ball, ging das "Roar" durchs Stadion. Die komplette Chelsea-Mannschaft war unglaublich hungrig, Havertz‘ Appetit schien dennoch am größten. In der 28. Minute scheiterte er am Pfosten - das hätte bereits die Führung sein können. Havertz ließ sich jedoch nicht entmutigen, blieb ein Fixpunkt in der Chelsea-Offensive und glänzte zehn Minuten mit einem sehenswerten Treffer zum vermeintlichen 1:0 - Raheem Sterling hatte zuvor im Abseits gestanden.
Es folgte die Vorbereitung zum echten 1:0 per Hacke. Seine Sternstunde erlebte Havertz schließlich in der 53. Minute: Der erste Elfer landete noch am Pfosten, der zweite, die Wiederholung, schlug dann unhaltbar im rechten unteren Eck ein. Es war das so wichtige 2:0 für die Blues. "Natürlich sind wir sehr erleichtert. Hier war viel Druck auf dem Kessel, weil wir viele Spiele verloren haben. Jetzt haben wir ein Statement gesetzt", sagte Havertz.
Es spricht für ihn und auch für seine Entwicklung, dass er in dieser Situation, einem K.o.-Spiel in der Champions League, Verantwortung übernommen hat. Er wirkt selbstbewusster, stabiler und fokussierter denn je. Sein Fazit: "Ich habe Glück gehabt und den zweiten verwandelt und bin froh, der Mannschaft geholfen zu haben. Wir hatten einen guten Matchplan und wissen, wie man solche Spiele gewinnt. Es war ein besonderer Tag für uns alle."
Schon lange wurde er aufgrund seines außergewöhnlichen Talents und seiner brillanten Technik als potenzieller Weltklassespieler gesehen. Erst jetzt scheint Havertz aber tatsächlich nicht mehr weit davon entfernt zu sein.
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Havertz gibt zu: Vor zweitem Elfer "ging mir eine Menge durch den Kopf"

Quelle: Perform

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