FC Bayern kegelt Starensemble von Paris Saint-Germain raus: Julian Nagelsmanns Meisterstück gegen PSG

Der FC Bayern steht zum vierten Mal in Serie im Viertelfinale der Champions League. Der deutsche Rekordmeister, der bereits das Hinspiel bei Paris Saint-Germain 1:0 gewonnen hatte, siegte auch im zweiten Aufeinandertreffen mit dem teuren Starensemble, diesmal prangte ein 2:0 aus Sicht der Münchner auf der Anzeigetafel. Auch, weil Julian Nagelsmann sein taktisches Meisterstück ablieferte.

Nagelsmann analysiert: "PSG-Idee war sehr offensichtlich"

Quelle: Perform

Aus der Allianz Arena berichtet Dennis Melzer
Wenige Sekunden nachdem Schiedsrichter Daniele Orsato die Begegnung zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain angepfiffen hatte, wurde der Promi-Faktor im Block 105 der Allianz Arena erheblich gesteigert.
Die beiden Langzeitverletzten Manuel Neuer und Lucas Hernández sowie Benjamin Pavard, der aufgrund einer Gelb-Roten Karte, die er sich im Hinspiel eingehandelt hatte, zwangspausierte, nahmen ihre Plätze gleich vor dem Arbeitsbereich der Journalisten ein. Freilich nicht unbemerkt, reihte sich doch kurz darauf Selfie-Jäger an Selfie-Jäger.
Als das letzte Bild im Kasten war, durfte sich das Dreigestirn endlich aufs Spiel konzentrieren. Der Aufforderung "steht auf, wenn Ihr Bayern seid" aus der Südkurve kam das Trio stets brav nach, Neuer, Hernández und Pavard klatschten im Takt, sangen mit. Als Matthijs de Ligt einen eklatanten Patzer seines Torhüters Yann Sommer mit einer beeindruckenden Grätsche ausbügelte (38.), hielt es Neuer nicht auf seinem Sitz, der Kapitän schnellte hoch und ballte die Faust.
Nach dem Seitenwechsel gab es dann noch deutlich mehr Grund zur Freude. Eric Maxim Choupo-Moting (61.) stellte die Weichen mit seinem Tor zum 1:0 auf Viertelfinal-Einzug, Serge Gnabry (89.) setzte kurz vor Schluss die viel zitierte Kirsche auf die Bayern-Torte. Oben, in Block 105, gab es indes nach den Treffern abermals kein Halten mehr, Hernández und Pavard tanzten und brüllten die Namen der Torschützen aus voller Kehle.

Pavard mutiert zum Feierbiest

Im Anschluss an die Partie machte sich Pavard auf, um mit der Mannschaft auf dem Rasen zu feiern, der sonst so ruhige Franzose avancierte vor den Fans zum Feierbiest. Vergessen war die Unzufriedenheit, die Pavard vor einigen Monaten durchblicken ließ. Womöglich war der Innenverteidiger auch deshalb so gelöst, weil er es war, der Trainer Julian Nagelsmann im Vorfeld wegen seiner Sperre Kopfzerbrechen bereitet hatte.
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Benjamin Pavard (vorne) gab den Anpeitscher

Fotocredit: Getty Images

"Ich habe die Frage heute schon laut im Badezimmer diskutiert", erklärte Nagelsmann am vergangenen Freitag, einen Tag vor dem Bundesliga-Duell mit dem VfB Stuttgart, als er mit Pavards Fehlen gegen PSG konfrontiert und um die Ausführung seiner Pläne gebeten wurde. "Er hat eine extrem gute Form. Eigentlich müsste ich ihn gegen Stuttgart spielen lassen – weil er in den vergangenen Wochen einer unserer stabilsten Spieler ist", sagte Nagelsmann und ergänzte: "Aber er ist am Mittwoch gesperrt. Man würde einem Spieler, der am Mittwoch spielen könnte, den Rhythmus nehmen."

Stanisic: Von wegen Unsicherheitsfaktor

Tatsächlich ließ der FCB-Coach den formstarken Pavard gegen Stuttgart auf der Bank und setzte auf eine Dreierkette bestehend aus Josip Stanisic, Dayot Upamecano und Matthijs de Ligt. Ein Hinweis auf die Aufstellung für das PSG-Spiel. Obwohl vor dem Kracher viel über die Defensivreihe gerätselt wurde und Stanisic, normalerweise Reservist statt Stammkraft, mit Blick auf seinen namhaften Gegenspieler Kylian Mbappé durchaus kritisch beäugt wurde, setzte Nagelsmann auf den jungen Kroaten.
Ein Risiko, das sich auszahlen sollte. Stanisic machte seine Sache als rechter Innenverteidiger sehr gut, ließ kaum etwas anbrennen. 66,7 Prozent seiner direkten Duelle entschied er für sich, zudem kam er auf sieben Balleroberungen. Grundsätzlich strahlte der 22-Jährige trotz seines Star-Kontrahenten Mbappé enorme Ruhe aus.
Entsprechend positiv fiel das Fazit der Verantwortlichen aus. "Überragend, sensationell!" schwärmte Sportvorstand Hasan Salihamidzic bezüglich Stanisics Leistung. Er schob nach: "Die ganze Abwehr war weltklasse, aber es freut mich einfach total für Stani, der aus unserer eigenen Jugend kommt. Er ist ein Top-Junge."

Nagelsmann lobt "weltklasse" Stanisic

Auch Nagelsmann versah Stanisic nach dem Spiel mit dem Prädikat "weltklasse". Doch nicht nur er ragte heraus, wie bereits von Salihamidzic angedeutet, glänzte die gesamte Innenverteidigung. De Ligt und Upamecano wurden ebenfalls berechtigterweise mit Lob überschüttet. Dass Nagelsmann dem verhältnismäßig unbekannten Stanisic das Vertrauen schenkte, war rückblickend der richtige Entschluss, eng damit verbunden war die taktische Marschroute, die sich als Nagelsmanns bisheriges Meisterstück seit Amtsantritt herausstellen sollte.
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Josip Stanisic (l.) im Duell mit Kylian Mbappé

Fotocredit: Getty Images

"Wir haben uns für eine Dreierkette entschieden. In der Bundesliga sind wir normalerweise häufig offensiver unterwegs. Das haben wir heute nicht gemacht", sagte der 35-Jährige auf der Pressekonferenz und konkretisierte seine Ideen: "Wir haben bewusst drei Spieler hinten gelassen. Die Idee von PSG war offensichtlich. Sie haben Messi bei Ballbesitz ins Mittelfeld gezogen, um Matthijs herauszuziehen und um Upamecano in einem großen Eins-gegen-Eins-Raum gegen Mbappé zu isolieren. Den Gefallen haben wir ihnen nicht getan."
Wahrlich nicht, sowohl Messi als auch Mbappé waren abgemeldet. "Unsere Mannschaft verteidigt normalerweise nicht so gerne tief, sondern läuft lieber hoch an. Aber manchmal geht es eben nicht anders", sagte Nagelsmann. "PSG hatte sechs oder sieben Spieler im Aufbau. Da ist die Frage, wie sinnvoll hohes Pressing dann ist."
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Quelle: SID

Sommer: "Das war heute der Schlüssel"

Tiefes Verteidigen als Erfolgsrezept gegen das Tempo und die Klasse des Star-Duos. Schlussmann Sommer fand im Nachgang gegenüber Eurosport nur positive Worte für seine Abwehr. "Sie waren super. Sie haben unglaublich gut verteidigt, viel geblockt und extrem gut gestanden. Die Abstände waren super." Der Schweizer weiter: "Wir haben auch mal tief verteidigt, was gegen eine Mannschaft wie PSG nicht schlimm ist. Es ist eine große Freude, den Jungs zuzuschauen. Das war heute der Schlüssel."
Leon Goretzka bezeichnete die Leistung des deutschen Rekordmeisters in der Mixed Zone als "erwachsen", auch er bezog sich auf die taktischen Vorgaben. "Normalerweise marschieren wir immer vorne durch. Die daraus resultierende Tiefe wollten wir speziell Mbappé aber nicht geben. Wir haben eine sehr gute taktische Marschroute gewählt. Wir wollten verhindern, dass die Räume hinter der letzten Linie zu groß werden. Das haben wir geschafft und die herausragenden Einzelkönner gut im Griff gehabt."
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Quelle: SID

Nagelsmanns gelungene Reifeprüfung

"Erwachsen" diente diesbezüglich als gutes Stichwort. Im Vorjahr hatten die Bayern an Ort und Stelle im Champions-League-Viertelfinale noch mit kindlich anmutender Naivität aufgewartet – und jegliche Tiefe in der Abwehr vermissen lassen. Beim Stand von 1:0 gegen den FC Villarreal, was seinerzeit eine Verlängerung nach sich gezogen hätte, ließ sich die Nagelsmann-Elf kurz vor Schluss übertölpeln und fing sich einen unnötigen Konter, der das Aus in der Königsklasse besiegelte.
Damals wurde Nagelsmann mindestens eine Mitschuld am Scheitern gegeben. Die beiden Spiele gegen PSG, die die Münchner jeweils mit weißer Weste überstanden, zeigen, dass Nagelsmann an Reife gewonnen und die Adoleszenz abgeschlossen hat. "Wir haben heute etwas anders gespielt, auch mal abgewartet. Wir haben tiefer gepresst. Das können wir offensichtlich auch", gab sich Salihamidzic überrascht. "Das war eine gute Leistung vom Trainerteam und der Mannschaft."
Eine Analyse, die das stimmungsvolle Trio aus Block 105 wohl unterschreiben würde.
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Quelle: Perform

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