Drei Dinge, die beim FC Bayern gegen Lazio auffielen: So bog der FCB das Achtelfinale im Rückspiel noch um

Der FC Bayern München zieht im Achtelfinale der Champions League gegen Lazio Rom mit einem 3:0 (2:0) im Rückspiel den Kopf aus der Schlinge. Beim souveränen Heimsieg zeigen Harry Kane (39., 66.) und Thomas Müller (45.+2) ihren formidablen Torriecher. Trainer Thomas Tuchel beweist indes, dass die Dreierkette bedingt funktionieren kann und Aleksandar Pavlovic wächst mit seinen Aufgaben. Was auffiel.

Tuchel: "Glaube, ich habe mir den Zeh gebrochen"

Quelle: Perform

Nach Abpfiff hüpfte beim FC Bayern München so ziemlich alles - nur Trainer Thomas Tuchel nicht.
Der Coach hatte sich unmittelbar vor dem 3:0 (2:0) im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Lazio Rom nach eigenen Angaben bei einer zu wilden Motivationsrede samt Tritt am rechten großen Zeh verletzt und humpelte durch den Abend.
"Das ist eben Profi-Sport - nur mit Früchte-Tee machen wir's nicht", frohlockte Thomas Müller, der Bayern mit seinem 2:0 (45.+2) nach dem Hinspiel-0:1 auf die Siegerstraße gebracht hatte.
"Das ist jetzt keine Erlösung, aber wir haben einen ganz wichtigen Schritt getan", fügte Müller ernsthafter an.
Sein Sturmkollege Harry Kane besorgte die weiteren Treffer (39./66.) und hievte Bayern damit zum 22. Mal ins Viertelfinale der Königsklasse - Rekord. "Das war eine disziplinierte, sehr ordentliche Leistung", freute sich Tuchel: "Wir haben nicht den Kopf verloren und viel mutiger gespielt als im Hinspiel." So kam Lazio - wie Bayern im Hinspiel - zu keinem Schuss aufs Tor.
Drei Dinge, die uns in der Allianz Arena auffielen.

1.) Tuchels nächster Dreierketten-Anlauf

Bayern-Coach Tuchel war mit einer Dreierkette beim 0:3 im Spitzenspiel der Bundesliga bei Bayer 04 Leverkusen jüngst auf die Nase gefallen. Gegen Lazio Rom wartete der Trainer erneut mit einer Dreierkette auf - zumindest bei eigenem Ballbesitz.
Dann nämlich veränderte sich das bewährte 4-2-3-1-System, das Bayern gegen Lazio auch gegen den Ball spielte, in ein 3-3-2-2: Leon Goretzka ließ sich von der Doppel-Sechs auf die linke Innenverteidigerposition fallen, die Außenverteidiger Joshua Kimmich und Raphael Guerreiro schoben auf die Höhe von Sechser Aleksandar Pavlovic und Müller in die Spitze neben Harry Kane.
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Tuchel gibt Richtung vor: Champions-League-Finale das Ziel

Quelle: Perform

Dass hatte für Goretzka (und das Bayern-Spiel) gleich zwei angenehme Nebeneffekte: Zum einen hatte der zuletzt oft fürs Pressing anfällige deutsche Nationalspieler so im Aufbau mehr Zeit für die Ballverarbeitung, weil er die Bälle tiefer zugespielt bekam und das Spiel vor sich hatte.
Zum anderen konnte Goretzka beim Switch von Offensive auf Defensive nach vorne verteidigen, weil er sich dann vorwärts auf seine angestammte Position auf der Doppelsechs orientierte. Das riss im Übergang zwar potenziell kurzzeitig ein Loch in die Bayern-Defensive; Eric Dier und Guerreiro liefen das aber so gut wie immer diszipliniert zu. Nur in der Anfangsphase hatte Lazio durch Mattéo Guendouzi ein paar vielversprechende Momente.
Im offensiven 3-3-2-2 kam den Bayern vor allem die enorme Bewegungsfreiheit von Jamal Musiala und Leroy Sané zugute, die sich in zweiter Angriffslinie oft mit Läufen in die Mitte anboten und sich zwischen den Lazio-Linien anspielen ließen. So erarbeitete sich Bayern eine Vielzahl von aussichtsreichen (Schuss-)Chancen.
"Wir haben einfachen und schönen Fußball gezeigt", meinte Musiala: "Wir haben cleane Pässe gespielt und uns nur wenige Ballverluste geleistet. Das müssen wir jetzt wieder konstanter zeigen."

2.) Pavlovic wächst mit seinen Aufgaben

Aleksandar Pavlovic ist zwar erst 19 Jahre jung, aber aktuell nicht mehr aus der Mannschaft des FC Bayern München wegzudenken. In den letzten Wochen hat sich der Sohn serbischer Eltern im Team von Trainer Tuchel auf der Sechs festgespielt. Lief der in München geborene Pavlovic zuletzt meist mit Goretzka auf der Doppelsechs auf, war er gegen Lazio bei Ballbesitz (siehe Punkt 1) diesmal auf sich alleine gestellt - und löste die Aufgabe ausgesprochen gut.
Lediglich bei einer Szene in Halbzeit eins vor der Großchance von Ciro Immobile (37.) gab der Bayern-Youngster, der beim SC Fürstenfeldbruck das Kicken gelernt hat, das Zentrum preis. Ansonsten überzeugte Pavlovic erneut mit Laufeifer, Zweikampfstärke und Übersicht.
So spielte er vor Kanes 1:0 (39.) einen Chipball auf Thomas Müller, der an seinen Kollegen Joshua Kimmich erinnerte. Vor dem 3:0 (66.) war es ebenfalls Pavlovic, der das Tor mit einem tollen Vertikalball auf Müller erst heraufbeschwor.
Pavlovics Leistung wurde anschließend von den "Prime Video"-Experten gelobt. "Er spielt schon länger richtig gut. Er war sehr präsent und zweikampfstark", sagte Ex-Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer.
"Er sorgt für eine gute Balance und eine konsequente Sechs. Das gibt den anderen mehr Freiheiten", fand 2014er Weltmeister Benedikt Höwedes. Und Ex-BVB-Profi Patrick Owomoyela meinte gar: "Er ersetzt Kimmich auf der Position nicht nur, sondern er hat ihn verdrängt."

3.) Kane und Müller: Torriecher deluxe

Im Hinspiel bei Lazio (0:1) und zuvor beim 0:3 in Leverkusen vor ein paar Wochen hatten die Bayern keinen einzigen Schuss aufs Tor abgegeben - ein absoluter Tiefpunkt der Saison.
Am Dienstagabend sah das schon wieder ganz anders aus. Gegen tief stehende Italiener spielten die Münchner geduldig, zogen das Spiel immer wieder in die Breite, um dann mit schnellen Vertikalbällen auf Musiala, Sané und Müller das Tempo anzuziehen. So kamen schon in der ersten Halbzeit 17 Torabschlüsse zustande, vier davon aufs von Ivan Provedel nicht immer tadellos gehütete Gäste-Tor.
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Lazio-Coach Sarri: Das hat uns gegen Bayern den Kopf gekostet

Quelle: Perform

Es dauerte dennoch bis zur 39. Minute, ehe Bayern das Hinspielergebnis egalisiert hatte - weil sich Kane in bester Mittelstürmermanier mit dem Kopf in einen verunglückten Schuss von Guerreiro hechtete und damit Provedel düpierte.
Kurz vor dem Halbzeitpfiff stand dann Müller goldrichtig - der 34-Jährige hielt seinen Kopf nach einer Ecke in einen wuchtigen Volleyschuss von Abwehrkante Matthijs de Ligt und bezwang so den italienischen Torhüter ein weiteres Mal (45.+2).
Müller war zwischenzeitlich sogar nur vom Schiedsrichter zu stoppen, der sich ungelenk in einen Passweg warf. "Ich liebe es, ihm zuzusehen", schwärmte WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose bei "Amazon Prime Video".
Einen ähnlich starken Torriecher bewies Kane dann wiederum in Minute 66, als er einen von Provedel nur bedingt souverän parierten Sané-Schuss mit links zum 3:0-Endstand abstaubte. Durch drei klassischen Stürmertore fuhr Bayern diesmal also die verdiente Ernte ein.
Für den 34 Jahre alten Müller war es Champions-League-Treffer 54 - zwei weitere fehlen ihn noch, um in der ewigen Bestenliste mit dem Niederländer Ruud van Nistelrooy auf Rang sechs gleichzuziehen.
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Harry Kane mit der Trophäe "Player of the Match" - FC Bayern München vs. Lazio Rom

Fotocredit: Getty Images

Cristiano Ronaldo (140), Lionel Messi (129), Robert Lewandowski (93, mit dem FC Barcelona noch im aktuellen Wettbewerb), Karim Benzema (90) und Raúl (71) bleiben für ihn aber vermutlich unerreicht.
Für den vier Jahre jüngeren Kane, der "erst" bei 27 Champions-League-Toren steht, waren es indes im 33. Pflichtspiel für Bayern die Treffer 32 und 33 - eine starke Quote.
Nach der Partie schoss der Engländer mit der Man-of-the-Match-Trophäe ein Selfie für den Social-Media-Account des Klubs und meinte immer noch angriffslustig: "Das war ein perfekter Auftritt. So ein Abend kann den Lauf der Saison verändern."
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Tuchel zufrieden: "Sehr gute Mannschaftsleistung"

Quelle: Perform

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