Manchester City holt die Champions League, Lionel Messi und Karim Benzema gehen: Zäsur im europäischen Fußball
VonThomas Gaber
Publiziert 12/06/2023 um 13:23 GMT+2 Uhr
Erstmals hat ein von arabischen Investoren gesteuerter Klub die Champions League gewonnen. Doch nicht nur Titel in der Königsklasse für Manchester City stellt eine Zäsur im Vereinsfußball dar. Nach Cristiano Ronaldo verlassen mit Lionel Messi, Zlatan Ibrahimovic und Karim Benzema drei weitere Superstars die europäische Bühne. Eine neue Ära bricht an - und die ist nicht gerade vielversprechend.
Pep Guardiola gewann als Trainer zum dritten Mal die Champions League
Fotocredit: Getty Images
Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan wagte am Samstag in Istanbul einen seltenen Auftritt in der Öffentlichkeit. Seit der Übernahme von Manchester City im Jahr 2008 war der Klubboss erst zum zweiten Mal im Stadion, um seine Skyblues live kicken zu sehen.
Mansour mag nach eigener Aussage den Trubel nicht, den ersehnten Champions-League-Titel im Finale gegen Inter Mailand wollte er aber dann doch persönlich miterleben. Der Scheich komplettierte eine schräge erste Reihe auf der Ehrentribüne im Atatürk-Stadion an der Seite des türkischenPräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und FIFA-Boss Gianni Infantino.
Mansours Reise nach Istanbul hat sich rentiert. Die aberwitzigen Investitionen des staatlichen Unternehmens Abu Dhabi United Group Investment & Development Limited haben sich am Samstagabend ausgezahlt. Knapp 2,5 Milliarden pulverte Mansour in den letzten 15 Jahren in neue Spieler, um sich die wichtigste Trophäe im Vereinsfußball einzuverleiben.
Nach zig erfolglosen Anläufen ist in Istanbul alles so gekommen, wie es kommen musste. Auf ewig ließ sich der mit arabischen Milliarden alimentierte City-Train nicht aufhalten. Im Gegensatz zum Investoren-Pendant Paris Saint-Germain hat es Manchester geschafft, mit dem vielen Geld eine vernünftige Fußballmannschaft zusammenzustellen, die seit sieben Jahren von Ausnahme-Coach Pep Guardiola angeleitet wird.
Foden tönt: "Bestes Team, das ich je gesehen habe"
Mit dem Gewinn des Henkelpotts hat es etwas länger gedauert als geplant, es ist jedoch nicht auszuschließen, dass dies der Beginn einer neuen erfolgreichen Ära ist. Mühelos räumte City die Granden Bayern München und Real Madrid in dieser Saison aus dem Weg.
"Das Triple ist etwas ganz Besonderes, vor allem die Art und Weise, wie wir es geholt haben. Die Spiele gegen Bayern und Real waren nicht knapp, wir haben dominiert. Das ist das beste Team, das ich je gesehen habe", sagte Phil Foden nach dem Triumph.
Man muss davon ausgehen, dass das Geld in Manchester weiter so tüchtig sprudeln wird wie das Öl in den Emiraten. Aber nicht nur dort. Mit Newcastle United schickt sich ein weiterer englischer Klub an, ein Schwergewicht in Europa zu werden. Seit 2021 gehören die Magpies faktisch dem saudi-arabischen Staat und werden in der kommenden Saison erstmals seit 21 Jahren wieder Champions League spielen.
Während der geplante Investoren-Einstieg in der Deutschen Fußball Liga von den Klubs der ersten und zweiten Bundesliga abgeschmettert wurde, werden die Geldgeber von den Fans der englischen Vereine mit offenen Armen empfangen. Zumindest in Manchester und Newcastle.
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Scheich Mansour kommt bei den Fans von Manchester City gut an
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Champions League auf Weg zu "Super League light"
Vor zehn Jahren standen sich der FC Bayern und Borussia Dortmund im rein deutschen Champions-League-Finale gegenüber. Für Matthias Sammer ist der Zeitpunkt für eine mögliche Wiederholung dessen "nicht messbar". Der deutsche Fußball sei davon "Lichtjahre entfernt". Bayerns Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Rummenigge ergänzte, dass die Investoren und Staatsfonds, gerade in der Premier League, die Konkurrenz aktuell "vor sich her oder gar in den Wahnsinn" treiben würden.
Am Sonntag legte Uli Hoeneß nach. "Ich habe große Sorgen, was da aus Saudi-Arabien kommt, die scheinen unendlich Geld zu haben. Wir zahlen das über unseren Ölpreis. Aber Lamentieren hat keinen Sinn, wir müssen andere Wege finden, um dem zu begegnen. Aber es wird sicher nicht einfach werde in den nächsten zehn Jahren", sagte Bayerns Ehrenpräsident bei "Sky".
Die Kluft dürfte in Zukunft eher noch größer werden, zumal in der Champions League ab der Saison 2024/25 noch ein bisschen mehr Geld gescheffelt werden kann. Ab dann gehen 32 Teams auf die Jagd nach dem Henkelpott. Die Gleichung ist simpel: Mehr Spiele bedeuten mehr Geld für die Klubs. Je weiter man kommt, desto lauter klingelt die Kasse. In den letzten drei Jahren schaffte es keine deutsche Mannschaft mehr ins Halbfinale.
Der europäische Vereinsfußball erlebt eine Zäsur, manifestiert durch Citys Coup in der Königsklasse und dem - trotz aller Dementi - eingeschlagenen Weg in Richtung einer Superliga. Eine Champions League mit 32 statt 24 Teams ist nicht weniger als eine "Super League light".
Ronaldo, Messi, Benzema: Superstars verlassen Europa
Auch personell bedeutet das Ende der Saison 2022/23 einen tiefen Einschnitt. Cristiano Ronaldo kehrte Europa mit seinem Wechsel zum saudischen Klub al-Nassr FC schon im Januar den Rücken. Lionel Messi verabschiedet sich in die USA zu Inter Miami.
Die zwei prägenden Spieler in Europa der letzten 15 Jahre sind nicht mehr da und mit Karim Benzema wird auch der aktuelle Ballon d'Or-Sieger demnächst in Saudi-Arabien kicken. Ach ja, mit Zlatan Ibrahimovic hat ein weiterer Superstar über fast zwei Jahrzehnte seine Karriere beendet.
Viele große Spieler sind von der europäischen Bühne verschwunden und während sich die Major League Soccer in den USA und Saudi-Arabien einen Kulturkampf um die alternden Stars liefern, kontrolliert Abu Dhabi die Spitze des hiesigen Fußballs. Eine gefährliche und unschöne Entwicklung, die (vorerst) kaum zu stoppen ist.
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Quelle: Perform
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