FC Bayern gegen Real Madrid - der Mythos der Schwarzen Bestie vor dem Halbfinale-Kracher in der Champions League

Im Champions-League-Halbfinale kommt es zum Duell des FC Bayern mit Real Madrid - eine Paarung mit großer Geschichte und dem "uralten" Mythos der Schwarzen Bestie. Einst fürchteten sich die Königlichen vor keinem Klub so sehr wie vor "La Bestia Negra". Doch verbreitet der FC Bayern mit seinem angezählten Trainer dieser Tage wirklich noch Angst und Schrecken im Lager des größten Klubs der Welt?

Tuchel wiederholt: "Gnabry wird treffen" - Sonderlob für Ancelotti

Quelle: Perform

Treffen der FC Bayern und Real Madrid aufeinander, ist vor allem in spanischen Medien oft von "La Bestia Negra" (Deutsch: Die Schwarze Bestie) die Rede.
Ein in Spanien im Sport geläufiger Ausdruck, der keineswegs auf die schwarzen Trikots eines Teams zielt, sondern einen Gegner beschreibt, gegen den man einfach nicht gewinnen kann. Hierzulande würde man von einem "Angstgegner" schreiben.
Im Bezug auf den FC Bayern hat der Begriff seinen Ursprung rund um die Jahrtausendwende. Zwischen dem Jahr 2000 und 2012 entschied der FC Bayern neun von 14 Duellen mit den Königlichen für sich und verbreitete beim Weltklub Angst und Schrecken.
Zudem machten auch weitere spanische Vereine nachhaltige Erfahrungen mit der deutschen Übermannschaft - beispielsweise der FC Valencia im Champions-League-Finale 2001 (4:5 n.E.).
picture

Kimmich: "Real kann jeden Gegner schlagen"

Quelle: Perform

La Bestia Negra: Realität oder Relikt vergangener Tage?

In der jüngeren Vergangenheit hat der Mythos der Schwarzen Bestie jedoch - gelinde ausgedrückt - gelitten. In den Duellen mit Real wirkten die Münchner zuletzt ehrfürchtig und überfordert. Zahnlose Bestie.
Die vergangenen drei Duelle in der K.o.-Phase der Champions League (Halbfinale 2014, Viertelfinale 2017, Halbfinale 2018) endeten für den deutschen Rekordmeister mit dem Aus.
In keinem dieser sechs Spiele gelang den Münchnern dabei ein Sieg gegen den Rekordchampion der Königsklasse (14 Titel inklusive Europapokal der Landesmeister). Teilweise kam man gar ordentlich unter die Räder, wie beim 0:4 im Halbfinal-Rückspiel 2014 in der Allianz Arena.
picture

Cristiano Ronaldo traf beim 4:0 der Madrilenen in München im Jahr 2014 gleich doppelt

Fotocredit: Getty Images

Keine wirklich bestialische Bilanz.
"Der FC Bayern war für Real Madrid viele Jahre ein Albtraum", sagt Jorge Ordas von Eurosport Spanien in Madrid. Inzwischen sei die Gemengelage aber eine andere. Real sehe sich zwar nicht in jedem Duell gegen den FC Bayern als Favorit, aber die Erfolge der jüngeren Vergangenheit, vor allem in der Champions League, haben Real dieses "Trauma" überwinden lassen.
"Die Angst von gestern gibt es nicht mehr", so Ordas.

"Marca" macht Stimmung vor Giganten-Duell

Dennoch ist der Respekt vor dem FC Bayern in der spanischen Hauptstadt groß. "In der Bundesliga sind die Bayern zwar nicht so gut, aber gegen Arsenal haben sie zwei spektakuläre Spiele auf hohem Niveau gezeigt. Der Angriff ist top", schwärmte Real-Trainer Carlo Ancelotti auf der Pressekonferenz am Montag von seinem Ex-Klub.
Außerdem hätten die Münchner wie Real viel Tradition in der Champions League. Dies würde auch eine Rolle spielen, so Ancelotti weiter.
Allerdings droht den Bayern die erste titellose Saison seit 13 Jahren (2010/11), die letzte verbleibende Chance ist der Henkelpott. Zudem herrscht nach der öffentlichen Diskredition von Trainer Thomas Tuchel durch Ehrenpräsident Uli Hoeneß Unruhe im Klub, die auch in der spanischen Hauptstadt große Wellen schlägt.
So schreibt die Tageszeitung "Marca" sogar martialisch von "Krieg in München" und glaubt, dass auch "der Sieg des bayrischen Klubs gegen Eintracht Frankfurt (2:1) die turbulente Lage in München vor dem Spiel gegen Real am Dienstag nicht beruhigen" könne.
Auf der anderen Seite: Tuchel dürfte geladen und bis in die Haarspitzen motiviert sein. Die gekränkte "Trainerehre", wie der geschasste Coach seinen Gefühlszustand am Wochenende beschrieb, könnte sich ebenso gut in einen für Real gefährlichen Jetzt-erst-recht-Trotz verwandeln, wie Ordas anmerkt: "Hoeneß und Tuchel haben beide ohne jeden Zweifel herausragende Karrieren. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass Tuchel sich jetzt besonders beweisen will."
Getreu dem Motto: Vorsicht vor der angeschossenen Bestie.
picture

Tuchel lächelt Hoeneß-Kritik weg: "Dazu sage ich nichts"

Quelle: Eurosport

Kimmich wieder Schlüsselspieler?

"Die Balance zwischen Hunger und Erfahrung könnte der Schlüssel sein", sagt Co-Kapitän Joshua Kimmich im ausführlichen Interview mit der "AS" und ist sich der Schwere der Aufgabe durchaus bewusst.
Beim letzten Aufeinandertreffen vor sechs Jahren brachte er die Münchner in beiden Spielen 1:0 in Führung, war trotz des späteren Ausscheidens einer der Schlüsselspieler auf Bayern-Seite.
Genau wie auch heute lief der Nationalspieler im Jahr 2018 als Rechtsverteidiger auf und musste sich vornehmlich um einen gewissen Cristiano Ronaldo kümmern. In der 2024er-Ausgabe des Gigantentreffens dürfte es Vinícius Júnior sein, den der 29-Jährige in Schach halten muss.
picture

Joshua Kimmich traf im Halbfinale der CHampions League 2018 gegen Real Madrid zum 1:0

Fotocredit: Getty Images

"Als Rechtsverteidiger bekommst du unglücklicherweise oder glücklicherweise den vielleicht besten Spieler der anderen Mannschaft als Gegenspieler", sagt Kimmich, freut sich aber auf die Duelle mit dem pfeilschnellen und trickreichen Brasilianer.
"Ich weiß, dass er in Eins-gegen-Eins-Situationen sehr stark ist. Wie Kylian Mbappé. Deshalb freue ich mich sehr, gegen ihn anzutreten und mit ihm zu konkurrieren."

Bayern gibt sich selbstbewusst

Genau wie Kimmich gibt sich auch Leon Goretzka vor dem Spiel des Jahres optimistisch.
"Ich glaube an uns", sagte Goretzka im Interview mit den vereinseigenen Medien. In der Runde zuvor gegen den FC Arsenal sei "etwas entstanden". Das habe "man danach in der Kabine gespürt".
Goretzka hofft deshalb auf ein Happy End einer holprigen Saison: "Das könnte der Anfang von etwas Großem sein."
Der Einzug ins Champions-League-Finale wäre nicht nur etwas Großes, er wäre wohl auch die Wiedergeburt der Schwarzen Bestie.
picture

Kimmich zu Tuchel: "Man hat das Feuer mitbekommen"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung