Thomas Müller leitet für Bayern Siegtor von Mathys Tel ein: Auch in Teilzeit immer noch Weltklasse
VonThomas Gaber
Publiziert 04/10/2023 um 11:48 GMT+2 Uhr
In den letzten fünf Pflichtspielen des FC Bayern kam Thomas Müller gerade mal 27 Minuten zum Einsatz. Dass der 34-Jährige auch als Teilzeitprofi noch enormen Wert für die Münchner hat, zeigte er in der Schlussphase in Kopenhagen. Müller will öfter spielen, hat mit seiner Situation aber - zumindest für den Moment - Frieden geschlossen. Sein Charakter macht ihn für die Bayern unverzichtbar.
Tuchel schwärmt von Müller: "Hat darauf gebrannt"
Quelle: Perform
Diesmal sollte es ein bisschen mehr sein. 25 Minuten vor Schluss stand Thomas Müller zur Einwechslung bereit. Gemeinsam mit Mathys Tel und Eric-Maxime Choupo-Moting sollte er für die Bayern das Ruder noch rumreißen in Kopenhagen.
Doch aus dem geplanten Dreifach-Wechsel wurde nichts, weil Jamal Musiala just in diesem Moment das 1:1 erzielte (67.) und damit kollektives Grinsen auslöste bei Trainer Thomas Tuchel und den drei wartenden Edel-Jokern.
Tuchel plante flugs um und ließ seine Startelf weitere zehn Minuten auf dem Platz. "Der Trainer wollte aufgrund des Spielverlaufs noch ein bisschen abwarten. Da kamen wir eben ein bisschen später rein. Aber dafür mit Gebrüll", sagte Müller.
Statt 25 bekam Müller nur 13 Minuten. So viele wie beim 7:0 gegen Bochum. Hinzu kommt ein Minütchen beim 4:3 gegen Manchester United. Im DFB-Pokal gegen Münster (4:0) fehlte er wegen Adduktorenproblemen, beim 2:2 in Leipzig blieb ihm nur ein Bankplatz.
Thomas Müller: Perfekte Vorlage für Mathys Tel
Trotz des erneuten Kurzeinsatzes wollte es Müller diesmal ganz genau wissen. Auf sie mit Gebrüll. In der 83. Minute verlängerte Harry Kane einen Abschlag von Sven Ulreich in den Lauf von Müller. Der legte sich den Ball beim zweiten Kontakt etwas zu weit vor, ging aber energisch nach, räumte zwei Gegenspieler aus dem Weg, täuschte einen Schuss an, um letztlich Tel links im Strafraum zu bedienen. Tel schweißte den Ball unters Dach und sicherte den Bayern so drei Punkte.
"Dieses Tor gehört zu 80 Prozent Thomas Müller", rechnete Torhüter Sven Ulreich vor. Matchwinner Tel bedankte sich auf Instagram artig bei seinem Vorlagengeber. "Danke Legende!", schrieb der 18-Jährige.
Müller selbst fand seine Aktion "schon irgendwie cool. Der blonde Engel von Kopenhagen kam über meine rechte Seite mit Tempo 37. Da musste ich mich schon wehren. Und dann machen wir das Tor direkt vor unseren eigenen Leuten. Da war richtig Radau und Volumen. Mit dem Ausgang war es für uns natürlich ein geiles Champions-League-Spiel."
Thomas Müller: Plädoyer von Matthias Sammer
Daran hatte Müller entscheidenden Anteil. Mit seiner genialen Vorarbeit in der Crunchtime eines für die Bayern schwierigen Champions-League-Auswärtsspiels hat er einmal mehr bewiesen, dass er immer noch sehr wichtig sein kann - unabhängig von seinen Einsatzminuten. "Es ist klar, dass er unser Spiel verändern kann. Seine positive Energie und seine Qualität haben uns einen unglaublichen Schub gebracht", lobte Tuchel.
"Amazon"-Experte Matthias Sammer hielt anschließend ein flammendes Plädoyer für Müller: "Wir einigen uns darauf. Egal, ob der Müller schnell oder langsam ist und ob er in irgendein System passt oder nicht: Müller musst du normal immer spielen lassen. Er ist einfach Weltklasse! Müller verändert das Spiel! Das ist einfach so. Seine Laufwege, er antizipiert, wo die Bälle landen können. Müller, ich liebe ihn."
Was in letzter Zeit angenehm auffällt, ist Müllers relaxter Umgang mit seiner nicht ganz einfachen Rolle. Er pendelt irgendwo zwischen Stammplatz, Reservistendasein und Altersteilzeit. Nach außen hin hat er sich damit - zumindest fürs Erste - abgefunden.
Müller ist keiner, der den Kopf einzieht und niemand, der wortkarg und miesepetrig schlechte Stimmung verbreitet, wenn er nicht regelmäßig in der Startelf steht. Müller nimmt sich selbst nicht wichtig.
"Ich bin - unabhängig von meiner bisherigen Karriere - ein ganz normaler Kaderspieler und will natürlich auch Minuten und mich empfehlen. Ich bin auf jeden Fall bissig. Aber am Ende stellt der Trainer auf", sagte er mit einem großen Maß an Demut.
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Quelle: Perform
In der Kabine unumstritten, auf dem Platz ein Kämpfer
Nichtsdestotrotz hat Müller natürlich Ansprüche. Er wolle "nicht einfach nur Minuten sammeln", vielmehr ist er "davon überzeugt, dass ich mit meinen Stärken auch der Mannschaft helfen kann". Das tut Müller noch immer mit Bravour auf dem Platz, insbesondere aber auch außerhalb.
"Thomas ist einfach ein wichtiger Charakter in der Kabine, der immer wieder nach vorne pusht", erklärte Ulreich nach der Partie. Tel ergänzte seinen Instagram-Post mit einer persönlichen Huldigung an Müller. "Seit dem ersten Tag, an dem du mich begrüßt hast, bist du ein echter Anführer für uns. Ich lerne jeden Tag an deiner Seite", schrieb Tel.
In der Kabine ist Müller unumstrittener, hoch angesehener Führungsspieler. Auf dem Platz kämpft er um seine Chance. Bekommt er sie, liefert er in der Regel ab. Der Sieg in Kopenhagen war Müllers 101. in der Champions League. Damit zieht er mit Iker Casillas gleich; zu Cristiano Ronaldo fehlen ihm "nur" noch weitere 14.
Was die Siegquote angeht, hat Müller den Thron längst bestiegen. Er hat 70,1 Prozent seiner Partien in der Königsklasse gewonnen. Casillas kommt auf 57, CR7 auf 63 Prozent.
Müller spielt zwar nicht mehr immer, aber er ist der Erfolgsgarant des FC Bayern schlechthin. Und Beharrlichkeit, Charakter und Können zahlen sich aus. Tuchel kündigte nämlich an, dass Müller "bald auch wieder von Anfang an" spielen wird.
Thomas Müller und der FC Bayern - diese Erfolgsgeschichte ist noch lange nicht vorbei.
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