Drei Dinge, die beim BVB-Debakel in Barcelona auffielen: Barças Traum-Trio zerstört Kovacs Matchplan - Flick-Elf kann fürs Halbfinale planen
VonThomas Gaber
Update 10/04/2025 um 08:31 GMT+2 Uhr
Für Borussia Dortmund hätte das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Barcelona kaum schlechter laufen können. Die 0:4 (0:1)-Klatsche ist nicht nur auf die Klasse von Lamine Yamal, Raphinha & Co. zurückzuführen, sondern auch auf einen nicht funktionierenden Matchplan des BVB. Für das Rückspiel gibt es kaum Hoffnung, die Qualitätsunterschiede beider Mannschaften waren einfach zu groß.
Kovac "Haben noch einen Funken Hoffnung"
Quelle: Perform
Die Hoffnung auf das Halbfinale ist nahezu zerstört. Mit 0:4 (0:1) ging Borussia Dortmund beim FC Barcelona unter. Die Tore erzielten Raphinha (25.), zweimal Robert Lewandowski (48., 66.) und abschließend Lamine Yamal (77.).
"Wir haben verdient verloren", sagte BVB-Trainer Niko Kovac. "Wir haben uns selber bestraft. Eine Standardsituation, drei Kontertore, das ist definitiv zu viel. Wir haben schlecht verteidigt."
Barça-Stürmer Lewandowski sagte: "Das war eine große Leistung von uns, aber es ist noch nicht vorbei. Wir haben noch das Rückspiel."
Drei Dinge, die uns am Mittwochabend auffielen.
1. Dortmunder Gegentore zur Unzeit
In den ersten 15 Minuten wusste der BVB nicht, wo vorne und wo hinten ist. Lamine Yamal spielte mit Ramy Bensebaini Jojo, die Dortmunder wurden erdrückt von der Barça-Power.
Barcelona hatte starke 73 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 91 Prozent. Bei Dortmund landeten bis zu diesem Zeitpunkt 25 Prozent der Pässe beim Gegenspieler. Die Ursache dafür: Aufgrund des Pressings und Gegenpressings der Gastgeber hatte der BVB keinen ruhigen Moment am Ball.
Aber: Die Dortmunder überstanden diese erste Sturm- und Drangphase schadlos. Ausgerechnet als die Katalanen einen Gang zurückschalteten und der BVB mehr Ballbesitzphasen hatte, fingen sie sich das erste Gegentor - infolge einer Standardsituation ein.
Zum Ende der ersten Halbzeit wurde Dortmund erneut stärker. Stürmer Serhou Guirassy hatte zwischen der 36. Minute und dem Halbzeitpfiff drei Top-Chancen, konnte aber keine davon nutzen. Dennoch hätte das mental ein Mutmacher für die zweite Halbzeit gewesen sein können.
Stattdessen kassierte Dortmund in der 48. Minute den nächsten Gegentreffer. Der BVB schien durch diese Nackenschläge den Mut zu verlieren. Sie begingen einfache Fehler, die Barcelona eiskalt ausnutzte.
BVB-Torwart Gregor Kobel erklärte: "Wir haben es ihnen zu einfach gemacht. Wir haben viele Bälle in den Druck reingespielt. Sie waren sehr aggressiv im Gegenpressing, sind uns immer angelaufen und angesprintet."
2. Barcelona hat "ein Trio zum Träumen"
Raphinha, Lewandowski und Yamal nahmen die Defensive von Dortmund auseinander. "DAZN"-Experte Sami Khedira sprach aus Sicht des BVB von einem "Trio zum Fürchten". Für Barcelona hingegen sei es "ein Trio zum Träumen."
Zugegeben: Raphinha hätte auch zum Sündenbock werden können. Offiziell ist er der Torschütze des 1:0. Tatsächlich aber wäre der Abschluss von Pau Cubarsi auch so im Tor gelandet. Völlig unnötig grätschte Raphinha den Ball über die Linie und hatte Glück, dass er nicht im Abseits stand. Später ließ er noch zwei Torvorlagen folgen.
Den schwierigsten Job des BVB hatte Bensebaini. Der Linksverteidiger sollte Lamine Yamal stoppen und wurde regelrecht schwindelig gespielt. Beim 2:0 chippte der 17-Jährige den Ball in den Strafraum. Raphinha köpfte daraufhin aus spitzem Winkel zu Lewandowski, der den Ball reinnickte.
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Champions League: Raphinha und Lamine Yamal jubeln über einen Treffer des FC Barcelona gegen Borussia Dortmund im Viertelfinal-Hinspiel
Fotocredit: Getty Images
Wenig später war es ein Doppelpass zwischen Fermin und Yamal, mit dem sich Bensebaini überspielen ließ. Es folgte ein Zuspiel auf Lewandowski - schon zappelte der Ball erneut im Netz. Auch das 4:0 war eine Gemeinschaftsproduktion des Barça-Trios. Lewandowski gewann den Ball, Raphinha legte diesen für Yamal vor - erneut war Gregor Kobel chancenlos.
Khedira lobte Yamal in den höchsten Tönen: "Dieses einfach Unberechenbare, dieses Unstoppable - das hat schon sehr viel Messi like."
BVB-Kapitän Emre Can sah den Grund für die Barça-Dominanz allerdings im eigenen Unvermögen: "Ich finde, wir hätten das besser machen können. Auch wenn sie so gut sind, muss es auch mal knallen. Heute hat es zu wenig geknallt bei uns."
3. Matchplan von Dortmund geht nicht auf
Bei einer 0:4-Niederlage mag der Eindruck entstehen, der BVB hätte keinen richtigen Matchplan gehabt. Tatsächlich aber gab es zumindest einen Denkansatz, wie Barcelona zu bezwingen sein könnte.
Geschäftsführer Lars Ricken verriet vor dem Spiel: "Es ist offensichtlich, wenn du Spiele von Barcelona siehst, wo du sie kriegen kannst. Wir haben heute mit Gittens und Adeyemi mit die schnellsten Spieler der Bundesliga auf dem Platz. Das müssen wir nutzen. Und wir haben ein spielstarkes Mittelfeld mit Nmecha, Chukwuemeka und Brandt, die diese Leute einsetzen können."
Soviel zur Theorie. Das Geschehen auf dem Platz hatte damit wenig zu tun. Karim Adeyemi verbuchte in der ersten Halbzeit lediglich 17 Ballkontakte, bekam keine nennenswerte Torchance zustande und wurde in der Pause für Maximilian Beier aus dem Spiel genommen.
Auch Gittens war kein großer Faktor. Bis zu seiner Auswechslung in der 77. Minute hatte er 28 Ballkontakte. Nur kurz nach der Halbzeit ließ er sein Potenzial aufblitzen, als er an Gegenspieler Jules Koundé vorbeizog und den Ball knapp neben das Tor schlenzte.
Warum das Offensivspiel nicht funktionierte? "Wir hatten schon Situationen, um Fußball zu spielen. Wenn das der Fall war, wurden wir auch oft gefährlich", sagte Can. "Aber das haben wir zu wenig hinbekommen."
In der Abwehr stellte Kovac von der zuletzt gut funktionierenden Fünferkette auf eine Viererkette um. Möglicherweise ein Fehler? Can verneinte: "Das ist keine Systemfrage. Es ist die Frage, ob jeder bereit ist, 100 Prozent zu geben und gegen Barcelona auch einmal über die Schmerzgrenze hinwegzugehen." Dies war offenbar nicht der Fall.
Keiner der Beteiligten äußerte nach dem Spiel Hoffnung, im Rückspiel ein Fußball-Wunder vollbringen zu können. Der qualitative Unterschied war einfach zu groß.
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