FC Bayern verliert Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zuhause gegen Inter Mailand - zwei Erkenntnisse, die den Bayern Hoffnung geben
Der FC Bayern kassierte am Dienstag im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Inter Mailand vor heimischer Kulisse eine späte und gleichsam bittere 1:2-Niederlage. Doch nicht nur das historische Comeback im Giuseppe-Meazza-Stadion im Jahr 1988 zeigt: Grund zum Trübsalblasen gibt es nicht, im Rückspiel ist - trotz Verletztenmisere - noch alles für den deutschen Rekordmeister drin.
Kompany unzufrieden: "Normalerweise schießen wir zwei, drei Tore"
Quelle: Perform
Als Klaus Augenthaler, dem Zeitgeist entsprechend mit imposanter Vokuhila-Frisur ausgestattet, am Abend des 7. Dezember 1988 vor die Kameras trat, schien er das, was sich zuvor auf dem Rasen des Giuseppe-Meazza-Stadion zugetragen hatte, selbst noch nicht realisiert zu haben.
"Ich glaube das erst, wenn ich es morgen in der Zeitung lese", sagte der damalige Abwehrrecke des FC Bayern mit schelmischem Grinsen: "Ich bin immer noch sprachlos. Auf uns hat doch niemand einen Pfifferling gesetzt, niemand hat geglaubt, dass wir noch weiterkommen."
Doch die Münchner hatten das damals schier Unmögliche tatsächlich möglich gemacht und Inter Mailand, einen Klub, der seinerzeit in puncto Personal einer Weltauswahl gleichkam, im Achtelfinale des UEFA Cups nach einer 0:2-Heimniederlage im Hinspiel dank eines 3:1-Sieges doch noch aus dem Wettbewerb geschossen.
Augenthaler war als Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:0 an ebenjenem Abend neben Torhüter Raimund Aumann gegen das Starensemble um Walter Zenga, Giuseppi Bergomi, Andreas Brehme und Lothar Matthäus zum Helden avanciert – und in die ruhmreiche FCB-Historie eingegangen.
Bayern hoffen auf ein Mailand-Wunder reloaded
Auf einen ähnlichen Verlauf hoffen die Protagonisten der Neuzeit nun ebenfalls. 1:2 ging das erste Aufeinandertreffen mit den Nerazzurri im Viertelfinale der Champions League am Dienstag verloren. Lautaro Martínez‘ herrlicher Außenrist-Treffer (38.) sowie Davide Frattesis Tor kurz vor Schluss (88.) trafen die Bayern ins Mark und verhinderten ein Thomas-Müller-Märchen.
Denn: Müller, um den sich in den vergangenen Tagen nach Bekanntgabe seines Abschieds am Saisonende freilich alles gedreht hatte, markierte nur elf Minuten nach seiner Einwechslung den Ausgleich (85.) und brachte die stimmungstechnisch bisweilen eindämmernde Allianz Arena mit einem Mal zum Beben. Als Stimmungskiller Frattesi zuschlug, kippte die Richterskala allerdings wieder in einen nicht messbaren Bereich.
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Davide Frattesi schoss Inter Mailand zum Sieg beim FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Trotz der Niederlage besteht beim deutschen Rekordmeister allerdings berechtigte Hoffnung aufs Weiterkommen – und die Teilnahme am Finale dahoam 2.0 – und zwar nicht nur mit Blick auf die Ereignisse von 1988 und nicht bloß aufgrund des Aspekts, dass die Bayern in Mailand bisher jedes einzelne ihrer vier Duelle gewannen (3:1 – 1988, 2:0 – 2006, 1:0 – 2011, 2:0 – 2022).
Trotz Verletzungsmisere: Bayern mit Chancen
Nein, die Erfahrungen aus dem jüngsten Aufeinandertreffen haben offenbart, dass trotz des prall gefüllten Lazaretts, das mit namhaften Akteuren wie Manuel Neuer, Dayot Upamecano, Alphonso Davies, Aleksandar Pavlovic, Kingsley Coman und Jamal Musiala aufwartet, spielerische Lösungen gegen eine der erfolgreichsten Mannschaften der laufenden Königsklassen-Saison (eine Niederlage in elf Spielen, drei Gegentore) gefunden werden.
Immer wieder gelang es, gefährliche Situationen zu kreieren. Allen voran der umtriebige Michael Olise tauchte immer wieder gefährlich vor des Gegners Tor auf, einzig die nötige Fortune ging dem Franzosen ab.
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Harry Kane kann seine vergebene Torchance kaum fassen
Fotocredit: Getty Images
Selbst Harry Kane, traditionell die personifizierte Kaltschnäuzigkeit, hatte das Glück an diesem Abend verlassen. Dass der Engländer freistehend den Pfosten trifft und nicht das Netz zappeln lässt – wie in Minute 26 geschehen – kam einer fußballerischen Rarität gleich.
"Es ist frustrierend. Das Spiel hätte mehr hergegeben", ärgerte sich Konrad Laimer im Nachgang am "Amazon"-Mikrofon über die verpassten Chancen. Trainer Vincent Kompany haderte: "Wir hatten die Möglichkeiten, wir waren gefährlich, wir haben mutig gespielt. Normalerweise schießen wir ein bis zwei Tore."
Kane hadert: "Passiert nicht oft"
Pechvogel Kane erklärte in der Mixed Zone: "Das passiert nicht oft. Das ist das Schicksal eines Stürmers, manchmal kommt sowas eben vor." Er schob nach: "Man muss mit den Hochs und Tiefs umgehen können. Der positive Aspekt ist, dass ich meine Chancen bekomme."
Was alle Protagonisten zu später Stunde in Fröttmaning einte: Der Glaube daran, die verpassten Möglichkeiten im Rückspiel wettzumachen. "Das war keine verdiente Niederlage. Natürlich ist das kein positives Ergebnis für uns. Aber wir fühlen, dass noch etwas möglich ist", sagte Ersatzkapitän Joshua Kimmich gegenüber den anwesenden Journalisten.
Torschütze Müller sagte: "Es ist ein Tor Unterschied, das ist eine Aktion. Wir lassen uns davon nicht herunterziehen. Wir schauen positiv nach vorne und versuchen, unsere Lehren daraus zu ziehen."
Auch Vorstandschef Jan-Christian Dreesen gab kampfeslustig zu Protokoll: "Es ist nur ein Tor, wir schauen mit Zuversicht nach Mailand." Auf die Frage, ob er an eine Wiederholung des "Wunder von Mailand" aus dem Jahr 1988 glaube? "Selbstverständlich!"
Dass es eine ähnliche Geschichte auch in umgekehrter Version bereits gab, Inter 2011 nach 0:1-Heimniederlage im Rückspiel noch 2:0 in München gewann und ins Champions-League-Viertelfinale einzog, wollte an diesem Abend verständlicherweise niemand hören.
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Anton vor Barça-Duell: "Gutes Ergebnis für Schlotti erzielen"
Quelle: Perform
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