FC Bayern München - kein Harry Kane, kein Problem im Angriff: Warum die Tormaschine weiter auf Hochtouren läuft

Der FC Bayern München hat sein "Zwangsexperiment" mit Auszeichnung abgeschlossen und auch ohne Harry Kane die Tormaschine auf Hochtouren laufen lassen. Die Auftritte beim 6:1 in der Champions League bei Atalanta und zuvor das klare 4:1 gegen Borussia Mönchengladbach zeigen: Kein Kane, kein Problem. Zumindest vorerst nicht, denn der FCB hat durchaus Sorgen - was aber nicht am Top-Goalgetter liegt.

Kompany zur Bayern-Gala: "18 Monate, dass wir das vorbereiten"

Quelle: Perform

Das Paradoxon ist nicht neu beim FC Bayern. Haben die Münchner einen Stürmer von absolutem Weltklasseformat mit quasi eingebauter Torgarantie im Kader, dauerte es meist nicht lange, bis auf die gefährliche Abhängigkeit von ebenjenem hingewiesen wird. Das war bei Robert Lewandowski der Fall, bevor sich dieses Mantra mit Harry Kane wiederholte.
"Wenn Harry weg ist, dann ist da keiner, den sie suchen können", umriss Felix Magath schon vor einem Jahr bei "Sky" die vermeintliche Problematik im Offensivspiel der Bayern.
Eine Kritik, die sich seitdem in unterschiedlicher Ausprägung regelmäßig von verschiedenen Seiten wiederholte.
Umso mehr, als dass die Zahlen diese zu untermauern schienen. Nur neun Pflichtspiele hatte es bis zu Kanes Ausfall am vergangenen Wochenende gegen Gladbach (4:1) gegeben, bei denen der englische Goalgetter nicht auf dem Platz stand. Die Bilanz: Vier Siege, vier Niederlagen, ein Remis. Durchschnitt also, so gar nicht Bayern-like.

"Harry hat heute nicht gespielt, Jackson hat's gemacht"

Doch das Bild hat sich geändert. In den ersten beiden Partien dieser Saison ohne Kane (Wadenprobleme) haben die Bayern zwei Siege, 10:2 Tore und jede Menge Offensivspektakel geboten.
Er habe dem Team erklärt, dass es zwar "schade" sei, dass Kane fehle, "aber ich habe den Jungs auch gesagt: Ich hab volles Vertrauen in den Kader", beschrieb Trainer Vincent Kompany bei "Prime Video" seinen Umgang mit dem prominenten Ausfall.
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FC Bayern: Ersatzspieler Harry Kane (li.) jubelt mit Nicolas Jackson in Bergamo

Fotocredit: Getty Images

Das zahlte sich aus. "Harry hat heute nicht gespielt, Jackson hat's gemacht", brachte es Kompany nach dem 6:1 bei Atalanta kurz und bündig auf den Punkt. Weil auch der überragende Michael Olise (2 Tore), Jamal Musiala (1) sowie Serge Gnabry (1) trafen und Luis Díaz sich als Torvorbereiter inszenierte, ging die gesamte Offensive gestärkt aus dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League hervor.
Olise sei "der beste Transfer der letzten zehn Jahre aus der Bundesliga. Das ist ein Ausnahmespieler, herausragend. Der macht alles richtig. Er weiß, wann wo der Ball hingehört. Selbst wenn er hoch gepresst wird, mit dem Rücken zum Tor, was Flügelspieler eigentlich nie so gut können, löst er alles auf", geriet 2014-Weltmeister Christoph Kramer bei "Prime Video" ins Schwärmen.

Kimmich: "Das ist das, was wir jetzt brauchen"

Das Spiel des FCB nach vorne war in Bergamo so gut, dass Coach Kompany der Meinung war, man hätte durchaus "noch ein oder zwei Tore mehr schießen" können. Eine Ansicht, aus der nicht Arroganz spricht, sondern die schlicht die unbändige Lust der Mannschaft auf Tore und Erfolge spiegelt.
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Joshua Kimmich muss im Rückspiel gegen Bergamo zuschauen

Fotocredit: Getty Images

"Wir wussten, ein 3:0 zur Halbzeit ist schon ein gutes Ergebnis. Trotzdem wollten wir es noch deutlicher machen. Wir wechseln dann Spieler ein, die hungrig sind, die Tore machen wollen. Das ist das, was wir jetzt in dieser Phase der Saison brauchen", betonte Kapitän Joshua Kimmich.

Bock auf Buden: Die 134-Tore-Bayern sind gnadenlos

Tatsächlich bringen die Bayern diese Gier, diesen Bock auf Angriff schon die gesamte Saison über auf den Platz. Satte 134 Tore erzielte die Kompany-Auswahl in 39 Spielen in Champions League, Bundesliga, DFB-Pokal und Supercup - ein Schnitt von knapp 3,5 Treffern pro Auftritt. Und trotzdem stellen die Münchner die beste Abwehr in der Meisterschaft.
Natürlich ist Kane mit 45 Pflichtspieltoren der Faktor Nummer eins, aber beileibe nicht der einzige, der Gefahr verbreitet. Díaz traf bislang 20 Mal und liegt mit 14 Liga-Treffern auf Rang drei der Torjägerliste. Olise bringt es insgesamt auf 15 Tore, Gnabry (8) und Nicolas Jackson (7) dürften ebenfalls bald zweistellig getroffen haben.
"Díaz und Olise kommen bisher zusammen auf herausragende 67 Torbeteiligungen in Pflichtspielen, das toppt kein anderes Außenstürmer-Paar", verkündet der Verein vor dem Achtelfinal-Hinspiel stolz auf seiner Webseite. Nach der Begegnung steht das Duo bei 71 Torbeteiligungen.

Bayern-Sorgen um Trio und eine böse Erinnerung

Die Angriffspower, die Breite im Kader und vor allem die Spielfreude sowie Gnadenlosigkeit sind aus Sicht der Konkurrenz furchterregend - zumal all das auch ohne Kane funktioniert. Trotzdem brauchen die Bayern diese Komponenten allesamt zwingend, wenn der Traum vom Triple aus Königsklasse, Liga und Pokal in Erfüllung gehen soll. Denn, und das ist die schlechte Nachricht des furiosen Abends von Bergamo, Kompany muss personell schon wieder umdenken.
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FC Bayern bangt um Davies, Musiala, Urbig: Verletzungssorgen beim FCB

Quelle: SID

Linksverteidiger Alphonso Davies (Zerrung der hinteren Oberschenkelmuskulatur im rechten Bein), Mittelfeld-Star Jamal Musiala (Schmerzreaktion im linken Sprunggelenk) und Schlussmann Jonas Urbig (Gehirnerschütterung) mussten verletzt oder angeschlagen ausgewechselt werden.

Böse Erinnerungen an Inter Mailand

Wie lange das Trio pausieren muss und wann Manuel Neuer (Muskelfasereinriss) wieder zwischen den Pfosten stehen kann, ist unklar. Prompt wurden böse Erinnerungen wach. Schon in der vergangenen Saison beim Viertelfinal-Aus gegen Inter Mailand hätten Verletzungen "einiges gekostet", so Kimmich: "Das darf diese Saison nicht passieren."
Einerseits. Andererseits hat Kompany im zweiten Jahr seines Wirkens in München die Mannschaft stabiler gemacht, Ausfälle kompensiert das Star-Ensemble geschmeidiger. Möglicherweise ist die Parole "Kein Kane, kein Problem" ein wenig überzeichnet - aber es ist sicher nicht (mehr) so, dass Panik ausbricht, wenn der Superstar mal nicht auf dem Rasen steht.
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Kompany: Davies und Urbig "ganz offensichtlich verletzt"

Quelle: Eurosport


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