FC Bayern mit Kater auf Single-Party: "Gefühlt mit leeren Händen"

Der FC Bayern München beendet die Saison mit nur einem Titel, was sich kurz nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt wie ein mittelschweres Desaster anfühlt. Deutlich wird das auf einer schiefen Meisterfeier, auf der Jubelklänge nicht zu finsteren Gesichtern passen. Für die Zukunft wollen die Bosse aber nicht von ihrer Philosophie abrücken.

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Vorne funkelte die Schale, hinten machten die Spieler des FC Bayern München Gesichter wie auf einer Beerdigung.
Wie hatte Fredi Bobic am Abend noch gesagt? "Am besten feiert man spontan." Was Eintracht Frankfurt mit seinem Sport-Vorstand auch tat, ausgiebigst. Die Bayern dagegen hatten ihre Feier auf dem Marienplatz schon lange für Sonntag geplant, insgeheim auf eine Double-Party gehofft – dann aber den DFB-Pokal in Berlin vergessen.
"Es hätten drei Titel werden können, es ist nur einer geblieben", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge angesichts des noch nicht überwundenen Champions-League-Scheiterns gegen Real Madrid und der unerwarteten 1:3-Niederlage gegen Frankfurt betreten.
Sein "den Meistertitel feiern wir trotzdem in alter Klasse und Qualität" war ein frommer Wunsch; doch wie in Berlin auf dem Platz kam auf dem Rathausbalkon keins der bayerischen Feierbiester an seine Bestform heran.

Hoeneß über Kimmich: "Total blödsinnig"

Während Thomas Müller und Manuel Neuer zumindest versuchten, vor einigen tausend Fans im Münchner Zentrum den Anschein von Feierlaune zu wahren, schauten andere Profis lange betreten bis komplett deplatziert rein und ließen sich höchstens halbherzig zu einer Wiedergabe des bajuwarischen Gassenhauers "Stern des Südens" ein. Und man konnte es ihnen auch nicht verdenken.
Präsident Uli Hoeneß sah sich dann aber doch genötigt, die Miesepeter – allen voran Joshua Kimmich – ein wenig zur Räson zu rufen. Der Rechtsverteidiger hatte in Berlin im Überschwang der negativen Gefühle die Saison als für ihn "brutal enttäuschend" bezeichnet. Trotz Meisterschale.
"Das ist total blödsinnig", keifte Hoeneß in München angekommen zurück:
Die Deutsche Meisterschaft hatten sie schließlich mit 21 Punkten Vorsprung klar gemacht.

Müller: "Hätte etwas Großes werden können"

Man habe in Berlin die miese Laune "gegen zwei, drei Uhr einfach weggeschwemmt", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Ein bisschen Frustsaufen kann punktuell bekanntlich helfen. Doch unterm Strich fehlte ihnen allen mindestens eine Trophäe zur Glückseligkeit.
"Das war auf jeden Fall ein Titel zu wenig", sagte Thomas Müller auf Nachfrage von Eurosport.de:
Etwas uneinig waren sich die Bayern bei der Analyse des Fauxpas von Berlin. Wie er passieren konnte.
"Es kommt mir vor, als wären es immer die gleichen Gründe: hinten machen wir die Fehler und vorne die Chancen nicht rein", meinte Kimmich miesgelaunt. Auch Hummels und Müller erkannten Muster. "Leichtsinnige Ballverluste sind ein Thema, die sich durch die ganze Saison ziehen", sagte der Abwehrspieler.

Mit Real-Aus war Saison praktisch vorbei

Letztlich mussten sie sich aber auch eingestehen, mit dem 2:2 im Halbfinal-Rückspiel der Champions League bei Real Madrid ihren (enttäuschenden) Saison-Höhepunkt bereits gehabt zu haben. Und dass sich danach nicht mehr für die B-Kategorie an Titeln, sprich den Pokal, vollends motivieren konnten.
"Im Nachhinein gesehen hätten wir das professioneller abstreifen müssen, aber es war danach einfach nicht mehr die gleiche Attitüde da", sagte Müller mit Blick zurück nach Madrid und verglich das Mindset der Bayern in der Rückrunde mit dem eines Radprofis:
Und so verliert man dann auch ein Finale gegen Frankfurt, das es schlicht, da waren sich alle Beteiligten auf beiden Seiten einig, mehr wollte. "Es hat ein bisschen Leidenschaft und Willen gefehlt, um diesen Titel auch noch zu gewinnen", sagte Rummenigge.

Hoeneß fordert "Höchstleistung in wichtigen Spielen"

Hoeneß stellte so etwas wie eine Top-Spiel-Allergie fest:
Bleibt nur die Frage, welche Lehren sie daraus ziehen. Dass sie mit Niko Kovac nun nachweislich einen Cup-Spezialisten als Nachfolger für Jupp Heynckes verpflichtet haben, mag helfen. Neue Spieler, möglicherweise aus dem obersten Regalfach, ebenfalls.
Doch da machten die Bayern am Wochenende eine eigenartige Sinnenwandlung durch. Am Freitag noch hatte Rummenigge bei einem "Bild"-Event gesagt: "Wir haben kein Limit. Wenn wir einen Spieler haben wollen und der 80, 90 Millionen kostet, dann werden wir irgendwann springen müssen."
Am Samstag behauptete Salihamidzic jedoch via "SZ" exakt das Gegenteil: "Ich bin dagegen, dass wir so verrückte Sachen machen, ich glaube nicht, dass wir in die Dimension vorstoßen müssen. Real soll ruhig Neymar kaufen, wir müssen anders sein."

FC Bayern: Hoeneß schließt 100-Millionen-Mann aus

Am Sonntag dann machte Hoeneß in berüchtigte Zampano-Manier das Thema komplett zu:
Nochmal deutlicher:
"Wir müssen eine etwas andere Philosophie haben als Manchester City, als Paris Saint-Germain", pflichtete ihm dann auch Rummenigge bei. Und so müssen's 2018/19 die Alten richten, mit neuem Trainer. Arjen Robben jedenfalls gab sich trotz finsterer Miene auf dem Rathausbalkon schon wieder angriffslustig, er versprach:
Damit sie nicht wieder so finster dreinschauen müssen.
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