BVB nach Zittersieg gegen Gladbach: Das nächste Hoffen auf den Turnaround

Borussia Dortmund hat sich dank Doppelpacker Julian Brandt mit 2:1 (0:0) im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach durchgesetzt, dabei aber spielerisch erneut nicht überzeugen können. Auch wenn der BVB bei Brandts erstem Treffer Glück hatte und Gladbach den Schwarz-Gelben das Leben schwer machte, hofft man in Dortmund, dass der Zittersieg den so dringend benötigten Turnaround eingeleitet hat.

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Aus dem Signal Iduna Park berichtet Andreas Morbach
Bevor es nach dem Kraftakt im Pokal nach Hause ging, sollte Lucien Favre noch ein paar Takte über seinen früheren Klub sagen. Ob Borussia Mönchengladbach, seit drei Runden an der Spitze der Liga, wohl bis zum Ende dort oben mitmischen kann?
"Ja", lautete Favres knappe Antwort, die Gründe für seine Einschätzung ließ sich Dortmunds Cheftrainer dann auf Nachfrage entlocken: "Guter Kader, guter Fußball, flexibel im Spielsystem, sehr gute Spieler, sehr guter Trainer." Woraufhin der Mann zwei Stühle weiter links von ihm spontan anmerkte:
Gelächter im Raum. Ende der Vorstellung.

BVB-Gegner Gladbach: Faust in der Tasche

Gladbach-Coach Marco Rose hatte sein Statement im Gegensatz zu Favre ungefragt abgegeben – in einer Art demonstrativen Höflichkeit. Denn vorrangig ballten die Niederrheinischen nach dem 1:2 (0:0), der zweiten vermeidbaren Niederlage beim BVB innerhalb von elf Tagen, die Fäuste in den Taschen.
"Ich ärgere mich sehr, weil die bessere Mannschaft ausgeschieden ist. Wir waren zwar nicht brillant, aber Dortmund ist nicht viel eingefallen. Für mich hatten wir in beiden Spielen den Sieg verdient", maulte Sportdirektor Max Eberl stellvertretend für die Gäste.
Zwei Jahre lang kam der Videobeweis im DFB-Pokal ab dem Viertelfinale zum Einsatz. In dieser Saison wird dies erstmals im Achtelfinale der Fall sein – aber damit noch immer zu spät für Gladbach: Vor dem ersten seiner beiden Treffer stand Matchwinner Julian Brandt, der die Partie binnen drei Minuten drehte (77./80.), knapp im Abseits.
Der fehlende Videobeweis half den strampelnden Dortmundern also zurück in die Spur. Die andere Borussia kochte derweil, und der frühere BVB-Mann Jonas Hofmann stichelte:

Das Schicksal reicht Dortmund die Hand

Die schwachen letzten Auftritte, die Diskussionen um den Trainer, der sich zwei Tage zuvor im Training auch noch einen Faserriss zugezogen hatte, dazu die kurzfristigen Ausfälle von Abwehrchef Mats Hummels und Kapitän Marco Reus – und schließlich die Gladbacher Führung gegen bis dahin verunsichert-fehlerhafte Gastgeber: Die angespannte Lage beim amtierenden Vizemeister drohte sich weiter zu verschärfen, doch dann wurden die Schwarz-Gelben zu ihrem Glück fast gezwungen.
Weiterhelfen könnte ihnen zudem, dass der kommende Bundesliga Gegner VfL Wolfsburg im nationalen Cup gerade eine 1:6-Abfuhr durch RB Leipzig kassiert hat. Bis zur Länderspielpause pflastern dann noch die Brocken Inter Mailand und FC Bayern den Dortmunder Weg – der auch weiterhin ein Schlingerkurs bleiben könnte.
Schließlich verhalf den Westfalen schon ihr erster, etwas stabilerer Erfolg über Gladbach in der Liga nicht zu mehr Souveränität.

BVB: Leistungsexplosion unwahrscheinlich

Die Partie gegen die starke Fohlen-Elf gedreht zu haben, kann Favres Personal einen moralischen Schub geben. Doch es deutet wenig darauf hin, dass die Mannschaft rasch zu ihrem unwiderstehlichen Offensivfußball aus dem Herbst 2018 zurückfindet.
Die teuren Neuzugänge Brandt und Thorgan Hazard machen zumindest langsame Fortschritte, der für 25 Millionen Euro aus Hoffenheim geholte Nico Schulz dagegen blieb gegen die Rose-Elf völlig blass.
Axel Witsel, das Scharnier im Spiel des BVB, absolviert seinen Part im defensiven Mittelfeld solide – der strahlende Regisseur der Vorsaison ist der Belgier aktuell aber nicht.

BVB: Brandt glaubt an positiven Effekt

"Wir müssen uns das Selbstbewusstsein und die Selbstverständlichkeit mit Erfolgen zurückholen. Solche Siege wie heute, bei denen man die Zähne zusammenbeißen muss, tun uns gut", kommentierte Doppeltorschütze Brandt jedenfalls hoffnungsfroh.
Beim Siegtreffer des früheren Leverkuseners hatte Übungsleiter Favre seinen frischen Faserriss vor Erleichterung "total vergessen". Die Leistung seiner Mannschaft bezeichnete der Schweizer später deutlich nüchterner als "okay".
Und neben dem Ticket fürs Achtelfinale gab's vom Kollegen Rose, der in der Nachspielzeit wegen eines wenig stilvollen Kommentars Rot sah und auf die Tribüne musste, noch den höflichen Ausblick auf das Ende der Saison. Das übliche Schulterklopfen und Plaudern ließ Gladbachs gar nicht so freundlich gestimmter Trainer anschließend aber bleiben – und stürmte lieber an Favre vorbei direkt aus dem Raum.
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