Meier gab damit Paderborns Trainer Steffen Baumgart recht, der sich nach der bitteren 2:3-Niederlage n.V. im "ARD"-Interview darüber echauffiert hatte, dass Stieler nicht noch einmal selbst am Monitor bewertet habe, ob er mit seiner Wahrnehmung richtig lag.
Meier kennt solche Situationen.
"Ich habe selber mal einen Elfmeter gegeben im Spiel FC Arsenal gegen FC Barcelona. Ich war mir 300 Prozent sicher, ich hätte mein ganzes Haus verwettet, dass mein Bild das richtige ist", erzählt der Schweizer und führt aus: "Als ich die Szene nachher im Fernsehen gesehen habe, musste ich sagen: 'Scheiße… der hat den ja nicht mal berührt'. Mein Bild war so, so klar. Es hat alles gestimmt, der ganze Ablauf, alles. Im Nachhinein musste ich feststellen, dass ich es sowas von falsch gesehen habe."
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Das Problem sei, dass man auf dem Feld manchmal zu sehr von seiner eigenen Wahrnehmung überzeugt sei. "Du bist so fest davon überzeugt von dem Bild in deinem Kopf, dass du eben auch deine Entscheidungen danach triffst", erklärt Meier, versteht aber nicht, warum sich Stieler nicht rückversichert habe.
"Heutzutage haben die Schiedsrichter die Möglichkeit, schon auf dem Platz TV-Bilder zu sehen. Du merkst es ja auch schon an den Reaktionen der Spieler, dass es vielleicht jetzt angebracht wäre, rauszugehen. Was kostet es dich, das anzuschauen? Ich verstehe nicht, dass das nicht gemacht wird. Zumal es ja nicht das erste Mal war, dass ein Schiedsrichter genau auf eine solche Situation reingefallen ist."

Meier schlägt verbindliches Videostudium für Schiedsrichter vor

Laut Meier wäre es durchaus sinnvoll, wenn die Schiedsrichter auf dem Platz parallel zu den Überprüfungen im Kölner Keller bzw. Ü-Wagen in Zukunft immer automatisch den Monitor am Spielfeldrand nutzen würde. "Da kann ich als Schiedsrichter doch nur gewinnen", so Meier, der noch einen weiteren Vorteil dieses Vorgehens sieht:
"Durch das Rausgehen zum Monitor, behältst du die Kontrolle. Wenn du die Bilder selber gesehen hast, hast du eine andere Stärke, kannst ganz anders auftreten, hast eine andere Ausstrahlung als Schiedsrichter. Ich sage immer, es gibt Schiedsrichter, die pfeifen und Schiedsrichter, die ein Spiel leiten. Leiten und Führen heißt, Kontrolle zu haben. Du weißt genau, was passiert. Dafür brauchst du als Spielleiter möglichst viele Informationen. Ich möchte nicht aufgrund von Annahmen agieren, ich möchte wissen, ob ich auf einen Eisberg zusteuere oder nicht. Dafür brauche ich vielleicht einmal einen Blick auf den Monitor. Das gibt Sicherheit und Stärke."

Steffen Baumgart - Borussia Dortmund vs. SC Paderborn

Fotocredit: Getty Images

Stieler ging nicht zum Monitor und habe jetzt "Riesendiskussionen um seine Person", so der 62-Jährige.
"Das wäre nicht notwendig gewesen, wenn er kurz raus gegangen wäre. So einfach wäre das zu lösen gewesen." Meier hofft, dass die Schiedsrichter "klar dahingehend geschult werden, lieber einmal zu viel rauszugehen als einmal zu wenig".
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