DFB Pokal | 3 Dinge, die auffielen: Bayern stürzt der Verwaltungsmodus ab

Der FC Bayern München zieht mit einem unterhaltsamen 4:3 (3:1) über die TSG 1899 Hoffenheim ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein. Nachlässigkeiten zum Ende der Partie hin wissen Thomas Müller und eine effektive linke Seite zu kaschieren, auf der es Philippe Coutinho zu oft zu kompliziert macht und eher durch die einfachen Dinge besticht. Was uns auffiel.

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Aus der Allianz Arena berichten Florian Bogner und Marc Hlusiak

1. Bayern kann keinen Verwaltungsmodus

Anders als noch im Ligaspiel Anfang Oktober (2:1 für Hoffenheim) taten die Flick-Bayern den erneut frech im 4-3-3 angetretenen Gästen zunächst nicht den Gefallen, sie reihenweise zu Konterchancen einzuladen. Vor allem der schnelle David Alaba ließ sich achtsam immer wieder hinter die Kette fallen, um notfalls den etwas langsameren Jérôme Boateng - im Bundesliga-Spiel noch Rotsünder – zu unterstützen.
Zudem konnte der immer wieder mit Szenenapplaus bedachte Davies die Schnelligkeit Ilhas Bebous nahezu neutralisieren. Joshua Kimmich sicherte vor der Abwehrkette ab. Andrej Kramaric widerum legte als Hoffenheimer Sturmspitze nicht die Kaltschnäuzigkeit an den Tag, die Sargis Adamyan im Oktober als Doppelpacker zum Matchwinner gemacht hatte.
Offensiv konnte Bayern gerade in der ersten Halbzeit durch geschickte Spielverlagerungen und Anspiele auf Müller und Coutinho zwischen den Linien Gleichzahl- oder sogar Überzahlsituationen am Hoffenheimer Strafraum heraufbeschwören und diese dann auch in Tore ummünzen.
Hinten ließ Bayern zwischen der zehnten und 70. Minute so fast gar nichts zu, machte Hoffenheim aber dann nochmal extrem stark, als es offensichtlich schon Körner für den Bundesliga-Showdown am Sonntag gegen RB Leipzig (18:00 Uhr im Liveticker) sparen wollte.
Das missfiel Trainer Hansi Flick gewaltig. Im Interview mit der "ARD" sagte er:
Flick hatte allen Grund zu Unzufriedenheit. Immerhin stürzte seinen Bayern nach den Einwechslungen von Joshua Zirkzee (81. Minute für Thomas Müller), Michael Cuisance (81. für Lewandowski) und Álvaro Odriozola (83. für den am Rücken angeschlagenen Boateng) der Verwaltungsmodus binnen weniger Minuten komplett ab. Hoffenheim kam zu einem hübschen Strauß Chancen und durch den eingewechselten Munas Dabbur noch zu zwei Toren (82./90.+2).

2. Links vor Rechts

Bayerns Spiel war gegen den offensiv ausgerichteten Gegner in der ersten Halbzeit zwar nicht unbedingt linkslastig - die größere Gefahr ging jedoch auch in Abwesenheit der verletzten Kingsley Coman und Ivan Perisic klar von der Seite Davies/Coutinho aus, auf der sich zudem der linke Innenverteidiger Alaba immer wieder in die Offensive einschaltete.
Während sich Rechtsverteidiger Benjamin Pavard mit zahllosen Flanken redlich mühte, aber kaum Torgefahr heraufbeschwor, und Rechtsaußen Serge Gnabry mehrfach an TSG-Keeper Philipp Pentke scheiterte, machte es die linke Seite besser.
So fielen alle drei Bayern-Treffer vor dem Pausentee mit Beteiligung der drei Linken: Vorm 1:1 (Eigentor Hübner, 12.) spielte Philippe Coutinho einen klugen Steckpass in den Lauf von Alphonso Davies; vor dem 2:1 (Müller, 20.) und 3:1 (Lewandowski, 36.) war es jeweils Alaba, der den Ball mit dem linken Fuß in den Sechzehner brachte.
Nicht unerwähnt lassen sollte man jedoch, dass Coutinho und Davies am 0:1 (8.) nicht ganz unschuldig gewesen waren; Coutinho ließ sich da knapp 25 Meter vor dem Tor recht schulbubenhaft den Ball von Florian Grillitsch abgrätschen, Davies stand in der Folge dann nicht nahe genug an Ilhas Bebou, der den Ball mithilfe von Jérôme Boatengs langem Bein ins Tor bugsierte.
Überhaupt machte Coutinho nicht gerade einen vor Spielfreude überbordenden und insgesamt eher unglücklichen Eindruck – dem Brasilianer unterliefen eine Vielzahl an Fehlpässen, er wirkte nicht so recht ins Zusammenspiel der Kollegen eingebunden und scheiterte mehrfach beim Versuch, irgendetwas Besonderes am Ball zu vollführen, was die Allianz Arena zunehmend mit Stöhnen bedachte.
"Phasenweise hat er gute Sachen gemacht, aber dann auch wieder zu kompliziert gespielt", urteilte Sportdirektor Hasan Salihamidzic später über den Brasilianer. Und weiter:

3. Müller, Müller, immer wieder Müller

In der 51. Minute hatten die Bayern-Fans schon wieder den Torschrei auf den Lippen – Thomas Müller wollte es jedoch frei vor dem Hoffenheimer Tor zu schön machen und lupfte den Ball nur aufs Tordach.
Ansonsten lieferte der Ex-Nationalspieler aber erneut eine äußerst umtriebige und effektive Leistung ab: So war Müller in seiner Paraderolle als "falsche Zehn" nach dem frühen Rückstand an allen drei Bayern-Treffern, die für die beruhigende Pausenführung sorgten, beteiligt.
Beim 1:1 (13.) zwang er Benjamin Hübner sozusagen ins Eigentor, das 2:1 (20.) besorgte er selbst, beim 3:1 (36.) war er noch mit dem Kopf am Ball und legte so für Robert Lewandowski vor.
In den 14 Pflichtspielen unter Hans-Dieter Flick als Bayern-Trainer kommt Müller so auf beachtliche 16 Scorerpunkte (sieben Treffer, neun Assists) und hat sich längst seinen Stammplatz in der Offensive – in der Hackordnung vor Coutinho, versteht sich – verdient. Da machte es auch nichts, dass er sich einmal "verlupfte".
"Natürlich, in den letzten Spielen läuft's gut, das Selbstvertrauen ist da. Ich versuche, diesen Lauf, auch mit dem selber Torschießen, weiter beizubehalten. Das macht schon ziemlich viel Spaß", grinste der Ex-Nationalspieler später. Mit dem späten "Einbruch" des Rekordmeisters war aber auch er nicht einverstanden:
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