BVB: Borussia Dortmund gegen Werder Bremen - Vertraut Favre nun den Jungen?
Publiziert 05/02/2020 um 09:08 GMT+1 Uhr
Der Höhenflug von Borussia Dortmund im Jahre 2020 fand mit dem Pokal-Aus gegen Werder Bremen ein Ende. Während die erfahrenen Spieler wie Marco Reus, Thorgan Hazard oder Nico Schulz enttäuschten, überzeugten lediglich die jungen Einwechselspieler Erling Haaland und Giovanni Reyna. Dürfen die Youngster nun mehr Verantwortung übernehmen?
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Aus dem Weserstadion berichtet Oliver Jensen
Stolperstein Bremen! Wie bereits in der vergangenen Saison scheiterte Borussia Dortmund erneut im Achtelfinale des DFB-Pokals an Werder. Damals erlebte die Formkurve der Borussen einen Knick. Sie gewannen in der Bundesliga daraufhin nur noch eines der folgenden vier Spiele und verspielten nicht zuletzt dadurch die Meisterschaft. Und jetzt?
Welche Folgen hat das 2:3 vom Dienstagabend auf die Mannschaft, die zuvor alle drei Pflichtspiele des Jahres 2020 gewann und mit 15 Toren ein Offensivspektakel geboten hatte? Weder der Trainer noch die Spieler wollten sich darüber in den späten Abendstunden Gedanken machen. Es überwog die nackte Enttäuschung. "Es ist ein bitterer Abend für uns", sagte Julian Brandt.
Auch Trainer Lucien Favre war frustriert und wandte sich kopfschüttelnd vom Spielfeld ab, als der Abpfiff ertönte. "Wir sind sehr enttäuscht, dass wir ausgeschieden sind", sagte der Trainer kurz darauf. Es gab mehrere Kritikpunkte, die Favre aufzuführen hatte. "Keine Balleroberung, kein Zweikampf gewonnen", zählte er auf. Speziell die erste Halbzeit, in der Dortmund zwei Gegentore kassierte und selber kaum Chancen kreierte, missfiel ihm:
Auswechsel-Meckerer Reus und Hakimi enttäuschten
Was der Trainer nicht erwähnte, obwohl dies so offensichtlich war, ist der Leistungsabfall der vermeintlichen Leistungsträger gewesen. Ausgerechnet Achraf Hakimi und Marco Reus, die sich am vergangenen Wochenende gegen Union Berlin noch ungehalten über ihre Auswechslung beschwert hatten, zählten zu den schwächsten Spielern auf dem Platz. Außenverteidiger Hakimi leitete mit einem dicken Fehler den Gegentreffer zum 0:1 ein. Und Reus fiel lediglich dadurch auf, dass er vorne Großchancen liegen ließ und in der Defensive zu nachlässig agierte.
Die Liste der Spieler, die weit unter ihren Möglichkeiten blieben, ließe sich noch lange fortsetzen - zum Beispiel mit Außenverteidiger Schulz, der den verletzten Raphaël Guerreiro vertrat und kein Zugriff auf das Spiel fand, oder mit Offensivspieler Hazard, der bei gefühlt allen Angriffen an den Beinen der gegnerischen Verteidiger scheiterte.
Der neuverpflichtete Emre Can kam erst in der Schlussphase in die Partie, konnte bei seinem ersten Einsatz für Dortmund allerdings keinen großen Einfluss mehr auf die Partie nehmen.
Haaland & Reyna: Die Jungen überzeugen
Es ist kein Zufall, dass die beiden Anschlusstreffer auf das Konto der jungen Einwechselspieler gingen. Erst traf der 19-jährige Erling Haaland zum 1:2 und erzielte somit sein achtes Tor im vierten Pflichtspiel für Dortmund. Später machte der 17-jährige Giovanni Reyna das Tor zum 2:3.
Für den US-Amerikaner, der im vergangenen Sommer nach Deutschland kam, war es das erste Pflichtspieltor beim BVB. "Klar, die Jungen haben etwas gebracht", sagte Trainer Favre. Ist es vielleicht sogar ein Alarmsignal, wenn lediglich zwei Spieler von zusammengerechnet 36 Jahren für positive Impulse sorgen? Marwin Hitz möchte dieser These nicht zustimmen. "Das ist das Ziel von Einwechslungen - egal wie alt ein Spieler ist", so der Torwart.
Doch auch er hat registriert, dass ausgerechnet die Jünglinge unter den Schwarz-Gelben momentan den Unterschied ausmachen können. "Ich glaube, alle wissen, dass Erling eine gute Qualität hat. Das ist überall angekommen. Wenn so ein Spieler eingewechselt wird, ist es klar, dass sich der Gegner Gedanken macht." Und wie beurteilt er Reyna?
Beide Spieler wurden in diesem Jahr fast ausschließlich als Einwechselspieler gebracht. Haaland hatte gegen Union Berlin seinen bislang einzigen Startelf-Einsatz, Reyna hingegen kam bislang nur von der Bank. Favre muss nun entscheiden, ob er den Jungen zukünftig mehr Vertrauen schenken möchte – oder vielleicht sogar muss.
Hummels: "Keine schlechte Leistung gezeigt"
Der Traum vom Pokalfinale ist nun jedenfalls ausgeträumt. Die entscheidende Frage wird sein, welcher Einfluss die Niederlage in Bremen nun auf den weiteren Verlauf der Bundesliga haben wird: Droht erneut ein Knick wie im vergangenen Jahr? Oder aber gelingt es vielleicht, aus dem Negativerlebnis gewisse Lehren zu ziehen und gestärkt daraus hervorzugehen?
Hummels sieht die Gesamtsituation nicht dramatisch: "Wir haben heute keine berauschende Leistung gezeigt, aber auch keine schlechte." Und Brandt merkte an, niemand könne erwarten, "dass wir in jedem Spiel fünf Tore schießen".
Ein Sieg im Auswärtsspiel am Samstag gegen Bayer Leverkusen (ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) ist allerdings Pflicht sein, möchte Dortmund weiterhin im Meisterschaftskampf mitmischen. Die weiteren Aufgaben werden ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt und die erste Champions-League-Partie gegen Paris Saint-Germain sein, ehe es in der Bundesliga am 22. Februar erneut zum SV Werder geht.
Aus Sicht des BVB sollte sich Bremen dann nicht erneut als Stolperstein entpuppen.
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